Die Augen zum Himmel mit beiden Füßen auf der Erde


Da stehen sie, die Männer von Galiläa, und schauen zum Himmel hinauf. Doch wer zum Himmel schaut, der sieht den Boden unter den Füßen nicht mehr. Wer nach oben schaut, verliert leicht die Bodenhaftung und den Bezug zur irdischen Wirklichkeit.

Zwei Männer, so heißt es in der Apostelgeschichte, holen die Jünger Jesu wieder in die Wirklichkeit zurück. Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Das Leben spielt nicht dort oben, das Leben spielt hier auf der Erde. Hier gilt es zu leben. Hier gilt die Zusage Jesu, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt – geht ihr zu allen Völkern und verkündet ihnen die frohe Botschaft.

Gottes Reich ist zwar nicht von dieser Welt, aber es entsteht in der Welt. Immer wieder gibt es Versuche, Menschen auf den Himmel zu vertrösten. Man redet dann der bösen Welt und dem guten Himmel und geht über in ein Schwarz-weiß-Denken. Doch Jesu Botschaft und Auftrag gehen in eine andere Richtung. Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, dann hat dieses Reich bereits in der Welt begonnen. Mit seinem Leben hat Jesus den Anfang gemacht, die Welt umzuwandeln und Schritt für Schritt zu verändern. Jesus kam als Gottes Sohn in die Welt, um die Welt zu verwandeln und Gottes Reich in der Welt zu verwurzeln. Der Auftrag an seine Jünger lautet deshalb, weiterarbeiten am Umbau der Welt. Die Jünger sind damit beauftragt, die Welt mehr und mehr zu verändern, damit Gottes Reich in der Welt beginnt und wächst. Für viele Menschen wurden die Begegnung mit Jesus und die Begegnung mit seinen Jüngern zur Erfahrung des Himmels. Gottes Reich begann im Leben der Menschen aufzuleuchten. Leben wurde ein Stück Paradies.

Manchmal sprechen wir von himmlischen oder paradiesischen Zuständen. Dabei denken wir nicht zuerst an eine Urlaubsinsel, die uns als Paradies vorgestellt wird. Wir denken vielmehr an Orte der Ruhe und des Friedens. Paradiesische Orte lassen uns den Himmel erahnen oder uns wie im Himmel fühlen. Was kennzeichnet solche Orte?

Frieden wächst zwischen Menschen, wo Gerechtigkeit herrscht, wo Menschen erfahren, dass sie nicht um ihre Rechte kämpfen müssen, sondern wo sie als Menschen akzeptiert und in ihrer Würde respektiert werden. Dann haben Menschen Raum zum Leben ohne die Angst, unter die Räder zu kommen oder aus der Gemeinschaft der Menschen herauszufallen. Frieden wächst zwischen Menschen, wo Misstrauen und Missgunst Fremdworte sind, weil Menschen einander das Gute zutrauen und sich aufeinander verlassen können. Frieden wächst da, wo Menschen in Liebe miteinander leben. Dort wo so der Frieden wachsen kann, dort erfahren wir ein Stück Himmel auf Erden und erleben den Beginn von Gottes Reich.

In einem Lied heißt es, wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns. Frieden, Orte, wo Gottes Reich erfahrbar wird, wachsen da, wo Menschen helfen, dass der Himmel die Erde berührt.

Jesus hat seine Jünger dazu aufgerufen, in alle Welt zu gehen und Gottes Reich zu verkünden. Wenn  wir immer wieder bereit sind, Wege zu verlassen, um die Liebe zu bedenken und Hass zu überwinden, dann helfen wir mit, dass der Himmel die Erde berührt. Dann leisten wir einen Beitrag am Entstehen von Gottes Reich.

Jesus ist zu seinem Vater heimgekehrt. Doch er wird wiederkommen und die Welt in ihre Vollendung zu führen. Ein Stück kommt er bereits wieder in dieser Welt an, wenn er durch uns in unserer Welt erfahrbar wird. Jesus kommt in unserer Welt an, wenn wir nicht sehnsüchtig zu Himmel schauen, sondern mit beiden Füßen im Leben stehen und als Christi Jünger unseren Glauben in der Welt leben.