Gedanken von mir
 

Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.

Ein Mädchen sagte einmal: „Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint.“ Ein schönes Wort zum heutigen Fest Allerheiligen. Durch das Wort des Mädchens wird deutlich, wir feiern Menschen, keine Übermenschen. Der Blick in so manche Heiligenlegende könnte uns mutlos machen, wenn wir von den heldenhaften Taten der Heiligen hören. Doch wenn wir die Lebensgeschichte von Heiligen genau anschauen, dann finden wir dort kaum strahlende Helden, sondern wir entdecken Menschen mit dunklen wie auch mit hellen Kapiteln, so wie in jedem Leben. Wir erfahren die Fragen der Heiligen, auf die sie keine Antwort finden. Wir hören von ihrem Zweifel an Gott und ihrem Unglauben. Wir hören von ihrer Not und gleichzeitig, wie sie um Vertrauen in Gott ringen. Viele Heilige erfahren sich selbst gar nicht so als Heilige, sondern eher als Sünder - noch ganz weit weg von Gott. Das Leben von Heiligen kennt das menschliche Leben in ihrer ganzen Breite. Das ist eine Ermutigung für uns. Auch wir haben die Chance, Heilige zu werden.

 Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen heilig gesprochen. Auch wenn vielleicht hinter manchem Heiligen ein Fragezeichen steht, so zeigt die Vielfalt der Heiligen, dass heilig zu sein eigentlich sehr menschlich ist. Dazu brauchen wir keine Helden und keine Ausnahmekönner zu sein.

Heilige sind Menschen durch die die Sonne scheint. Heilig zu sein,  das ist auch das Ziel unseres Lebens. Der Apostel Paulus drückt es in seinem Brief folgendermaßen aus: Jetzt sind wir Kinder Gottes, aber wir werden Gott ähnlich werden und sehen wie er ist. Kinder Gottes sind wir durch unsere Taufe geworden. Damit ist uns der Weg vorgezeichnet, von dem Paulus schreibt. Einmal Gott ähnlich zu sein ist unsre Hoffnung.

Kinder haben eine eigene Art die Welt zu sehen. Sie leben mit dem Blick nach vorne, hinein in eine Zukunft. Kinder träumen von der Zukunft, was sie sein und was sie haben werden. Kinder Gottes träumen von der Zukunft unserer Welt, in der Gott am Werk ist. Die Seligpreisungen des Evangeliums entwerfen das Bild einer Welt, in der Gott wirkt. Sie sind zwar Zukunftsvision, ein Traum vom Paradies, aber leben Heilige diesen Traum. Als Kinder Gottes leben Heilige mit dem Traum von der Herrschaft Gottes, aber sie geben sich nicht mit dem Träumen zufrieden. Sie träumen nicht nur in Gedanken sondern mit ihrem Leben.  Heilige sind Menschen, die den Traum vom Reich Gottes ein Stück wirklich werden ließen. Das macht vielleicht den Unterschied zu vielen anderen Menschen aus. Heilige machen mit dem Traum vom Reich Gottes ernst.

Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint. Sie sind Menschen, die mit dem Traum vom Reich Gottes ernst machen, damit Gott in der Welt sichtbar wird. Wenn wir nach Bilder suchen, die für die schweren Zeiten des Lebens stehen, dann reden wir oft von Schatten oder von Dunkelheit. Wir fühlen uns in diesen Zeiten oft innerlich dunkel. Auf dieses Bild greifen wir auch gerne zurück, wenn wir Kindern menschliche Not begreiflich machen wollen. Wir sprechen von den Schattenseiten des Lebens. Wollen wir dann vom Wirken Gottes in unserem Leben erzählen, dann beschreiben wir ihn oft als Licht, das unsre Dunkelheit hell macht.

Unser Leben kennt viele dunkle Momente. Wenn wir heute Nachmittag an die Gräber der Menschen gehen, die uns wichtig sind, mischt sich in unserer Gefühl der Dankbarkeit auch Traurigkeit. Sie ist wie ein dunkler Schatten, der sich über das Licht legt. Hier sind wir dankbar für Trost, den wir bekommen. Er macht Leben wieder hell. Dunkel ist unser Leben, wenn wir Unrecht erfahren. Auch Menschen, die fliehen müssen, die verfolgt werden, erfahren dunkle Zeiten in ihrem Leben. Hier braucht es Menschen, die in Verfolgung eine Heimat geben und für Gerechtigkeit einstehen. Die Seligpreisungen schildern eine Welt, in der es zwar Dunkelheiten im Leben gibt, sie aber ins Helle gekehrt werden. Menschen die sich auf den Weg der Seligpreisungen machen, vertrauen auf Gott, der Leben wenden wird. Durch diese Menschen erfahren wir Gott schon in unserer Welt. Heilige sind Menschen, die mit ihrem Leben Gott für Andere erfahrbar machen. Sie sind Menschen, durch die Gott als die Sonne scheint.

Wir heißen Kinder Gottes und sind es. Unserem Leben als Kinder Gottes werden wir gerecht, wenn sich in unserem Leben die Perspektive des Reiches Gottes widerspiegelt. Wir sind Kinder Gottes, wenn wir das unsre dafür tun, dass Gottes Reich wächst. Wir leben als Kinder Gottes, wenn durch uns das Licht Gottes sichtbar wird.

Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint. In diesem Satz konzentriert sich unser Auftrag heilig zu sein. Denn wir sollen es sein, durch die Gott als die Sonne in das Leben der Menschen scheint und das Reich Gottes in der Welt sichtbar wird.