Veröffentlichungen im Blickpunkt

Was ist Wahrheit – diese Frage wird Pilatus in den Mund gelegt. Wir sollten sie uns jedoch immer wieder einmal stellen. Was ist Wahrheit? Ist es das, was uns Tag für Tag als Wahrheit präsentiert wird? Nein, ich will keine Medienschelte betreiben, denn wenn wir auf die Informationsquellen anderer Länder schauen, dann sind wir in Deutschland gut und ziemlich objektiv informiert. Allerdings bedeutet das nicht, dass es um die Wahrheit immer gut bestellt ist. Sehen wir uns nur zwei kurze Beispiele an. In der Berichterstattung über das Wort des Papstes Benedikt zur alten Liturgie, wurde darüber diskutiert, ob Latein wieder einen Platz in unserer Feier haben soll. Das stand nie in Frage, vielmehr geht es um das Bild von Kirche, von Gott und der Beziehung es Menschen zu Gott, wie sie im Gottesdienst zum Ausdruck kommen. Klar, wo Menschen die Sprache nicht verstehen, ist es leichter sie als unmündige abzutun. Ist es hier nicht Wahrheit, dass Jesus die Menschen als Töchter und Söhne Gottes bezeichnet, die mündig sind, weil er ihnen die Wahrheit offenbart hat. Oder nehmen wir ein eher profanes Beispiel: Nur einer überregionalen Tageszeitung war es eine sehr kleine Meldung wert, dass die Gewerkschaft GDL, die eben der Bahn 31 Prozent Lohnerhöhung abstreiten will, bei den Bahnkonkurrenten mit einer Erhöhung von gut 2 Prozent zufrieden war, obwohl diese Lokführer 25 Prozent weniger als ihre Kollegen bei der Bahn verdienen. Was ist also Wahrheit? Uns muss bewusst sein, dass wir immer nur eine durch Interessen gefilterte Wahrheit geliefert bekommen. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, mit dem was uns als Wahrheit verkauft wird. Meistens müssen wir uns erst gründlich auf die Suche machen, um an die ganze Wahrheit zu kommen. Halbe bzw. Scheinwahrheiten haben schon viel Unheil angerichtet. Teilwahrheiten stehen der Wahrheit mehr im Weg als jede Lüge, denn diese lassen sich oft leicht in Frage stellen und enttarnen. Bei Teil- oder Scheinwahrheiten bleibt immer etwas stehen, das sich dann nicht mehr ganz ausräumen lässt – es ist, könnte ja doch mehr wahr sein. Wenn uns also etwas als Tatsache aufgetischt wird, dann müssen wir meistens besonders vorsichtig sein und genau hinhören oder hinschauen, was denn wirklich Wahrheit ist – besonders, wenn Wahrheit absolut gesehen wird. Lassen wir uns mit Wahrheiten nicht so schnell über den Tisch ziehen, sondern prüfen wir ernsthaft, was wirklich wahr ist. Wer ernsthaft nach Wahrheit sucht, wird sie auch finden. (August 2007)

Allerheiligen, für mich ist es ungewohnt, diesen Tag nicht als Feiertag zu begehen. Eine neue Erfahrung, die mich auch nachdenken lässt, ob Allerheiligen wirklich einen Grund zum Feiern bietet. Für Viele verbindet sich mit diesem Tag das Totengedenken an den Familiengräbern. Damit stehen Abschied und Erinnerung im Vordergrund. Wer am Grab eines lieben Menschen steht, sieht zuerst das Traurige, das im Tod jedes Menschen liegt. Egal wie wir zu einem Menschen stehen, es wird immer das Gefühl des Verlustes und der Leere sein, das unser Gedenken prägt. Der Mensch braucht Orte des Abschiedsder Trauer und der Erinnerung, wenn Menschen durch den Tod von ihm gegangen sind.
Allerheiligen bietet einen solchen Ort. Doch das Totengedenken ist nur ein Teil dieses Tages, wenn auch bewusstere. Der wichtigere ist das Fest Allerheiligen selbst – Ausdruck der Freude über die Menschen, die in der Herrlichkeit Gottes leben.
Das Fest Allerheiligen bricht die Trauer über unsere Verstorbenen auf, indem es uns einen verheißungsvollen Blick in die Perspektive menschlichen Lebens über den Tod hinaus tun lässt. Christliche Verkündigung sieht im Tod das Leben, das dem Menschen verheißen ist. Dieses Leben kennt auch einen Ort, nämlich die Herrlichkeit es Reiches Gottes. Dieser Ort ist für jeden Menschen vorgesehen. Wenn wir mit Heiligen oftmals nur Menschen sehen, die uns als Vorbilder auf den Weg gegeben sind, Aller-Heiligen sagt uns, die Perspektive der Herrlichkeit Gottes gilt jedem Menschen.
Auch wenn wir an Allerheiligen an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen stehen, so ist dieser Tag doch ein Grund zum Feiern. Wir feiern, dass wir als Ende nicht den Tod vor Augen haben müssen, sondern das Leben im Paradies. Unsere Verstorbenen haben dieses Paradies bereits erreicht. (Allerheiligen 2006)