Gedanken von mir
 


Unfassbar


Jesus lebt! – wer kann diese Botschaft fassen? Wer kann begreifen, was da geschehen ist?

Wir haben unsere Feier in der Dunkelheit begonnen. Es mag die Dunkelheit gewesen sein, die bei den Jüngern Jesu herrschte, als sie nach der Erfahrung des Ölbergs und des Karfreitags auseinander gingen. Es mag die Dunkelheit gewesen sein, die die Frauen auf ihrem Weg zum Grab umgab. Es mag die Dunkelheit sein, die all die Menschen umgibt, denen die unterdrückt werden und denen die Freiheit verweigert wird. Es mag die Dunkelheit sein, die uns umgibt, wenn wir um einen Menschen trauern oder wir selbst die Erfahrung von Leid machen müssen.

In die Dunkelheit unserer Kirche trat ein kleines Licht – eine Flamme nur – und verbreitet Wärme, Strahlkraft im ganzen Raum. Auch wenn man nicht sofort dabei lesen kann, so ist doch die Macht der Dunkelheit gebrochen. Einer kleinen Flamme gelingt es, das große schwarze Meer des Dunkel zu vertreiben. Als die Jünger am Ostermorgen dem Auferstandenen begegneten, war das nicht mehr als ein kleines Dämmern. Er langsam beginnen sie zu begreifen, dass ihr Meister lebt. Fürchtet euch nicht! So ruft der Engel den Frauen am Grab zu; so spricht auch Jesus seine Jünger an. Das Ostergeschehen ist so unbegreiflich, dass es bei den Menschen zuerst Furcht auslöst, die erst nach und nach der Freude weichen wird. Die Menschen brauchen Zeit, um zu begreifen, was da geschehen ist. Zwar ist es ein helles Licht, das am Ostermorgen leuchtet, aber in die Gedanken und die Herzen der Jünger dringt nur ein kleines Lichtchen. Nur langsam dämmert es den Jüngern, dass die Worte Jesu wahr sind und er wirklich die Macht hat, auch den Tod zu überwinden. Sie erkennen, Jesu Worte waren nicht nur leere Hüllen, sie sind wirklich die Wahrheit. Die Menschen brauchen Zeit, das neue Licht zu begreifen, das ihnen leuchtet. Erst die Begegnung mit dem Auferstandenen treibt die Apostel an, die Botschaft Jesu anzunehmen und in die Welt zu tragen. Nun haben sie wirklich verstanden, was Jesus wollte. Jetzt haben sie auch den Mut und die Kraft, im Namen Jesu aufzutreten und dessen Botschaft zu verkünden. Ohne Ostern wäre mit dem Karfreitag auch die Botschaft Jesu gestorben.

Das Licht der Auferstehung wirft ein neues Licht auf die Passion Jesu. Am Kreuz auf Golgatha starb nicht irgendein Mensch. Es starb Jesus, von dem wir glauben, dass er Gott und Mensch ist. In Jesu Sterben ging Gott selbst des Weg hinein in das Reich des Todes. Doch wenn das Leben auf den Tod trifft, dann unterliegt der Tod. Gott selbst, der das Leben ist, hat sich dem Tod entgegengestellt und ihn überwunden. Das Leben hat den Tod besiegt und so den Zugang freigemacht zu Gott, der selbst das Leben ist.

Wir sind in den vergangen Tagen den Weg Jesu mitgegangen. Das war nicht nur ein Erinnern an Jesus, es war das Mitgehen eines Weges, den Jesus uns Menschen geführt hat. Durch Jesu Sterben wurde das Menschsein einen Weg geführt, der bislang keine Zukunft kannte. Doch nun hat auch der letzte Weg eine Perspektive. Dieser Weg hat als Ziel das Leben, welches niemals endet. Jesus hat in seiner Auferstehung die Menschen mitgenommen durch den Tod hindurch in ein neues Leben. Damit hat Christus die Menschen der Macht des Todes ein für alle Mal entrissen. Uns Menschen wurde der Weg zum Leben eröffnet.

Die Jünger erschrecken, als sie den Auferstandenen vor sich haben. Es ist unbegreiflich, dass ein Gestorbener zu den Lebenden zurückkehrt. Doch sie beginnen, zu begreifen. Langsam verstehen sie, welchen Weg ihnen Christus eröffnet hat. Der Glaube an Jesus Christus ist nicht die Sackgasse des Karfreitags, er ist die Befreiung des Ostermorgens. Die Freiheit, welche ihr Meister immer wieder verkündete ist zur Freiheit vom Tod geworden. Nun lässt es sich wirklich in aller Freiheit leben. Von nun an geht die Botschaft vom befreienden Gott in alle Welt. Kostbar ist diese Botschaft, denn viele Menschen werden damit nicht leben können. Staatenlenker und Kirchenfürsten werden sich schwer damit tun, dass das Evangelium von der Freiheit spricht. Viele Menschen werden sich der Worte Jesu bemächtigen, um damit Menschen zu unterdrücken. Doch immer wieder werden Menschen aufstehen, die die Osterbotschaft verstanden haben und von der Freiheit sprechen, die sie in sich birgt.

Dieser Tage jährt sich der Todestag des Bischofs Oscar Romero, der vor 25 Jahren in El Salvador während der Eucharistiefeier erschossen wurde. Sein Killer war angeheuert von den Mächtigen in seinem Land. Oscar Romero hatte es gewagt, die Freiheit des Evangeliums ernst zu nehmen. Dafür wurde er ermordet. Die Menschen in El Salvador verehren Oscar Romero als Martyrer. Hier  hat es einer gewagt mit der Osterbotschaft ernst zu machen und den Menschen wirklich das Evangelium zu bringen.

Unsere Welt braucht Menschen wie Oscar Romero. Nur dann bleibt das Evangelium Christi in unserer Welt lebendig.

In dieser Nacht hat unsere Osterkerze einen neuen Leuchter bekommen. Ich möchte sie hier in aller Kürze erklären. Er hat einen Sockel aus Stein als Symbol für die Schöpfung, unsere Erde. Aus diesem Sockel wachsen Metallstäbe hervor, umgeben von einem Mantel aus Glas, der Halt und Stütze gibt. Nicht ein Einzelner ist es sondern viele. Nicht ein einzelner Mensch sondern viele Apostel haben die Botschaft von Jesus, dem Christus, in alle Welt getragen. Dazu mussten sie mit beiden Beinen im Leben stehen, verwurzelt mit der Erde, dem Grund jeden Lebens. Getragen sind diese Boten durch den Geist, der sie hält und antreibt. Gottes Geist führt sie in die Welt hinaus. Die Stäbe tragen mit Hilfe des Glases eine goldene Schale, auf ihr ruht schließlich die Osterkerze. Bei Paulus heißt es von den kostbaren Gefäßen, in denen die frohe Botschaft getragen wird. Die Botschaft von der Auferstehung ist ein kostbares Gut, bestimmt für die Welt. Wie das Licht der Osterkerze strahlt sie in die ganze Welt.

Die Osterkerze ruht in einer goldenen Schale, die von Stäben getragen wird. Diese Stäbe stehen zuerst für die Apostel, gleichzeitig stehen sie für jeden Einzelnen von uns. Auch uns hält und treibt Gottes Geist. Er treibt uns an die Botschaft von der Auferstehung in alle Welt zu tragen.