Gedanken von mir
 


Dienende sind sie


Unser Prophet Johannes sucht Gewissheit. Zwar hat er voller Überzeugung auf den hingewiesen, der nach ihm kommen wird und größer ist als er, aber als es für ihn eng wird, jetzt da er im Gefängnis sitzt, möchte er doch wissen, was wirklich wahr ist. Der Täufer lässt bei Jesus nachfragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Habe ich auf den Richtigen gesetzt oder war ich auf dem Holzweg?

Die Antwort Jesu klingt ausweichend. Es scheint fast so, als wüsste Jesus nicht, wer er ist – aber seine Antwort ist eindeutig, denn er antwortet mit den Worten des alttestamentlichen Messiaspropheten Jesaja: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. Für einen Juden steht damit eindeutig fest, das ist der Auserwählte, der Heiland. Nicht irgendwelche klugen Reden werden Zeichen des Messias sein, sondern das Heil, das er an den Menschen wirkt.

Mit seiner Antwort zeigt Jesus, wie sehr er mit der Tradition seines Volkes verbunden ist. Indem er die Wort Jesajas aufgreift, bekennt er sich zur Geschichte der Heilserwartung des Volkes Israel. Gleichzeitig aber übersteigt Jesus die Tradition seines Volkes, denn die Frage, mit er sich an seine Zuhörer richtet, muss überraschen. Was habt ihr denn sehen wollen? Einen, der groß auftritt, einen mächtigen Herrscher, der alles Unrecht beseitigt und den Gottesstaat ausruft, oder einen wie den Umkehrprediger Johannes, der in seiner Einfachheit mit einer klaren Botschaft auftritt? Dieser Diener Gottes ist zwar unscheinbar und wirkt vielleicht nicht besonders, doch er kommt mit Vollmacht und Klarheit. Johannes der Täufer macht das Wesen der Diener Gottes sichtbar. Demütig stellt er sich ganz in den Dienst Gottes. Er weiß sich unabhängig von der öffentlichen Meinung, aber ganz auf Gott.

Johannes der Täufer nahm eine wichtige Aufgabe wahr. Er war es, der Christus, das Licht, den Heiland der Welt, ankündigte. Sein Auftrag hatte eine große Bedeutung in der Heilsgeschichte Gottes, er selbst aber verblasst in Gegenwart dessen, den er verkündet. Im Letzten ging und geht es allein um Jesus Christus, der als Licht in die Welt kommt. Ohne die Ankunft des Messias wäre sein Auftreten sinnlos gewesen.

Johannes der Täufer und seine Beziehung zu Jesus Christus passen gut zur Segnung der Altarleuchter am heutigen Tag. Wie Johannes der Täufer ganz im Dienst der Ankündigung des Messias stand, stehen diese Leuchter im Dienst des Kerzenlichtes, das sie tragen werden. Zwar sind sie in ihrer Form und Farbe edel gestaltet, doch wirken sie auch schlicht und einfach. Die Unauffälligkeit der Leuchter zeigt, dass die Leuchter selbst unbedeutend sind. Wichtig ist nur der Dienst der Leuchter – nämlich Träger des Lichtes zu sein. Größere Bedeutung haben die Kerzen, denn diese sind Zeichen für den, der unser Heiland ist, Jesus Christus. Wie Johannes der Täufer einen wichtigen Platz in der Heilsgeschichte Gottes hat, so sind Leuchter unverzichtbar als Halter der Kerzen, aber wie Johannes treten auch sie in den Hintergrund. Helle und Heil bringt ein anderer, nämlich Christus, der Heiland der Welt.

Wenn Christus in unsere Welt tritt, dann spart er niemand aus. Als Licht kommt er zu allem, was geschaffen ist. Unsere neuen Leuchter greifen diesen Gedanken auf. Sie haben einen festen Platz am Altar, der als Zeichen für Christus die Mitte unseres Lebens deutlich macht. Um diese Mitte wird in verschiedenen Symbolen gleichsam die gesamte Schöpfung versammelt und in die Nähe Christi gebracht. Verschiedene Elemente wurden in Glaskörpern in die Leuchter integriert:

Ein Stein symbolisiert die anorganische Materie – alles, was uns als leblos erscheint.

Ein Stück Holz steht für das Organische, für alles, was in irgendeiner Weise lebendig ist.

Ein Stück Metall weist uns hin auf die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt in Dienst zu nehmen und zu gestalten.

Der vierte Leuchter schließlich will uns den Geist vor Augen führen, den Geist, der nicht fassbar und nicht greifbar ist, und doch zur Wirklichkeit unseres Lebens gehört.

Indem so die gesamte Welt um den Altar versammelt ist, erinnern uns die Leuchter an Wirklichkeiten unseres Lebens:

Die gesamte geschaffene Welt ist lichtbedürftig. Wir und die Erde mit allem, was auf ihr ist, brauchen das Licht, wir brauchen das Heil, das uns durch Christus geschenkt ist. Wir sind aber nicht nur Licht bedürftig – wir empfangen das Licht. So wie das Licht der Kerze jede Dunkelheit durchdringt, so macht Christus unser Leben und unsere Welt hell. Wir selbst werden vom Licht Christi erfüllt.

Gleichzeitig erhält die Welt auch einen Auftrag. Die gesamte geschaffene Welt ist dazu aufgerufen, selbst Träger des Lichtes zu sein. Wir sind dazu befähigt, Heil zu wirken. Das gilt nicht nur für den Arzt oder Apotheker, jeder Menschen und die gesamte Natur können etwas zum Heil der Welt beitragen. Die Leuchter erinnern uns daran, dass die ganze Welt eingebunden ist in ihren Dienst, nämlich das Licht zu tragen – Jesus Christus, unsern Heiland. Beides gehört zur Wirklichkeit unseres Lebens.

Johannes der Täufer hatte den Auftrag, auf den Messias hinzuweisen, den Heiland der Welt. Unsere Leuchter machen gleiches: Unaufhörlich weisen sie auf den hin, der die Mitte unseres Lebens und unserer Gemeinschaft ist. Gleichzeitig erinnern sie uns an unseren Auftrag ähnlich wie Johannes Jesus Christus zu verkünden, unsern Herr und Heiland, das Licht der ganzen Welt.