Gedanken von mir
 

Kauft ohne Bezahlung

In der Notzeit nach dem 2. Weltkrieg wurde „Fringsen“ zu einem Begriff. Kardinal Frings hatte gesagt, dass es Menschen, die hungern müssen, nicht als Sünde anzurechnen sei, wenn sie Lebensmittel klauten. An dieses „Fringsen“ muss ich denken, wenn ich die Worte des Jesaja höre: „Kommt und kauft ohne Geld, kauft ohne Bezahlung!“ Mancher von uns wird denken, schön wär’s! Endlich hätte ich keine Sorgen mehr.

Die Worte Jesajas klingen fremd in unseren Ohren. Sie widersprechen unserem menschlichen Geschäftssinn. Sieht man sich unser Geschäftsgebaren an, dann wirkt das eher, dass Menschen jede Gelegenheit nützen, um möglichst gute Geschäfte zu machen. Sogar menschliche Not hindert nicht daran, hier einen guten Schnitt zu tun und großzügige Hilfe hat oft einen faden Beigeschmack und lässt uns fragen, was damit erreicht werden soll. Menschlicher Geschäftssinn und die Worte Jesajas passen schlecht zusammen. Was der Prophet noch anfügt trifft den Kern: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege. Spruch des Herrn.“

Das Beispiel des Fringsens mag eine Mahnung an uns sein, mit der Not von Menschen nicht Geschäfte zu machen. Hier denkt Gott sicher anders als viele Menschen, Mehr noch wird der Unterschied im Denken Gottes sichtbar, wenn wir an unsere Versuche denken, mit Gott zu handeln. Hier meine ich nicht den berühmten Handel Abrahams mit Gott, als es um das Schicksal von Sodom und Gomorra geht. Ich denke an unser Handeln mit Gott, oft versteckt unter einem frommen Umhang.

Wie schnell erliegen wir der Versuchung, Gott unsere Frömmigkeit vorzurechen. Das klingt beispielsweise so: Jetzt habe ich neun Tage lang täglich die gleichen Gebete verrichtet. Jetzt musst du mir auch jeden Wunsch erfüllen. Und wenn mein Wunsch dann nicht in Erfüllung geht, dann habe ich mein Gebet nicht gründlich genug gebetet, war ich vielleicht dabei unandächtig? Die Versuchung ist groß, uns Gott mit religiöser Leistung gewogen zu machen. Gerne würden wir hier eine Rechnung auftun, an die sich Gott dann zu halten hat. Auch unsere soziale Ader birgt die Gefahr in sich, dass wir um Gottes Lohn helfen – ein verräterischer Gedanke. Können wir uns Gottes Lohn wirklich verdienen? Können wir uns wirklich einen Platz im Himmel sichern? Uns muss eines klar sein: Mit Gott lässt es sich nicht handeln. Mit Gott können wir keine Geschäfte machen. Denn Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken und seine Wege sind nicht unsere Wege.

Wenn wir uns Gott vorstellen, prägt oft der Gedanke vom jüngsten Gericht unser Bild. Wir denken an den strengen Richter, der uns vorrechnet, wie viel Gutes und wie viel Schlechtes auf dem Konto unseres Lebens steht. Doch sind das wirklich Gottes Gedanken. Nicht nur, dass das biblische Bild vom Jüngsten Gericht nicht als letztes Gericht, sondern eher als Handlungsanweisung zu verstehen ist. Das Leben Jesu ist anders geprägt. In seinem Reden und Tun begegnen wir einem Gott, der das Heil des Menschen will und der in seiner Barmherzigkeit überfließt. Sein Gericht ist kein Verurteilen, es ist ein Aufrichten, ein Hineinnehmen in das Heil.

Heute berichtet uns das Evangelium von der Taufe Jesu. Jesus, Gottes Sohn, stellt sich in die Reihe der Menschen, die von Johannes dem Täufer getauft werden wollen. Als Jesus an der Reihe ist, öffnet sich der Himmel und eine Stimme spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Gott bekennt sich zu seinem Sohn und bestätigt ihn als den Erwählten. Es zeigt sich in Jesus eine neue Beziehungsqualität zwischen Gott und Mensch. Gott wendet sich den Menschen zu als ein Vater. Auch wenn Jesus in besonderer Weise Gottes Sohn ist, so spricht er doch von uns Menschen ebenfalls als Töchter und Söhne Gottes. Sein Reden und Tun spiegelt diese neue Gottesbeziehung des Menschen wieder. Gott hat uns Menschen als seine Kinder angenommen und wir dürfen uns seiner Zuwendung sicher sein. Wir müssen nicht mühsam Pluspunkte auf einem himmlischen Konto ansammeln, wir haben bereits unseren Platz sicher in der himmlischen Familie. Gott hat uns als seine Kinder angenommen und somit endgültig erlöst.

Solches Denken widerspricht unserem menschlichen Empfinden, die wir gerne in Gut und Böse einteilen. Solches Denken enttäuscht unser kaufmännisches Bewusstsein in Heilsdingen. Wir müssen uns sagen lassen, dass wir hier nichts tun können, was unsere Situation sichert. Uns bleibt nur, dass wir Gott als Vater annehmen und uns freuen, dass wir seine Kinder sind. Das sollte uns genügen.