Es war das Paradies


Das wären paradiesische Zustände: Jeder Mensch mag jeden. Alle sind mit sich und mit den anderen zufrieden und leben glücklich zusammen. Es wären paradiesische Zustände, nicht als Kuschelatmosphäre verstanden sondern als Ort, wo jeder Mensch mit Achtung und Respekt behandelt wird und dabei auch anders sein darf, als man es sich vorstellt. Jeder Mensch gilt etwas und wird geliebt, einfach weil er da ist. Paradiesische Zustände die herrschen, weil die Lieb die Grundhaltung aller Menschen ist.

In der biblischen Schilderung des Paradieses sind Adam und Eva nackt. Das heißt übertragen: es gibt nichts, das sie verbergen müssen. Es gibt nichts, wessen sie sich schämen müssten. Nackt sein bedeutet, dass ein Mensch seine wahre Natur, sein wahres Wesen ohne Angst und Scheu zeigen darf. Der Mensch darf sein, so wie er ist. Als solcher wird er geliebt. Doch der biblische Bericht erzählt auch davon, dass Adam und Eva ihre Unbefangenheit verlieren. Sie beginnen sich zu schämen, weil sie ihre Blöße erkennen. Der Mensch isst vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und beginnt damit sich und den Anderen zu bewerten udn zu vergleichen. Da entdeckt er auch seine Blößen, seine Schwächen. Und er fängt an, sich zu verstecken und zu verstellen. Die ungeschmälerte Annahme des anderen mit seinen Blößen, dieuneingeschränkte Liebe des Anderen bekommt einen Knacks. Der Mensch macht die Erfahrung, dass er auch Schwächen hat und deshalb eben nicht wie Gott ist. Er bekommt es mit der Angst u tun und verliert seine absolute Liebesfähigkeit.

Einen weiteren Knacks erlebt die Liebe des Menschen im Turmbau zu Babel. Wieder sind es die Menschen, die nach Höherem streben. Sie versuchen einen Turm bis in den Himmel zu bauen, um so Anteil an der Macht Gottes zu erhalten. Doch ihr Treiben wird gestört. Es kommt Sprachverwirrung unter die Menschen. In ihrer Sehnsucht nach Macht verlieren sie wieder ihre Liebe. Sie möchten die Macht ganz für sich haben. Da hat der Andere keinen Platz mehr. Der Wunsch nach Macht und Herrschaft geht zu Lasten der Liebe.

Mit Jesus Christus wird das Rad der Geschichte gewissermaßen zurückgedreht. Nicht dass hier Geschichte ungeschehen gemacht wird - was war, ist geschehen - aber die Liebe kommt wieder in die Welt.

In Jesus Christus wird dem Streben nach Macht die Liebe gegenüber gestellt. Er, der als allmächtiger Herrscher der Welt in die Welt kommt, führt sich alles andere als ein Herrscher auf. Vielmehr lebt gerade er, dem alle Macht gegeben ist, als ein Mensch ganz ohne Macht. In Jesus zeigt sich, dass Liebe keine Macht ausübt. Liebe lässt den Menschen sein. Sie wirbt um den Menschen ohne ihm seine Freiheit zu nehmen.

In Jesus Christus wird der Angst und Furcht des Menschen die Liebe gegenübergestellt. Jesus selbst kennt keine Angst vor Gott. So wie er mit seinem Gott lebt und wie er ihn den Menschen offenbart, müssen Menschen keine Furcht vor Gott haben. Der Mensch muss sich vor Gott nicht verstellen oder sich seiner schämen, denn Gott liebt den Menschen mit seiner Blöße, mit seinen Schwächen, mit seiner Schuld.

Mit Jesus Christus wurde das Rad der Geschichte zurückgedreht. Die Menschen durften wieder erfahren, was die Liebe ist. Sie erlebten die Liebe in all ihren Dimensionen bis hin zur Hingabe des Lebens.

Der Geist des Lebens Jesu ist Liebe. Dieser Geist über geht auf seine Jünger. Als die Jünger den Geist Gottes empfangen, machen sie die Erfahrung, dass sie sich trotz aller Unterschiede verstehen. In der Apostelgeschichte heißt es, dass jeder seine Sprache spricht und trotzdem jeder jeden versteht. Es ist eine andere Ebene als die der Sprache, die die Menschen untereinander verbindet.

Wenn Kinder im Ausland unterwegs sind, dann machen wir die Beobachtung, dass sie schnell mit anderen in Kontakt kommen. Schnell finden sie sich, auch wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Allein das Interesse am Anderen, die Neugierde am Anderen lässt sie die Sprachbarriere überwinden. Kinder machen keinen Unterschied bezüglich sozialer oder nationaler Herkunft. Sie gehen auf den Anderen zu. Es ist eine Grundhaltung der Liebe, des ehrlichen Interesses am Anderen, die sie diesen Schritt tun lässt.

Kinder machen es uns vor, dass die Liebe genügt, um mit Anderen in Kontakt zukommen. Die Liebe gibt mir ehrliches Interesse am Anderen. Sie lehrt mich Respekt vor der Eigenart des Anderen und kann den Anderen anders sein lassen. Die Liebe hilft mir jede Grenze zu überwinden.

Wenn die Jünger die Erfahrung machen, dass die den Anderen trotz fremder Sprache verstehen, dann weil sie Gottes Geist, die Liebe, empfangen haben. Gottes Geist ist unter die Menschen zurückgekehrt. Deshalb wird sich auch an der Liebe zeigen, ob wir Menschen an Christus glauben und aus seinem Geist leben.