Im Evangelium des heutigen Tages begegnen wir nochmals Johannes des Täufers. Er war es, der uns bereits im Advent als Rufer zur Umkehr begegnet ist und uns auf die Ankunft Jesu in unserer Welt eingestimmt hat. Heute begegnen wir ihm noch einmal. Wieder wird er uns als Rufer in der Wüste vorgestellt. Er ruft dazu auf dass die Menschen dem Herrn den Weg bereiten sollen, und schließt sich damit dem Propheten Jesaja an. Bereitet dem Herrn den Weg, öffnet euch auf die Begegnung mit Gott, damit er bei euch ankommen kann.

Gute Tausend Jahre später wird Franz von Assisi eine Bewegung gründen, die er die Brüder und Schwestern von der Buße nennt. Für diese Gemeinschaft und für die Brüder, die sich ihm angeschlossen haben, entdeckt er einen Weg der Buße und der Umkehr und gibt dabei eine klare Orientierung. Umkehr bedeutet für ihn, den Weg des Evangeliums gehen. Der Mensch soll sich auf Jesus Christus hin öffnen, sein Leben an den Worten Jesu ausrichten und so in die Nachfolge dessen treten, der Gottes Sohn ist, Gottes menschgewordenes Wort.

Zwei Männer, die uns auf den Weg bringen, Johannes der Täufer als der Vorläufer Jesu und Franz von Assisi, der als ein Mann in den Fußspuren Jesu gesehen wird.

Beide Männer begegnen Jesus Christus. Franziskus entdeckt die Spuren Jesu in den Worten der Heiligen Schrift. Diese wird für ihn zum Buch des Lebens, zum Buch in dem er sein Leben zu lesen versteht. Dabei wird Gottes Wort für ihn das Leben selbst und gleichzeitig versucht er die Worte der Schrift mit Leben zu füllen.

Johannes der Täufer begegnet Jesus am Jordan. Er führt Jesus in das Volk ein, weist auf ihn hin als den Messias, der den Menschen das Heil bringt. Die Zeit einer Taufe der Umkehr ist nun vorüber, jetzt ist es eine Taufe des Feuers, des Geistes, der die Menschen erfüllen wird. Wer sich auf den Messias einlässt, wird auch dessen Taufe empfangen und damit in die Gemeinschaft mit Christus eingeführt.

Johannes der Täufer und Jesus begegnen sich und es geschieht etwas Eigenartiges. Jesus lässt sich von Johannes taufen, obwohl dieser auf die Hoheit Jesu hinweist. Jesus fügt sich ein die Reihe der Menschen, die sich von Johannes taufen lassen. Er wählt keinen Sonderweg und erwartet keine Sonderbehandlung. Wie jeder andere Mensch nimmt der die Taufe der Umkehr und der Buße an und zeigt damit, dass er zu den Menschen gehört. Er ist Mensch wie jeder andere auch und doch ereignet sich in seiner Taufe etwas besonders. Als Jesus getauft wird, bekennt Gott sich zu Jesus als seinem Sohn. Er bekennt, Jesus, du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Damit bestätigt Gott die Beziehung, die er zu Jesus von Nazareth hat.

Diese Beziehung mag etwas besonderes sein, doch sie wird ausgeweitet auf alle Menschen hin, in deren Reihe sich Jesus gestellt hat. Jesus wird später betonen: Gott erwählt alle Menschen als seine Kinder. Wir alle gehören in die Gemeinschaft der Kinder Gottes, weil Gott uns als seine Kinder angenommen hat. Damit ist der Mensch mehr als nur Geschöpf Gottes, mehr als nur Freund Gottes und alles andere als ein Sklave Gottes. Der Mensch ist Kind Gottes und steht damit in einer besonderen Beziehung zu Gott.

Was heißt es aber, Kind zu sein? Ein Kind steht in einer besonders engen Beziehung zu seinen Eltern. In der Regel gibt es nichts, was für Eltern wichtiger ist, als ihre Kinder. Das sehen wir besonders dann, wenn Eltern um ihre Kinder bangen müssen oder sie gar verlieren. Kaum ein Schmerz ist größer. Eltern werden alles geben, wenn damit ihre Kinder gerettet werden.

Was Gott über Jesus Christus sagt, das sagt er auch über uns. Wir sind seine geliebten Kinder an denen er sein Gefallen gefunden hat. Wenn nun Gott uns seine Kinder nennt, dann drückt er damit aus, wie wichtig wir für ihn sind. Wir glauben einen Gott, der uns so sehr liebt, wie Eltern ihre Kinder. Gott ist bereit, alles für uns zu geben.

Doch nun stellt sich eine Frage an uns. Verhalten wir uns wie Kinder, die ihre Eltern lieben? Auch wenn Kinder manchmal ihren Eltern Schwierigkeiten machen, so bleibt doch grundsätzlich die Liebe, die sie mit ihren Eltern verbindet. Unser Vater ist Gott. Wenn wir uns als seine Kinder verstehen, werden wir ihn als unseren Vater lieben. Wenn Gott aber unser Vater ist, dann sind wir nicht nur seine Kinder. Wir haben alle Menschen als unsere Schwestern und Brüder. Unsere Geschwister können also reich oder arm sein. Sie können helle oder dunkle Hautfarbe haben, sie können in unserer Sprache sprechen oder in einer anderen. Sie bleiben unsere Schwestern und Brüder. Wenn wir das verstanden haben, dann mag es zwar manchmal Streit geben, doch in der Regel ist die Liebe das Tragende in unserem Zusammenleben. Wir wissen uns mit allen Menschen verbunden als Schwestern und Brüder. Das ist nicht nur eine eigenartige Idee. In Christus ist dieser Gedanke Wirklichkeit geworden. Kinder Gottes zu sein hat also weitgreifende Konsequenzen.