Mit dem Fronleichnamsfest verbindet sich für mich folgende Erinnerung: Während meines Auslandssemesters lebte ich in der kleinen Stadt Fiesole bei Florenz. Dort fand zum Fronleichnamsfest eine Lichterprozession statt, die auch am kommunistischen Haus des Volkes vorbeiführte. Als sich die Prozession diesem Haus näherte, begann der Kantor mit deutlichen Bewegungen die Gläubigen zum Singen zu animieren. Angestimmt wurde dabei der Ruf: Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit. – Ich fühlte mich sehr an die Filme mit Don Camillo und Peppone erinnert.

Die Art des Italieners lässt sich natürlich nicht direkt nach Deutschland übertragen, zu unterschiedlich ist in diesem Punkt unser Denken, aber es wird im Verhalten des Italieners doch etwas von dem deutlich, was Fronleichnam ausmacht. Fronleichnam bedeutet, dass wir mit unserem Herr auf die Straße gehen und die Welt wird mit der Gegenwart Gottes konfrontiert. Wir zeigen der Welt, dass mit unserem Gott immer noch zu rechnen ist. Die Herrschafft Christi ist nicht beendet, sondern sie dauert weiterhin an, denn vor seinem Tod hat Jesus Christus dafür gesorgt, dass seine Sache weitergeht.

Heute haben wir durch den Evangelisten Markus gehört, wie Jesus den Übergang zwischen der Zeit vor und nach seinem Tod herstellt. Als sich das Leben Jesu seinem Ende zuneigt, lädt er seine Jünger zu einem denkwürdigen Mahl. Nach jüdischer Sitte bricht er Brot und füllt den Becher mit Wein, doch dann ergänzt er die überlieferten Worte und sagt seinen Freunden: durch Brot und Wein bin ich euch mit Leib und Blut verbunden. Nicht nur jetzt, da ihr mich seht, bin ich mit euch, sondern auch dann, wenn ihr mich nicht mehr seht. Meine Gegenwart unter euch ist bleibend über den Tod hinaus. Das Mahl, das ihr in meinem Namen feiert, lässt meine Gegenwart immer wieder aufleben.

Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, dann erinnern wir uns an diese Worte, wir danken für unsere Erlösung und feiern die Gegenwart Christi in einem. Wir erinnern uns nicht nur an das Geschehen im Abendmahlssaal, sondern dieses Geschehen wiederholt sich. Mit den Worten Jesu wird er selbst auf dem Altar gegenwärtig und bietet sich uns an. Wir haben die Gelegenheit wie seine Jünger an diesem Mahl teilzunehmen und in Brot und Wein Jesu Leib und Blut zu empfangen.

Wenn wir dieses Angebot annehmen, geschieht etwas mit uns. Paulus schreibt in seinem Hebräerbrief, dass uns das Blut Christi reinigt und uns dazu befähigt, dem lebendigen Gott zu dienen. Jesu Mahl verändert den Menschen. Zuerst reinigt es uns, das heißt, es gibt unserem Leben Klarheit. Wie ein Baum regelmäßig geschnitten und so gereinigt werden muss, damit er wirklich wächst, so braucht auch der Mensch eine innere Reinigung, damit er wachsen kann. Die Beziehung zu Christus gibt ihm dazu die nötige Hilfe und Orientierung. Wer sich auf die Christusbeziehung einlässt, der wird durch Christus ausgerichtet. Er wird auf einen Weg gebracht, der ins Leben führt, das von Gott kommt. Der Mensch wir also durch die Teilnahme am Mahl Christi verwandelt.

Fronleichnam führt uns das Geheimnis dieser Verwandlung vor Augen. Zuerst ist diese Wandlung ein persönliches Geschehen, das jeden Menschen betrifft, der sich auf Jesus einlässt. Denn die Beziehung zu Christus verändert den Menschen.

Doch das Geheimnis der Eucharistie verwandelt auch die Welt. Nicht nur dass jeder Mensch die Welt verändert, der durch die Beziehung zu Christus gewandelt ist. Auch die Welt selbst wird durch die Eucharistie verwandelt, ob sie will oder nicht. Mit der Fronleichnamsprozession führen wir der Welt unseren Herr vor Augen. Nun kann sie nicht mehr an Christus vorbei. Sie kann nicht mehr so tun, als hätte sie Christus nicht gesehen, sondern muss sich mit ihm auseinander setzen. Wer Christus begegnet, muss Stellung beziehen. Er kann sich für ihn entscheiden oder gegen ihn. Einen Mittelweg gibt es nicht.

Wir haben uns für Christus entschieden. Das wollen wir der Welt mit unserer Fronleichnamsfest zeigen. Ob sie sich auf unseren Weg einlässt, das ist ihre Entscheidung. Je einladender und klarer jedoch unser Leben als Christen ist, desto leichter ist es für die Menschen, sich dieser Entscheidung zu stellen und sich Christus anzuschließen. Geben wir also Zeugnis durch ein Leben aus Christus und mit Christus.