Gedanken von mir
 
Vom Lächeln eines Kindes

Nun liegt es in der Krippe, das Kind von Bethlehem, und lächelt. Wen rührt das nicht an? Kinder haben nicht viele Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen. Sie können laut weinen und schreien. Dann wird die ganze Umgebung wach und stürzt sich auf das Kleine und versucht herauszufinden, was mit ihm los ist. Sobald jedoch das Schreien verstummt, verstummt auch die gewonnene Aufmerksamkeit. Der Erfolg der Aktion ist nur von kurzer Dauer.

Um sich dauerhafter in das Bewusstsein der Menschen einzuprägen hat ein Kind eine andere Möglichkeit. Es lächelt die Menschen gewinnend an. Wer kann diesem Lächeln widerstehen? Arme und reiche, fröhliche und traurige und manchmal sogar verbitterte Menschen werden durch das Lächeln eines Kindes bewegt. Es ist eine ganz eigene Art, die Menschen bleibend zu erreichen.

Als Gott sich dazu entschließt, den Menschen zu erreichen, wählt er das Lächeln eines Kindes. Im Kind von Bethlehem sieht uns Gott selber an. Gott möchte uns Menschen für sich gewinnen, deshalb kommt er als Kind zu uns und lächelt uns an. Aus seinen Augen strahlt uns Liebe entgegen. Auf die besondere Art des Kindes versucht Gott die Menschen für sich zu gewinnen.

Wie schon in der gesamten Heilsgeschichte des Volkes Gottes, wählt Gott eine überraschende Art, den Menschen zu begegnen. Er, der Allmächtige, wie Gott von uns Menschen zu Recht genannt wird, wählt die Art des Ohnmächtigen, um in unser Leben zu treten. Ein Kind ist ohne Macht, hilflos, den Menschen und seiner Umgebung ausgeliefert. ES ist auf fremde Hilfe angewiesen und erregt Anteilnahme. Den freundlichen Augen eines Kindes lässt sich kaum widerstehen. Mit seinem Lächeln bewegt es die Herzen der Menschen.

Als der Ohnmächtige tritt Gott in das Leben von uns Menschen. Damit stellt er sich in Widerspruch zum Normalen der Welt. Wir sprechen von Ellenbogengesellschaft und kennen viele Formen von Macht, die wir über andere Menschen ausüben. Manchmal benützt der Mensch sogar Gott dazu, um seine Macht über andere zu begründen. Doch im Kind von Bethlehem zeigt sich, dass Gott nicht den Weg der Macht wählt. Mit ihm lässt sich keine Macht begründen. Es ist ein anderer Weg, der sich in Gott eröffnet. Es ist der Weg des Lächelns, das Andere gewinnt, es ist der Weg der Liebe.

Mit der Geburt des Kindes von Bethlehem wirft Gott die Weltordnung um. Die Ankunft des Sohnes Gottes in der Welt malt ein großes Fragezeichen hinter unser Denken. Was heißt das für unsere Gesellschaftsordnung, wenn ein Kind wichtiger und bedeutsamer ist, als alle Mächtigen der Welt zusammen? Jeder, der zu den Mächtigen zählt, muss sich fragen, wie er mit seiner Macht umgeht, Ob er damit den Menschen dient oder sich selbst. Gottes Wahl bringt nicht nur die Macht der Herrscher der Welt ins Wanken, sie stellt auch die Frage an unsere Mächtigkeit, an unser Bemühen Macht über andere auszuüben auf viele verschiedene Weisen. Immer wenn wir versuchen, anderen Menschen nach unseren Wünschen und unserem Willen zu formen, üben wir Macht über sie aus. Das geschieht offensichtlich und versteckt. Auch wir müssen uns die Frage nach den Umgang mit unserer Macht gefallen lassen, denn Macht ist nicht der Weg Gottes.

Das Kind von Bethlehem übt keine Macht über die Menschen aus, es gewinnt die Menschen mit seinem Lächeln und mit der Liebe, die aus seinen Augen strahlt. Dieses Kind wird deshalb zum Friedensbringer in unserer Welt, weil es uns die Sinnlosigkeit von Machtausübung vor Augen hält. Wie wenig mit Macht Frieden in unserer Welt wachsen kann, sehen wir Tag für Tag in den Krisengebieten unserer Welt. Frieden entsteht nicht durch Waffen sondern durch Liebe. Nur dann wenn Menschen Anerkennung und Respekt entgegengebracht wird, werden sie fähig zu Versöhnung und Frieden. Das ehrliche Lächeln eines Kindes wirkt mehr Frieden als manch großartige Rede. Dass der Weg der Gewaltlosigkeit gehbar ist, haben uns große Gestalten unserer Zeit gezeigt. Auch wenn beispielsweise ein Mahatma Ghandi sein Leben lassen musste, hat er doch sein Land grundsätzlich zu Positiven verändert. Der Weg des Verzichtes auf Gewalt entspricht der Art Gottes. Gott zwingt den Menschen nicht, er lädt ihn vielmehr ein.

Das Kind von Bethlehem zwingt uns nicht, es ist eine Einladung an uns. Gott lässt uns Menschen unsere Freiheit. Würde Gott mit aller Macht auftreten, wer könnte es wagen, ihm zu widerstehen. Doch Gott kommt als Kind in die Welt. Vor einem Kind brauchen wir uns nicht zu fürchten. Wir sind frei, es aufzunehmen oder es zu lassen.

Doch wenn wir Gottes Sohn so lächeln sehen, können wir ihm wirklich widerstehen?