Gedanken von mir
 


Jesus klopft an!

Vielleicht haben sich die ersten Verse des heutigen Evangeliums bereits wieder aus unseren Gedanken verabschiedet. Ich weise nochmals kurz auf sie hin.

Jesus macht sich auf den Weg nach Jerusalem und sucht Unterkunft in einem samaritischen Dorf. Doch die Menschen hören, dass er nach Jerusalem will und lassen ihn nicht unterkommen. Ihr Verhalten ist verständlich, weil ein Samaritaner nichts mit Galiläern zu tun haben wollte. Dazu waren die Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen zu heftig.

Verständlich auch die Reaktion der Jünger Jesu, wie er Galiläer, ein guter Grund, den ungeliebten Samaritanern etwas auszuwischen.

Jesus bremst erst mal seine Jünger und dann geht er eben in ein anderes Dorf. Der Evangelist fügt seinem Weg die eine oder andere Aussage zur Nachfolge bei.

Jesus klopft an und die Türen bleiben zu. Ihm geht es ähnlich wie einem Vertreter, der von Tür zu Tür zieht und immer wieder vergeblich versucht seine Ware loszuwerden.

Jesus klopft und die Tür bleibt zu, weil wir wahrscheinlich fürchten, er möchte etwas von uns. Dabei will er uns eher etwas anbieten. Was hat er zu bieten?

Jesus klopft bei Menschen an, weil er ein offenes Ohr und ein weites Herz für sie hat. Jemand der einfach da ist und zuhört, wenn wir auspacken. So jemand tut gut. Jesus ist so ein Mensch. Die Menschen, die ihm begegnen, haben jemanden der einfach da ist. Sie haben jemand, bei dem sie Gehör finden und sich angenommen wissen. Wer außerhalb der Gottesdienstzeiten hier in unserer Kirche vorbei schaut, der findet oft Menschen da sitzen. Ich denke, diese Menschen suchen das Ohr Jesu und finden es, wenn sie hier in der Stille verweilen. Sie erleben, dass Jesus da ist und ihnen zuhört.

Jesus klopft an, weil er den Menschen gutes will. Wenn jemand an unsere Tür klopft, dann erwarten wir, dass er etwas von uns will. Jesus klopft an, weil er etwas für uns will. Es ist ihm ein Anliegen, dass der Mensch sagen kann, sein Leben gelingt. Die Forderungen im heutigen Evangelium klingen hart: Lass die Toten ihre Toten begraben, blick nicht nochmals zurück. Doch sie stellen dem Menschen eine Hilfe dar. Wer immer nur zurückblickt, wird nie in den Genuss kommen, nach vorne zu gehen. Wir bleiben leicht in unserer Vergangenheit stecken. Die Auseinandersetzung mit dem Tod lieber Menschen ist wichtig, doch wer in der Trauer hängen bleibt und in ihr aufgeht, verliert die Kraft zum Leben. In der Vergangenheit bleibt auch der hängen, der Angst hat irgendeine Chance aus gelassen zu haben. Wer leben will muss nach vorne schauen, in die Richtung, die er gewählt hat. Die Erinnerung an die Vergangenheit gehört zu unserem Leben, aber leben müssen wir in der Gegenwart und auf die Zukunft hin. Dabei wirkt der ständige Blick nach hinten hinderlich. Nur wer nach vorne blickt, wird auch den Weg sehen, auf dem er geht.

Wenn Jesus an unsere Türe klopft, dann klopfen andere Menschen an. Dabei sind es unterschiedliche Gründe, weshalb sie anklopfen. Die einen klopften an und kommen mit der Intension Jesu. Sie haben wie er ein offenes Ohr für uns, wie bei ihm finden wir hier einen Ort, wo wir angenommen sind und es tut gut, dass sie anklopfen und da sind. Mit Jesus klopfen auch Menschen an, denen es gut tut, dass wir für sie da sind. Sie suchen bei uns einen Ort, wo sie bleiben dürfen. Alle bitten wie Jesus um Einlass.

Das Bild vom Jesus, der anklopft, trägt eine große Freiheit in sich. Es liegt an uns Menschen, ob wir unsere Türe aufmachen. Es ist unsere Freiheit, Jesus in unser Leben eintreten zu lassen. Wir können ihn auch aussperren.

Ob uns das aber gut tut?