Wer selbst ein Haus oder eine Wohnung besitzt, der kann ein Lied davon singen. Wer nicht am Ball bleibt und regelmäßig etwas in den Erhalt des Gebäudes investiert, den überfallen schließlich kostenintensive Generalsanierungen. Es gilt immer im Blick zu haben, was sich abgelebt hat, was nicht mehr der Entwicklung entspricht und was deshalb erneuert werden muss.

Was in so praktischen Fällen augenscheinlich ist, gilt entsprechend auch für unser Leben. Auch hier gilt es am Ball zu bleiben. Medizinisch erinnert uns der Arzt daran, immer mal wieder den entsprechenden Gesundheitscheck zu machen. In unseren Beziehungen hilft uns der Partner, dass wir am Ball bleiben, es sei denn er hat das Interesse an uns verloren. Wenn es aber um unsere innere Entwicklung geht, damit auch um unsere Entwicklung im Glaubens, sind wir in besonderer Weise selbst gefordert. Auch hier gilt, wer nichts tut, wer sich also nicht immer wieder mit sich selbst und mit Gott auseinandersetzt, der lebt sich ab, verliert an Lebendigkeit.

Franziskus stellt sich der Frage nach seinem Leben. Er hat Erfahrungen gesammelt, als jugendlicher Draufgänger in den Straßen von Assisi und als Gefangener nach einem verlorenen Krieg gegen die Nachbarn in Perugia. Franziskus hatte große Pläne und hat Lehrgeld bezahlt. Jetzt steht er vor der Frage, wie es denn ins Leben weitergeht. Da steht er nun vor Gott und frägt: Herr, was willst du, dass ich tun soll?

Die Antwort, die er erhält, ist typisch für Gott: Franziskus, geh hin und stell mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist. Gottes Antwort öffnet zwar den Blick nach vorn, aber sie lässt dem Menschen auch seine Freiheit. Gott legt den Menschen nicht endgültig fest. Er gibt ihm zwar einen Auftrag, doch es liegt am Menschen, wie er diesen füllt, was er daraus macht. So geht es auch Franziskus. Erst nimmt er Gottes Wort sehr wörtlich und beginnt kleine Kirchen aufzubauen, die am zerfallen waren. Erst nach und nach versteht Franz die größere Dimension seines Auftrags und er beginnt mit dem Aufbau des anderen Hauses Gottes. Gottes Haus aus lebendigen Steinen gerät in den Blick des Heiligen. Also versucht Franziskus zu verstehen, es geht nicht darum, starre Gebilde zu erhalten, sondern um die lebendigen Steine für Gottes Reich. Franziskus versucht die Welt mit den Augen Gottes zu sehen. Dabei entdeckt er das Evangeliums und er fängt an, zu verstehen, welche befreiende Botschaft hinter den Worten Jesu steht. Franz erkennt, was es heißt, wenn Gott Schöpfer und Vater der Welt ist. Deshalb lernt er in jedem Menschen seinen Bruder und seine Schwester zu sehen – weiter noch – in jedem Geschöpf der Erde erkennt Franziskus das Geschöpf Gottes. Nun krempelt Franz sein Gesellschaftsbild um. War seine Welt geprägt von verschiedenen Klassen, wo er selbst versuchte, über den Rittertraum in höhere Regionen zu steigen. Gibt es nun für ihn kein oben und kein untern mehr. Franz kennt nur noch Schwestern und Brüdern. Für ihn gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den Menschen, denn alle tragen die gleiche Würde. Jeder Mensch ist Gottes Kind.

Mit diesem Denken beginnt Franziskus das Haus Gottes wieder herzustellen. Franz bringt Jesu Botschaft ins Bewusstsein der Menschen und baut so mit am Reich Gottes. Es sind neue Gedanken, die doch alt sind, allerdings in Vergessenheit geraten. Gottes Haus war verfallen. Das Evangelium war durch Machtstreben zur Ruine geworden. Nun hat es eine neue Stimme bekommen. Mit Wort und Tat verkündet Franziskus das Evangelium und richtet so Gottes Haus wieder her. Die Verkündigung des Franziskus wird von Menschen begeistert aufgenommen. Die Menschen atmen auf. Sie hören eine neue Rede von Gott. Sie spüren den Geist der Freiheit, den Franziskus im Evangelium entdeckt hat. Sie erfahren von der Liebe, die Gott zu den Menschen hat. Franziskus gibt dem Haus Gottes die Gestalt zurück, die es verloren hatte.

Wir dürfen uns gerne in die Begeisterung des Franz hineinnehmen lassen. Manchmal, so scheint es mir, will uns die Freude am Glauben vergehen. Wir trauen uns kaum, Glaube als etwas Fröhliches zu sehen. Vielleicht wurden wir zur Angst vor Gott erzogen. Vielleicht sehen wir eher die Enge mancher Forderung unserer Kirche als die Befreiung, die von Gott kommt. Vielleicht wurde unser Glauben zum Ort von Leistung und bietet nicht mehr das Angebot des Bleibendürfens.

Franziskus hat uns mit seinem Leben einen Weg eröffnet, der immer wieder Gefahr läuft verschüttet zu werden. Wenn wir uns trauen, diesen Weg zu gehen, dann führt er uns von der Angst fort in die Freiheit der Liebe Gottes. Wegweiser ist das Evangelium. Es lehrt uns in Gott unseren Vater zu sehen und in den Menschen unsere Schwestern und Brüder. Den Weg zu gehen, ist unsere Sache. Wenn wir ihn aber einschlagen, dann dürfen wir in dieser Welt leben als Befreite von der Angst vor Gott. Wir dürfen uns verstehen als von Gott geliebte Menschen und als Schwestern und Brüder. Das ist eine Perspektive, die das Leben lohnt.