Ich habe das meine getan


Ein einfaches "Danke" tut gut. Es macht uns deutlich, der andere hat wahrgenommen, dass wir ihm etwas Gutes tun wollten und es angekommen. Danke sagen wir heute Gott. Wir danken für die Früchte der Erde und damit auch für das Geschenk des Lebens. Vor dem Altar sind die Erntegaben aufgestellt. Sie erinnern uns daran, dass Gott sich um die Menschen sorgt. Wir Franziskaner feiern in diesen Tagen unseren Ordensgründer, den heiligen Franziskus. Mit unserem Fest danken wir Gott für das Geschenk dieses Heiligen, der uns zum Vorbild und geistigen Vater geworden ist. Als Franz von Assisi das Ende seines Lebens vor Augen hat, sagt er: "ich habe das meine getan." Wer diesen Satz am Ende des Lebens sagen darf, der ist mit sich und mit Gott im Reinen. Es ist ein schönes Schlusswort, um in das Reich des Himmels hinüberzugehen.

"Ich habe das meine getan", wie anders war da der Seelenzustand des Heiligen als er sich auf La Verna qualvoll mit seinem Leben auseinander setzt. Der Blick auf seine Geschichte lässt ihn depressiv werden. Ihm ist, als hätte er vergeblich gelebt. Von Dankbarkeit und Freude ist in den Bergen der Toscana nichts zu spüren. Erst als er in der Einsamkeit auch sein Ideal loslässt und sich wirklich ganz auf Gott einlässt, wird er wirklich arm und hat auch vor Gott nichts mehr zu bieten - auch nicht mehr das "nichts mehr haben wollen". Bis dahin war ihm die Armut zum Besitz geworden. Erst als er auch sie loslässt, ist er vor Gott vollkommen arm. La Verna hat den Heiligen von Assisi verändert. Hier begegnet er dem Gekreuzigten. Von dort kehrt er als Gezeichneter nach Umbrien zurück. Die letzten zwei Jahre seines Lebens wird es ruhig um ihn. Franziskus ist mit sich versöhnt. Dankbar kann er von sich sagen: ich habe das meine getan.

Franziskus hat sein Leben gelebt, dafür dankt er Gott und dafür sind wir dankbar. Mit seinem Leben und seiner Predigt hat der die Menschen auf das Geschenk der Liebe Gottes hingewiesen, wie sie sich Jesus Christus und seinem Evangelium und in der gesamten Schöpfung erkennen lässt. Für viele Menschen ist er deshalb bis heute ein Vorbild.

Doch das ist auch problematisch. Heilige werden leicht zu hochgepriesene Vorbildern hinauf gelobt. Einmal davon abgesehen, dass wirkliche Heilige sich selbst nicht als Vorbilder für andere gesehen haben, wird durch das Lob der Heiligen eine Latte sehr hoch gelegt, so hoch, dass sie der nächste reißen muss. Wenn Franziskus sagt: "Ich habe das meine getan - ihr aber müsst das eure tun!", dann wird deutlich, dass es gar nicht darum geht, über die gleiche Latte zu springen, wie es Heilige getan haben. Es ist nicht unser Auftrag, Franziskus oder andere Heilige zu kopieren, wollten wir sie nachmachen, wäre das nicht unser Leben. Vielmehr müssen wir unseren eigenen Weg finden und gehen. In der Regel des Franziskus heißt es nicht, den Fußspuren des Franziskus folgen, sondern das Evangelium unseres Herrn zu beobachten. Diese Regel wie auch andere gibt nur einen Rahmen vor - ähnlich einem Bilderrahmen, der einer Leinwand Halt und Spannung gibt. Doch die Leinwand sind wir, und die Farben unser Leben. In der Auseinandersetzung mit dem Evangelium sollen wir unser eigenes Lebensbild malen. Jedes dieser Lebensbilder wird anders aussehen, denn es ist ein Original und einmalig. Dieses Bild wird deshalb andere Farben haben, als das Bild eines Franziskus. Und manchmal wird auch etwas Farbe über den Rand hinausgehen.

Wenn wir heute dankbar auf die Erntegaben blicken, die uns die Natur in diesem Jahr wieder geschenkt hat, und auch auf das reiche Leben des Franz von Assisi, dann dürfen wir dabei auch dankbar auf unser Lebensbild schauen und ich wünsche uns, dass wir am Ende unseres Lebens auf unser Leben schauen und in Dankbarkeit sagen können: "ich habe das meine getan."