Gedanken von mir
 


Cliquenbildung


Wenn sich eine Clique bildet, dann versucht sie sich von anderen Abzugrenzen. Sie kann sich festlegen, indem sie sagt, wer alles nicht dazu gehört und ungewollte Interessenten hinausekelt. Sie kann sich auch festlegen, indem sie bestimmte Ideen oder Verhaltensweisen übt, die nicht jeden Menschen ansprechen. So filtert sie aus der Gruppe der Interessenten die heraus, die schließlich zu ihr passen.

Als Kirche denken wir ähnlich. Wir sagen, zu unserer kirchlichen Gemeinschaft gehört, wer getauft ist und wer sich zu unserer Kirche bekennt. Schwieriger wird es, wenn wir beginnen Kirchenmitgliedschaft und Heil eng zu verknüpfen, wie es über Jahrhunderte guten Gewissens gemacht wurde. Es wurde versucht, Erlösung und die Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche absolut zu verbinden. Erst in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils wurde auch Zugehörigen anderer Religionen die Möglichkeit des Heils und der Erlösung zugestanden. Bis heute fällt vielen schwer, daran zu glauben, dass es auch außerhalb unserer Kirche Heil gibt und strenger noch außerhalb mancher enger kirchlicher Positionen.

Gedanken, wie sie der Apostel Paulus an die Epheser schreibt und wie wir sie eben gehört haben, sollten uns auf andere Ideen bringen. Er sagt, dass die Geburt Jesu ein Geheimnis lüftet. Mit der Geburt Jesu wird offenbar, dass auch Ungläubige zu den Miterben Gottes gehören und Teil desselben Leibes sind wie wir. Auch Heiden haben Teil an Jesus Christus durch das Evangelium, das dieser verkündet hat. Deshalb hat jeder Mensch, egal was er glaubt, Anteil an der Erlösung und am Heil, das von Jesus Christus ausgeht.

Wir selbst müssen für die Worte des Paulus danken, denn nur weil er das Christentum über das Judentum ausgedehnt hat, blieb es nicht eine jüdische Sekte, sondern wurde zur Weltreligion. Durch den Anspruch, das Evangelium für alle Menschen zu verkünden, waren die Apostel fähig, die engen Grenzen des Judentums zu überwinden und mit ihrer Botschaft in alle Welt zu gehen. Im Evangelium steckt eine Weite, die die Grenzen jeder Religion überschreitet und zur Frohbotschaft für alle Menschen in aller Welt wird. Die Botschaft vom Heil und von der Erlösung ist nicht eine Binnenlösung für einen kleinen exklusiven Zirkel, sie richtet sich an alle Menschen unabhängig von deren Weltanschauung. Das Evangelium ist für alle Welt bestimmt. Jeder Mensch darf sich davon angesprochen wissen und sich über seine Erlösung freuen.

Unsere Kirche hat lange gebraucht, die ihre Begrenzungen zu überwinden und zu einer Offenheit zu finden, wie sie Paulus in seinen Briefen beschreibt. Lange erlag sie der Versuchung, sich durch Abgrenzung zu definieren, indem sie Heil nur auf das Christentum oder sogar auf eine bestimmte Konfession festschrieb und allen Außenstehenden das Heil absprach. Es geht aber nicht darum, festzulegen, wer falsch glaubt und deshalb aus Gottes Gnade herausfällt, sondern überzeugend als Christ zu leben. In der Botschaft Jesu Christi spielen nicht Abgrenzungen eine Rolle, sondern eine Botschaft. Er verkündet Heil und Erlösung und damit innere und äußere Freiheit für alle Menschen. Christentum lebt deshalb nicht von Ab- und Ausgrenzung, sondern von der Verkündigung der Freiheit aller Menschen. Wer im Sinne Jesu lebt, grenzt niemanden aus, sondern öffnet sich für jeden, der des Heiles bedarf.

In Jesus Christus wurde ein Geheimnis gelüftet. Er hat offenbart, dass Erlösung und Heil allen Menschen zu allen Zeiten zuteil wird. Erstes Anzeichen dafür war der Besuch der Weisen an der Krippe Jesu. Bereits hier zeigt sich, dass Jesus nicht nur für eine religiöse Minderheit, sondern für die ganze Welt geboren wurde. In seinem Evangelium und in der Verkündigung der Apostel setzt sich diese Gewissheit fort. Die gesamte Welt ist erlöst und dazu bestimmt diese Botschaft zu hören. So hat auch uns das Evangelium erreicht. Danken wir Gott dafür und tragen wir diese Botschaft weiter, um so unseren Beitrag zu leisten für die Freiheit aller Menschen.