Gedanken von mir
 


Sind Träume Schäume?


Ehepartner von Prominenten treten in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Ähnlich ist es mit dem Hl. Josef. Auch er kommt in den Evangelien nur im Hintergrund vor. In der Kindheitsgeschichte hat er noch Platz, dann taucht er ab. Im heutigen Evangelium aber spielt Josef die Hauptrolle. Durch Traumboten wird ihm die der Schutz seiner Familie anvertraut. Insgesamt kennt die Kindheitsgeschichte Jesu drei Träume, die den Hl. Josef beschäftigen.

Vom ersten Traum hörten wir am 4. Adventssonntag. Josef stellt fest, dass seine Verlobte schwanger ist und weiß, dass das Kind nicht von ihm sein wird. Als er sich von Maria trennen will, erscheint ihm im Traum ein Engel und klärt ihn auf, dass das Kind ein Kind von Gott ist. Josef bleibt.

Vom zweiten und dritten Traum hören wir heute.

Zuerst wird Josef im Traum gewarnt und auf die Flucht geschickt. Der Herrscher Herodes will dem kleinen Kind Übles. Es ist nötig zu fliehen und Josef nimmt seine Familie und geht nach Ägypten. Als sich die Situation normalisiert hat, wird Josef im Traum heimgerufen. Wieder macht er sich auf den Weg und lässt sich schließlich in Galiläa nieder, in der Stadt Nazareth.

Josef ist ein flexibler Mann. Dreimal werden seine Lebenspläne umgestoßen und er muss sich mit völlig abnormalen Situationen zu Recht finden. Dreimal werden seine Pläne durchkreuzt und Gottes Wort bringt ihn auf den Weg. Nicht nur Marias Ja zur Botschaft des Engels gehört zur Geschichte Jesu, auch das Ja des Josefs zum Auftrag der Engel ist wichtig, damit Gott Heilsgeschichte schreiben kann. Josef lässt sich auf die Weisungen der Boten Gottes ein. Er lässt seine eigenen Pläne in Frage stellen durch Träume, die er als Gottes Weisung erkennt.

Die Träume allein sind es jedoch nicht, die das Handeln Josefs lenken. Der Traum allein wäre zu wenig. Für Josef kommt die Liebe als wichtiges Handlungsmotiv hinzu. Nur weil seine Träume ihn in seiner Liebe bestätigen, lässt er sich auf die Gedanken der Nacht ein.

Als er sich von seiner Verlobten trennen will, lässt ihn die Liebe zu Maria schließlich bleiben. Josef nimmt den mühsamen Weg der Flucht nach Ägypten auf sich, weil er aus Liebe seine Frau und sein Kind in Sicherheit bringen will. Als er schließlich in sein Land zurückkehrt, ist nicht Judäa sein Ziel, sondern Galiläa, weil er seine Familie nicht der Willkür der Nachkommen des Herodes aussetzen will.

Josef handelt nicht nur nach Traumgesichtern sondern immer aus Liebe zu seiner Familie. Er lässt sich leiten durch die Boten Gottes, aber gegründet in der Liebe zu Maria und Jesus. Damit wird ein Maßstab sichtbar für die Richtigkeit dessen, was als göttliche Weisung ausgegeben wird. Göttlicher Auftrag ist immer geprägt von der Liebe. Was der Liebe widerspricht, kann nicht von Gott sein, denn Gott ist die Liebe.

Mit der Geburt Jesu ist diese Liebe in unsere Welt gekommen. Jesu Leben wird zur großen Erscheinung der Liebe und zur Offenbarung des Wesens Gottes. Das ganze Leben Jesu zeigt unter Strich nur eines: Gott ist Liebe. Lassen wir uns ein auf diese Liebe, lassen wir uns von ihr ergreifen und geben wir diese Liebe weiter.