Gedanken von mir
 


Teilhabe an der Herrschaft Gottes


Wenn ein Mensch das Ende seines Lebens kommen sieht, dann schreibt er ein Testament. In der Regel dient dieses Dokument dazu, dass Besitz gerecht verteilt wird.

„Empfangt den Heiligen Geist, wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Jesus überträgt seinen Jüngern eine große Vollmacht. Die Vergebung der Sünden ist allein Gottes Zuständigkeit, aber Jesus überträgt sie den Menschen. Diese Vollmacht wurde in der Geschichte unserer Kirche auch reichlich genutzt. Es scheint eher durch Verweigerung als durch Gewährung – der Blick in die Geschichte unserer Kirche erweckt diesen Eindruck.

Der Mensch erhält Anteil an der Herrschaft Gottes auf Erden. Dabei geht es nicht nur um den Papst oder die Bischöfe, sondern um jeden Menschen. Jeder von uns hat in der Taufe den Hl. Geist empfangen und trägt ihn als unverlierbares Gut in sich. Wir alle haben das Wort Jesu gehört – Empfangt den Hl. Geist – und sind damit hineingenommen in die Gemeinschaft der Begeisterten. Gottes Geist befähigt und beauftragt uns Menschen zur Teilnahme an der Herrschaft Gottes in unserer Welt.

Gott beschenkt die Menschen mit seinem Geist, damit sie an seiner Herrschaft teilnehmen. So durch Gott legitimiert, braucht es keine weitere Legitimation für die Mitarbeit am Reich Gottes. Die Herrschaft Gottes ist jedoch keine Willkürherrschaft. Auch wenn sich Gottes Willen oft nicht so leicht feststellen lässt und vielfach im Namen Gottes Macht ausgeübt wurde, die in Frage zu stellen ist, so ist uns doch eine klare Richtung gegeben für eine Herrschaft in Gottes Namen. Gottes Geist ist es, der den Menschen legitimiert. Er tut es insofern der Mensch aus dem Geist Gottes lebt. Der Geist gibt dem Menschen die Vollmacht zur Mitarbeit in Gottes Reich und gibt ihm auch die nötige Richtung. Die Texte der Hl. Schrift zeigen uns diesen Weg.

Die Apostelgeschichte führt uns das Pfingstereignis vor Augen. Die Jünger Jesu fassen Mut und treten vor Menschen aus vielen Völkern und jeder versteht sie. Die Sprachverwirrung scheint für einen Moment aufgehoben.

Wie oft erleben wir Sprachverwirrung in unserer kleinen Welt. Da gibt es eine heftige Diskussion mit jemandem. Keiner gibt nach bis schließlich jemand kommt und sagt: ihr meint doch das Gleiche. Der einfache Wunsch, Recht zu haben, hat den Blick auf das Gemeinsame verbaut. Oder erinnern wir uns an die Geschichte, wie es zu der Vielzahl der Sprachen kam. Als der Mensch von sich aus versuchte, nach der Herrschaft Gottes zu greifen und dazu einen Turm bis an den Himmel bauen wollte, verliert er die gemeinsame Sprache. Im Streben nach Macht ist ihm die Fähigkeit zur Liebe verloren gegangen und so kann er den andern nicht mehr verstehen.

An Pfingsten werden Menschen vom Hl. Geist erfüllt. Damit finden sie die Sprache wieder, die alle verstehen, sie finden die Liebe wieder, denn Gottes Geist, Gottes Sprache ist die Liebe. Wenn Menschen Gottes große Taten verkünden, dann sprechen sie von nichts anderem als von der Liebe, die Gott zu allen Menschen hat.

Der Korintherbrief findet Bilder für die Unterschiedlichkeit und Vielseitigkeit der Menschen. Hier betont Paulus die große Vielfalt als von Gott gewollt. Die große Verschiedenheit der Menschen ist nicht das Hindernis für ein Leben in Gemeinschaft. Solange Menschen von sich aus um Einheit ringen, geht oft nichts vorwärts. Dann aber wenn Gottes Geist es ist, der die Menschen führt und begleitet, dann wird in der Unterschiedlichkeit das Gemeinsame erfahrbar. Aus der Vielheit wird eine Einheit, die vom Geist geführt in ihrer Vielfalt lebt. Dieser Geist Gottes, der zur Gemeinschaft befähigt, ist die Liebe, wie wir sie von Gott empfangen haben.

Gottes Geist ist es, der den Menschen hilft, sich zu verstehen, Gottes Geist ist es, der die Verschiedenheit der Menschen zu einer Einheit fügt. Gottes Geist ist es, der uns Menschen zur Teilhabe an Gottes Herrschaft befähigt. Immer wieder ist es der Geist Gottes, der eine zentrale Rolle spielt. Wer sich auf diesen Geist beruft, der beruft sich auf die Liebe.

Vinzenz von Paul sagte einmal: Lieber verfehle ich mich durch zu große Barmherzigkeit als durch zu große Strenge. Als Christen sind wir angetreten, Gottes Geist als Kraft unseres Lebens wirken zu lassen. Bei all unserem Tun muss immer die Liebe als dieser Geist bestimmend sein. Wenn wir Menschen vergeben, dann muss es die Liebe sein, die uns dazu antreibt. Wenn wir Menschen die Vergebung verweigern, dann muss es auch die Liebe sein, die uns dazu treibt. Ist es aber Liebe, die Vergebung verhindert, dann nicht um dem anderen etwas vorzuenthalten, sondern um Menschen zum Leben zu führen.

Anfangs hieß es, es gibt den Anschein, dass in unserer Kirche oft die Verweigerung von Vergebung dominant sei. Der Schein trügt, denn wir dürfen die vielen Menschen nicht vergessen, die, getrieben von der Liebe, für die Menschen da sind und indem sie die Liebe leben am Reich Gottes in unserer Welt mitbauen.

Empfangt den Heiligen Geist! Jesus hat uns mit seinem Geist beschenkt. Wir haben den Auftrag und die Befähigung, aus seinem Geist zu leben und unsere Welt zu gestalten. Es wird Zeit, dass wir damit beginnen.