Gedanken von mir
 


hoch oder niedrig?


Jesus und Johannes diskutieren: macht es Sinn, dass Jesus sich durch Johannes taufen lässt – gleichsam der Höhere durch den Niedrigeren? Eine ähnliche Diskussion wird es einmal im Abendmahlssaal geben, wenn Petrus sich weigert, sich von seinem Meister die Füße waschen zu lassen.

Wenn Jesus und hierarchisches Denken zusammen treffen, dann prallen Welten aufeinander. Jesus kam in die Welt um Mensch zu sein und sich bedingungslos in den Dienst der Menschen zu stellen, nicht um über die Menschen zu herrschen. Und er lässt nichts aus, um das zu verdeutlichen. Auch als Jesus sich in die Schlange der Umkehrwilligen stellt, macht er deutlich, ich stelle mich nicht über die Menschen, sondern bin einer von ihnen wie der größte Sünder.

Jesus lässt sich taufen. Es ist die Taufe der Sündenvergebung, für die er sich anstellt, doch als er die Taufe empfängt, Zeigt sich doch ein Unterschied. Die Taufe einen neuen Sinn. Gott bekennt sich zu Jesus als seinem Sohn und zeigt sich im Heiligen Geist. Als Jesus die Taufe der Umkehr empfängt, öffnet sich der Himmel auf die Menschen hin und der Geist Gottes kommt auf den Menschen Jesus herab. Die Taufe wird etwas Neues. Sie dient nicht mehr als Zeichen der Umkehr, sondern wird zum Zeichen der besonderen Beziehung Gottes zu den Menschen. Denn was sich in der Taufe Jesu vollzieht, das geschieht in der Taufe mit allen Menschen. Gott nimmt jeden Menschen an als sein Kind und beschenkt ihn mit seinem Geist. Es entsteht eine besondere Beziehung zwischen Gott und Mensch. Gott nimmt alle Menschen an und hält an dieser Verbundenheit fest.

Für Jesus Christus beginnt mit der Taufe im Jordan sein öffentliches Leben. Gestärkt durch das Bekenntnis Gottes und durch die Begleitung durch den Geist beginnt er seine Sendung zu erfüllen. Er fängt an, den nahen Gott und das anbrechende Reich Gottes zu offenbaren. Jesus beginnt mit der Verkündigung des Evangeliums und wirkt das Heil der Menschen.

Was mit der Taufe Jesu begonnen hat, wird in unserer Taufe fortgeführt. Von Gott angenommen als seine Kinder, werden wir in der Taufe beauftragt, mit der Verkündigung der Frohen Botschaft zu beginnen. Die Symbole der Taufe drücken dies aus. Das Zeichen des Kreuzes, das uns auf die Stirn gezeichnet wurde, macht deutlich, dass wir nun zu Gott gehören und sein Siegelzeichen tragen. Im Wasser und im Hl. Geist werden wir getauft. Unsere Erwählung durch Gott wird sichtbar, wenn wir mit dem Chrisam, dem Königsöl gesalbt werden.

Die verschiedenen Symbole in der Feier der Taufe machen sichtbar, was die Taufe bedeutet. Gott bekennt sich zu uns als seine Kinder. Wir gehören nun zu ihm und er spricht uns an als seine geliebten Töchter und Söhne. Weil wir zu Gott und damit zu Christus gehören, tragen wir sein Zeichen auf unserer Stirn und sind nun Teil der Gemeinschaft der Christen. Wir unsererseits bekennen uns zum Glauben an Gott unseren Vater und an Jesus Christus, Gottes Sohn, sowie an den Geist, der uns nun erfüllt. Wir bekennen uns auch zur Frohen Botschaft, wie sie uns Christus verkündet hat. Im Wasser der Taufe empfangen wir Gottes Geist. Bereits in der Taufe werden wir begeistert, von Gottes Geist erfüllt, und sind deshalb befähigt, in Gottes Namen aufzutreten. Wie dieser Auftrag aussieht, das verdeutlicht die Salbung mit Chrisam. Wir werden zum Priester, König und Propheten gesalbt. Es ist Aufgabe jedes Getauften, Gott im Leben der Menschen deutlich zu machen, im Sinne Gottes die Menschen zu begleiten und Gottes Wort zu den Menschen zu bringen. Gott nimmt den Menschen in dreifacher Weise in Dienst, als den, der Leben deutet, der es führt und der zum Sprachrohr Gottes wird. Mit Gottes Geist sind wir dazu befähigt.

Der Weg der Getauften ist uns vorgezeichnet. Wie wir immer wieder an Jesus Christus sehen, ist es ein Weg des Dienens und nicht des Herrschens. Es ist auch ein Weg des Bekenntnisses zum Menschsein. Bei seiner Taufe hat sich Jesus provozierend zum Menschsein gekannt, zum Menschsein auch in seiner Sündhaftigkeit. Er selbst war zwar ohne Sünde, aber er nahm sich dennoch nicht von der Taufe der Umkehr aus. Provozierend stellt sich Jesus in die Reihe der Bußfertigen und beschämt damit jeden, der meint, er wäre vollkommen. Gleichzeitig leuchtet in der Taufe Jesu die Würde des Menschen auf. Gott bekennt sich zu den Menschen als seine Kinder. Der Mensch wird deutlich in seiner Würde, Kind Gottes zu sein. Trotz aller Sündhaftigkeit haben wir diese Würde und wir beleidigen Gott, wenn wir diese Würde verleugnen oder sie anderen Menschen absprechen. Schließlich wird der Mensch in der Taufe zu seinem Dienst beauftragt und befähigt. Mit der Taufe beginnt Jesus seinen Weg das Evangelium zu verkünden. Wir haben ebenfalls den Auftrag und sind dazu durch den Geist befähigt, die Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen mit Wort und Tat zu verkünden.