Jesus lebt! Er ist von den Toten auferstanden! Reißt uns das wirklich vom Hocker? Geht uns die Freude durch und durch, nachdem wir den Weg des Leidens mitgegangen sind?
Die Frauen am Grab sind eher mit anderen Gedanken beschäftigt, als mit Osterfreude, so haben wir es in der Osternacht gehört. Nur das Wort und der Zuspruch sind zu wenig, um in Menschen richtige Osterfreude auslösen zu können. Zur Osterbotschaft gehört immer auch die Begegnung mit dem Auferstandenen. Dann erst kann der Mensch wirklich glauben: Jesus lebt, er ist von den Toten auferstanden.
In den Tagen nach Ostern werden wir in verschiedene Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen hineingenommen. Meist beginnt eine solche Begegnung mit einem gewissen Erschrecken, dem dann das Erkennen des Auferstandenen folgt. Der Mensch braucht eine gewisse Zeit, bis er sich an das Unvorstellbare gewöhnen kann. Er ist oft so mit eigenen Vorstellungen verhaftet, dass er gar nicht sehen kann, was denn noch anders denkbar wäre. Den Jüngern geht es ähnlich. Von ihren dunklen Gedanken sind sie so gefangen, dass sie gar nicht sehen können, wer ihnen gerade gegenüber steht. Es kann ja gar nicht Jesus Christus, der Auferstandene, sein. Den haben sie doch eben verloren. Doch wenn sie sich dann auf die Begegnung mit dem Fremden einlassen, entdecken sie, dass es wirklich ihr Meister ist, der ihnen gegenüber tritt.
Uns geht es da kaum anders. Festgelegt durch unsere Gedanken tun wir uns schwer, etwas Fremdes zu sehen und darin das Leben zu entdecken. Egal ob es fremde Gedanken oder fremde Menschen sind, es braucht seine Zeit, bis wir sie als Chance erkennen. Wir brauchen Zeit, das Fremde zuzulassen und es dann für uns als Chance für das Leben zu entdecken. Erst wenn wir dem Neuen wirklich begegnen, das heißt zu ihm in Beziehung treten, dann wird es für uns zum Weg ins Leben.
Die Jünger können nur an die Auferstehung Jesu glauben, weil sie den Auferstandenen gehört und sich auf ihn eingelassen haben. Dann haben sie daran glauben können, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. So wurden sie ansprechbar für seine Botschaft. Wir müssen den gleichen Weg gehen. Wie die Jünger Jesu hören wir die frohe Botschaft, wenn wir uns für das Evangelium öffnen. Wir begegnen dem Auferstandenen in jeder Eucharistiefeier, wenn er sich in Brot und Wein in unser Leben begibt. Doch oft sind wir zu sehr verschlossen und festgefahren in unserem Denken, so dass es schwer ist Gottes Wort zu hören und seine Gegenwart zu sehen. Erst wenn wir uns für die Begegnung mit Christus öffnen, wenn wir ihm wirklich begegnen, dann kann er als das Leben in unser Leben kommen.
Echte Begegnung fordert den Menschen heraus und verändert ihn. Er nimmt etwas aus dieser Begegnung mit. Wenn wir uns auf die Begegnung mit Christus einlassen, dann verändert er uns. Er bricht unsere Starrheit auf und schafft dem Leben Raum. Es ist die Kälte und Härte in unserem Leben, das was in unserem Leben starr – leblos geworden ist, was durch die Begegnung mit Christus aufgebrochen wird. Wenn wir uns auf den Auferstandenen einlassen, dann ist kein Platz mehr für Verhärtung und Starre. Vielmehr verschafft sich das Leben neuen Raum. Wer an die Auferstehung Christi glaubt, sprüht vor Lebendigkeit. In ihm hat der Tod keine Macht mehr.
Jedes Jahr führt uns der Frühling diese Erfahrung vor Augen. Dann wenn der Schnee die Felder freigibt, drängen sich schnell grüne Spitzen durch die scheinbar tote Erde. Das Leben durchbricht das Tote und es geht weiter.
Lassen wir uns immer dann, wenn wir hart und starr erscheinen, ähnlich aufbrechen, damit das Leben in uns zum Vorschein kommen kann. Dann können auch wir mit den Jüngern Jesu feiern, denn wir wissen, der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, er hat seine Macht verloren. Das Leben hat den Tod besiegt.