Gedanken von mir
 


Antonius von Padua


Der heilige Antonius von Padua war einer der bekanntesten Volksprediger seiner Zeit. Doch ist es fast ein Zufall, dass er überhaupt diesen Weg eingeschlagen hat. Wie es dazu kam, erzählt folgende Geschichte. Nach der Priesterweihe von jungen Dominikanern und Franziskanern saßen die Brüder zum Festmahl zusammen. Da bat der Franziskanerguardian die Mitbrüder Dominikaner um eine geistliche Ansprache. Aber niemand fand sich dazu bereit. Deshalb bestimmte der Guardian Bruder Antonius dazu, diese Rede zu halten. Der zögerte erst, dann begann er stockend zu reden, doch schließlich floss ein solcher Strom göttlicher Weisheit aus ihm heraus, dass alle tief betroffen waren. Von nun an wurde er ausgesandt zu predigen.

Soweit die kurze Geschichte! Dass Antonius predigen konnte, war nicht ganz so überraschend, wie es in dieser Geschichte klingt. Schließlich hatte er ja das entsprechende Studium und die nötige Ausbildung genossen. Überraschend ist vielmehr die Art und Weise, wie seine Predigergabe bekannt wird. Schließlich war Antonius in seiner Gemeinschaft nur Küchenhilfe bekannt.

In der Erzählung vom Beginn der Predigertätigkeit des Heiligen von Padua wird seine Geisteshaltung sichtbar. Dieser bedeutende Mann war ganz und gar Minderbruder. Als Antonius zu den Franziskanern stieß, wusste niemand, wen er vor sich hatte. Auf einem Kapitel in Assisi, als es um die Neuverteilung der Brüder ging, war der junge Mann schlichtweg übrig geblieben. Schließlich erbarmte sich der Guardian von Monte Paolo bei Padua des armen Bruders und nahm ihn mit – für die Küche kann man immer jemanden brauchen. Antonius war mit dieser einfachen Aufgabe zufrieden, obwohl er sehr gut ausgebildet war und sich als Jugendlicher in gehobenen Kreisen bewegte. Für ihn war das nicht wichtig. Er erhob keine Ansprüche auf eine besondere Aufgabe oder Stellung, sondern nahm dankbar an, was man ihm auftrug. Wo ihn der Obere hinstellte, da tat er seinen Dienst.

Als nun der Guardian seinen jungen Bruder aufforderte, vor versammelter Bruderschaft zu sprechen, da hätte er wie die anderen ablehnen können. Wer spricht denn schon gern vor Predigtspezialisten, wie es die Dominikaner und Franziskaner waren. Die anderen Brüder hatten aus gutem Grund gekniffen. Nicht so Antonius! Ihm wurde ein Dienst an der Gemeinschaft aufgetragen und er ließ sich auf diese Bitte ein, auch wenn man von ihm etwas  verlangte, worin die anderen viel geübter waren.

In Antonius wir ein Mensch sichtbar, der sich in Dienst nehmen lässt, der sich fordern lässt und dann mit ganzem Engagement bei der Sache ist. Dabei ist es für ihn gleich, ob er in der Küche sitzt oder vor den Brüdern steht. Jede Aufgabe ist für ihn im Letzten Dienst an Gottes Reich.

Wenn wir diese kurzen Momentaufnahmen aus dem Leben des hl. Antonius anschauen, lassen sich drei christliche Grundhaltungen entdecken: Anspruchslosigkeit, Offenheit und Leidenschaft für Gott.

Aus dem Leben des hl. Antonius spricht Anspruchslosigkeit. Der Heilige nimmt die Dinge so, wie sie eben sind. Auch wenn er sagen könnte, ich kann doch viel mehr, die Arbeit ist mir zu einfach. Antonius nimmt an, was ihm angeboten wird. Er lässt sich einen Platz und eine Aufgabe zuweisen, die er nach Kräften ausfüllt. Er braucht keinen Sonderplatz und keine Speziallösung, sondern ist einfach da und lebt in dem Rahmen, der sich ihm bietet. Anspruchslosigkeit wäre eine Haltung, die den Menschen unserer Zeit gut täte. Der Mensch muss dabei nicht die Angst haben, er könnte unter Wert verkauft werden. Vielmehr ist Anspruchslosigkeit ein Weg, der uns zu den Dingen führt, die wirklich für uns wichtig sind. Sie führt uns zu einem Leben in Einfachheit, getragen vom Vertrauen in Gott und in einer neidlosen Beziehung zu unseren Mitmenschen.

Antonius lebt in Offenheit. Er ist empfänglich für den Willen Gottes, indem er auf seinen Oberen hört. Hier geht es nicht um den viel zitierten Kadavergehorsam, vielmehr geht es um eine Haltung des Gehorsams als Hören, das einfach annimmt, was sich anbietet. Wir sehen an Antonius, dass es nicht die großen Aufgaben sein müssen, die zu einem geistlichen Leben führen. Ihm war der Dienst in der Küche genug, denn er ließ ihm den Raum für Gebet und Betrachtung und damit der Begegnung mit Gott. Offenheit lässt den Anderen zu. Sie schreibt auch Gott nicht vor, in welchen Grenzen er uns ansprechen darf und wo sein Wille von uns gesetzte Grenzen überschreitet.

Antonius lebt mit Leidenschaft für Gott. Mit Leidenschaft zu leben heißt, sich ganz auf etwas einlassen, ohne auf der Suche nach etwas vermeintlich besseren zu leben. Antonius gibt sich sowohl in seinem einfachen Dienst als auch später in seinen Predigtdienst mit allem, was ihn ausmacht. Er ist ganz bei der Sache, das macht Leidenschaft auch für Gott aus. Dass es dabei nicht um Großartiges gehen muss, sehen wir am Leben des hl. Antonius. Es geht allein darum, dass wir uns ganz für das einsetzen, was wir im Moment als unseren Platz und unsere Aufgabe haben.

Anspruchslosigkeit, Offenheit und Leidenschaft für Gott – all dies zeichnet den hl. Antonius aus. Damit geht er keinen Sonderweg, sondern den Weg jedes Christen. Es ist unser Weg und ich wünsche uns, dass wir ihn zu gehen verstehen.