Gedanken von mir
 


Gesegnet


Meist heißt es nur noch a Guats Neus oder Guten Rutsch, wenn Neujahrsglückwünsche ausgetauscht werden. Zwar bleiben damit Gute Wünsche verbunden, doch war nicht das „ein gesegnetes Neues Jahr“ ein besserer Wunsch?

Segnen hat mit Leben zu tun. Eine Frau, die gesegnet ist, trägt neues Leben mit sich. Hier zeigt sich noch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Segen: Segnen heißt ins Leben bringen. Wenn wir jemanden segnen, dann wünschen wir ihm den Beistand Gottes. Wir stellen ihn in das Leben, das von Gott kommt. Wir bitten um den besonderen Schutz Gottes und sagen ihm Gottes Heil zu. Vom Segen sprechen wir auch, wenn ein Mensch uns im rechten Augenblick zu Hilfe kommt oder auf andere Weise unser Leben hell macht. Anders herum sollen auch wir für Menschen zum Segen werden, indem wir Leben leicht machen und Menschen eine Hilfe sind.

Aron bekommt über Moses den Auftrag, das Volk Israel zu segnen. In diesem Segen ist vom leuchtenden Angesicht Gottes die Rede, von Zuwendung und Heil. Warme Worte sprechen vom gütigen und gnädigen Blick Gottes, der über seinem gesegneten Volk ruht. Für das Volk Israel steht dieser Segen am Übergang von der Wüste ins gelobte Land. Die nun beginnende Geschichte Israels steht unter dem Vorzeichen des Lebens, Gott selbst wird sich seinem Volk aufs Neue zuwenden und ihm das Heil bringen. Die Tage der Wüste und der Angst sind vorbei, jetzt steht das volle Leben vor der Tür. Für das Volk Israel wendet sich die Zeit.

Die große Zeitenwende feiern wir in diesen Tagen. In der Geburt Jesu hat sich Gott allen Menschen zugewandt. Gottes Angesicht leuchtet über uns und sein Antlitz erstrahlt in den Gesichtern der Menschen, die sich von Gott erlöst wissen dürfen. Uns ist endgültiges Heil geschenkt worden. Paulus erklärt uns die weit reichenden Folgen der Geburt Jesu: alle Menschen sind aus der Sklaverei des Gesetzes freigekauft worden – ein für alle Mal. Wenn nun Menschen noch in Angst und Furcht leben müssen und ihnen Freiheit verwehrt wird, dann ist das Menschenwerk und geht an Gottes Gebot vorbei. Der Mär vom strafenden Gott ist die Grundlage entzogen worden. Gott hat ein Gesicht bekommen. Sein Gesicht ist die Liebe. Die Geburt Jesu ist ein Segen für die ganze Welt, weil damit den Menschen die Sohnschaft geschenkt worden ist. Allein durch Gottes Liebe sind wir Töchter und Söhne Gottes geworden. Damit sind wir Erben, Teilhaber an Gottes Reich. In der Geburt Jesu hat die menschliche Wirklichkeit eine neue Qualität bekommen.

Der Mensch, der bislang nur voller Angst und Furcht zu Gott aufblicken konnte, hat in der Geburt Jesu die Liebe Gottes erfahren. Es zeigt sich, dass Gott die Menschen in Liebe annimmt. Wo aber die Liebe einzieht, da haben Angst und Furcht keinen Platz mehr. Die Verkündigung der Liebe Gottes verhindert es, dass Menschen weiterhin Angst gemacht wird. Alle Fesseln, die durch Angstmacherei gebunden wurden und werden, sind durch die Geburt Jesu zerstört. Sie sind nicht mehr haltbar, denn in der Menschwerdung Gottes wurde die Liebe Gottes offenbar. Die alte Angst vor dem allmächtigen Gott muss der allmächtigen Liebe Gottes weichen. Wo aber die Liebe herrscht, da wird der Mensch in die Freiheit entlassen, denn die Liebe kennt keine Enge und keine Fessel.

Um das zu begreifen, haben wir den Geist erhalten, der uns befähigt, Gott Vater zu nennen. Der Geist ist es, der uns frei macht als Töchter und Söhne Gottes zu leben. Wir sind nicht mehr Sklaven, die nur Befehle empfangen und keine Möglichkeit haben, ihr Leben selbstständig zu planen. Wir sind Gottes Erben und damit Verantwortungsträger, die in Freiheit ihr Leben aus dem Geist Gottes heraus gestalten. Wir sind nicht zu einem knechtischen Leben verdammt, sondern zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung erlöst. Gott als unser Vater ist kein Drücker, er ist der gütige und gnädige Gott, der uns in unserer Freiheit walten lässt, auch wenn es ihm wohl weh tut, wenn er uns bei unserem Tun zusieht.

Mit dieser Freiheit muss der Mensch erst leben lernen. Er darf sie nicht mit Beliebigkeit verwechseln genauso wenig wie mit Grenzenlosigkeit, wobei die Grenzen nicht durch Institutionen zu setzen sind, sondern durch den Wert und die Würde des Menschen.

Gott nimmt die Menschen an als seine Kinder und macht sie zu Erben und nimmt sie damit auch in die Pflicht. Gott beauftrag uns Menschen, das Werk weiterzuführen, das Gott in der Schöpfung begonnen hat. Dazu sind wir berufen, jeder an seinem Platz. Dazu sind wir auch befähigt, weil Gott uns dazu segnet.

Von Gott gesegnet sind wir und von Ihm als Kinder angenommen. Damit verbinden sich Auftrag und Befähigung unseren Platz im Schöpfungsplan Gottes einzunehmen und auszufüllen. Die entsprechende Lebenswahl und Entscheidung kann uns niemand abnehmen. Unseren Platz müssen wir selbst wählen und dann entschieden und in Freiheit Leben gestalten. Wie das geht, das haben wir an Jesus gesehen. Er ist uns den Weg Gottes vorausgegangen. An uns ist es ihm in unserer Schrittlänge nachzugehen.