Gedanken von mir
 


Beziehungsmeister

Gehen wir auf die Suche nach Menschen mit Erfahrung in Sachen Partnerschaft, dann finden wir in alten Ehepaaren gute Ratgeber. Sie verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz, wenn es um die Beziehung zwischen Menschen geht. Dabei ist es nicht so, dass ihr gemeinsames Leben keine Klippen gekannt hätte. Vielmehr haben sich diese Paare die nötige Weisheit und den nötigen Mut erworben, Klippen des Lebens zu meistern.

Mose hat gerade Beziehungsschwierigkeiten mit seinem Volk. Er nennt es ein störrisches Volk, denn die Israeliten wollen ihre eigenen Wege gehen, nicht den, den ihnen Mose als ihr Führer vorausgeht. Da wendet sich Mose an einen Beziehungsmeister, nämlich an Gott. Dieser Ich-bin-da zeichnet sich aus durch Langmut und ist reich an Huld und Treue. Dieser Ich-bin-da soll ihm und seinem Volk helfen, dass Mose es auf einem guten Weg führen kann. Gott hört die Bitte seines Knechtes Mose und kommt zu ihm herab, um ihn in seinem Anliegen beizustehen.

Gott ist Meister der Beziehung. Er ist es, weil er in sich vollkommene Beziehung lebt. Im Mysterium der Trinität, der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit, versucht unser Glaube, diese Beziehung zu beschreiben, auch wenn es letztlich unmöglich ist. Wir glauben Gott als Vater, Sohn und Hl. Geist und gleichzeitig als den einen Gott. Gott ist in seiner Beziehung so vollkommen, dass er eins ist in seinen drei Personen. Gott ist vollkommene Beziehung, denn er ist vollkommene Liebe.

Der Evangelist Johannes schreibt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat. Die Liebe, die Gott in sich trägt und die Gott ist, drängt nach außen. Sie sucht einen Bezugspunkt. Ähnlich wie bei Menschen, die sich wirklich lieben. Sie schließen sich nicht ab, sondern öffnen sich für andere. Auch Gott öffnet sich in Liebe auf den Menschen hin.  Der Mensch erfährt in seiner Begegnung mit Gott, Gott immer als die Liebe. Das ist die Erfahrung des Mose, als Gott zu ihm herab kommt. Das ist die Erfahrung der Menschen in der Begegnung mit Jesus Christus.

In ähnlicher Weise erschließt sich uns das Mysterium der Trinität im Korintherbrief. In Jesus Christus, Gottes Sohn empfangen wir die Gnade unserer Erlösung. Der Vater sendet ihn aus Liebe in unsere Welt. Der Geist schließlich führt den Menschen in die Gemeinschaft mit Gott. Gottes Liebe ist nicht nur innergöttliches Geschehen, sondern schlägt zum Menschen durch. Die Liebe, die Gott in sich lebt, wirkt sich auf seine Beziehung zu den Menschen aus. Diese Liebe bekommt in Jesus Christus ein menschliches Gesicht. Es ist Gott selbst, der ein Gesicht, denn er ist die Liebe. Wir erfahren in Jesus Christus Gottes Liebe unverdient als reines Geschenk. Wenn Menschen Jesus sehen und durch ihn Liebe erfahren, sehen sie immer Gott selbst. Denn es ist sein Gesicht, das wir in Jesus Christus sehen.

Das Leben Jesu und seine Erlösungstat sind die Offenbarung der Liebe Gottes. Der Geist schließlich überschreitet den Menschen Jesus und beginnt in jedem Menschen zu wirken. Er ist die Liebe, die Gemeinschaft stiftet. Gottes Liebe ist nun nicht mehr nur in der einen Person Jesus erfahrbar, sondern in vielen Menschen. Der Geist wirkt in verschiedenen Menschen und verbindet sie, er führt sie zusammen zu einer Gemeinschaft. Die Erfahrung des Geistes schafft Gemeinschaft, denn Menschen lassen sich auf Gottes Liebe ein und es wächst Liebe und Frieden unter den Menschen. Wo der Geist ist, da ist Liebe, wo die Liebe fehlt, da fehlt auch Gottes Geist.

Menschen erleben die Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft und Liebe. Im letzten ist es die Sehnsucht nach Gott, die in unserer Welt spürbar ist. Gleichzeitig erleben wir Menschen, die im Namen der Religion, auch des Christentums, ausgrenzen, verurteilen und morden. Das geht nicht zusammen. Der Dreifaltigkeitssonntag zeigt uns das Widersprüchliche zwischen Gott und dem, was in seinem Namen getan wird. Im Namen keiner Religion lässt sich Krieg führen. Wer dies tut, handelt nicht im Namen Gottes. Denn im Namen der Liebe lässt sich schwer streiten.

Papst Benedikt hat als eines seiner ersten Ziele die Einheit der Christen und den Dialog mit den Religionen der Welt erklärt. Wenn wir dieses Ziel wirklich verfolgen, dann räumen wir Gottes Geist den Raum ein, der Gemeinschaft stiftet. Denn Gott führt Menschen zusammen und trennt sie nicht.

Dieser Gedanke ist eine gute Kontrolle für unser Verhalten. Wenn unser Leben Menschen in die Gemeinschaft führt, dann handeln wir im Geist Christi. Wenn unser Leben Menschen ausschließt, ist auch Gottes Geist nicht mit uns. Wenn wir als Christen leben wollen, muss es uns ein Anliegen sein, Gemeinschaft zwischen Christen und zwischen allen Menschen zu stiften. Nur dann wird Gottes Geist durch uns erfahrbar.

Auch Mose fürchtet um die Einheit mit seinem Volk. Er ruft Gott zu Hilfe, aber nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit Langmut, Liebe und Güte. Mir kommt es oft so vor, als hätten wir gern den Gott des Schwertes, der dem anderen zeigt wo es lang geht. Aber es wird nur der Gott der Liebe kommen, denn Gott selbst führt uns zur Gemeinschaft der Christen und der Menschen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist vorgezeichnet im Mysterium der Trinität. Gott ist eins und doch dreifaltig. Unsere menschliche Gemeinschaft wird zur Einheit in Vielfalt werden, die gemeinsam zu dem einen Ziel des Lebens geht, zu Gott selbst.