Gedanken von mir
 


Der andere Herrscher


In der vergangen Woche spielte sich in Kiel eine politische Tragödie ab. Heide Simonis, amtierende Ministerpräsidentin in Schleswig – Holstein, ging nach erfolgreichen Verhandlungen siegssicher in die Wahlen zur Regierungschefin und kam als gestürztes Opfer wieder heraus. Die Enttäuschung war erwartungsgemäß groß. Sie wollte sich auf den Thron heben lassen und wurde fallen gelassen.

Wir feiern heute, wie Jesus auf einen Thron gehoben wird. Menschen feiern ihn und überhäufen ihn mit Ruhm und Ehre – Jesus lässt das über sich ergehen, doch im letzten ist es nicht das, was er will. Seine Thronbesteigung findet nicht beim Einzug in Jerusalem statt, sondern am Karfreitag. Indem die Menschen die Thronerhebung Jesu betreiben, geben sie ihren eigenen Sehnsüchten nach. Im Evangelium vom Einzug erleben wir eine Menschenmenge, die sich ihren König krönt. Mit lauten Lobrufen begleiten sie ihn in die große Stadt. Hosanna dem Sohne Davids! Endlich haben sie den großer Befreier und Herrscher gefunden. Der Mann, dem sie huldigen, wird endlich ihren Wunsch nach Freiheit und Erlösung erfüllen. So hoffen und glauben sie.

Doch Schnell kippt die Stimmung. Dann ist es die gleiche Menge, die Jesus nach unten durchreicht. In der Passion werden die Menschen nochmals rufen – jedoch nicht mehr Hosanna, sondern Kreuzige ihn! Blieb der Wunsch der Menge unerfüllt oder war das Handeln Jesu nur zu zögerlich?

Jesus bestieg einen Thron, jedoch nicht den der Menschen. Jesus besteigt einen anderen Thron – einen Thron, der den Menschen Freiheit bringt. Der Weg Jesu führt auf den Thron des Leidens und Sterbens. Ziel seines Lebens ist das Kreuz, das er zum Thron der Erlösung macht. Damit bringt er den Menschen Freiheit. Aber es ist nicht die Freiheit von der römischen Besatzung, sondern die Freiheit von Angst und Tod. Als Jesus den Kreuzesthron besteigt, befreit er die Menschen von der Angst, die der Tod ausstrahlt. Der Tod ist nicht mehr gezeichnet von Hoffnungslosigkeit, sondern vom Leben. Das ist die Freiheit, die die Herrschaft Jesu bringt.

Am Palmsonntag sehen wir die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Erlösung. Voller Hoffnung rufen sie Jesus zu ihrem Befreier aus. Gleichzeitig zeigt sich uns der Erlöser selbst – Jesus Christus. Die Menschen damals wurden enttäuscht, weil sie ihre Sehnsucht und die Antwort Jesu nicht zusammen brachten. Bringen wir beides zusammen oder wenden auch wir uns enttäuscht ab, dann wenn wir uns Heil erhoffen und keines sehen?

Jesus ist der Herrscher der Welt, doch nicht nach den Vorstellungen von uns Menschen, sondern von Gottes Willen. Von ihm kommt unser Heil! Hoffen wir, dass wir ihn als unseren Heiland erkennen.