Eben kommen wir von den Gräbern unserer Verstorbenen. Wir haben an Menschen gedacht, die für uns wichtig waren und in irgendeiner Weise unser Leben bestimmten. Auch wenn durch den Tod eines Menschen in unserem Leben eine Leere entsteht, so ist damit nicht alles gesagt. Wir denken an unsere Verstorbenen, wir erinnern uns daran, was Menschen für uns waren, welche Rolle sie in unserem Leben spielten und denken oft an die eine oder andere Begebenheit, die einen Menschen lebendig hält. Ihr Platz ist in unserem Leben nicht nur leer.

Wenn wir unserer Verstorbenen gedenken, dann werden wir uns bewusst, dass ein Mensch so nicht mehr da ist, aber gleichzeitig erleben wir, dass unsere Verstorbenen auf andere Weise unter uns präsent sind. Wir begegnen ihnen in unseren Gedanken, in unseren Gefühlen. Es ist eine neue Art der Gegenwart des Menschen unter uns. Diese neue Form des Zusammenseins ist mir wichtig, weil sie uns etwas Ahnung davon geben kann, was ewiges Leben bedeutet. Unser Glaube sagt uns, dass sich menschliches Leben nicht nur auf die kurze Spanne irdischen Daseins beschränkt, sondern sich über die Grenzen der Zeit hinaus in die Ewigkeit erstreckt. Christlicher Glauben kennt eine Perspektive, die die Enge des Todes überschreitet und in ein Paradies hinein mündet. Der heutige Tag will uns diese Hoffnung vor Augen führen, wenn sich Totengedenken und das Fest aller Heiligen miteinander verbinden.

Auf den Gräbern unserer Verstorbenen brennt vielfach ein Licht. In der Dunkelheit der Trauer ist eine Flamme der Hoffnung und Zuversicht angesteckt. Sie leuchtet wie ein ewiges Licht zwar still vor sich hin, weist aber doch auf die Ewigkeit, die uns Menschen verheißen ist. Unser Glaube sagt uns, wir dürfen einst im Paradies leben und die Verstorbenen sind uns diesen Weg bereits vorausgegangen.

Eine Beschreibung dieses Paradieses hörten wir gerade in den Texten der Heiligen Schrift. Zwei Bilder sind es. In der Offenbarung ist die Rede von einer großen Schar aus allen Nationen, die sich im Paradies zusammenfinden und im Evangelium hören wir von der Not des Menschen, die bei Gott ihre Antwort bekommt. Beide Texte geben ein Stück die Perspektive wieder, die unser Leben hat. Bei aller Not, bei allen unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten weist unser Leben doch hin auf das Paradies. Paradies, der Ort wo Leben zur Vollendung kommt.

Von uns mag niemand daran denken, dass auf jeden Menschen die Heiligkeit wartet. Doch auch wir werden Heilige sein, heilig, weil wir von Gott geheiligt, heil gemacht werden. Das Paradies, Leben in der Herrlichkeit Gottes, Leben in der Fülle Gottes macht den Menschen heil, heil an Leib und Seele. Das ist die Perspektive, die uns erwartet. Wir dürfen einmal im Licht leben. Wir dürfen sehen wie Gott ist. Die Menschen dürfen leben – hineingenommen in das Leben, das Gott selber ist. Dieser Ausblick hilft uns, das Heil für uns zu glauben – anfangshaft bereits jetzt. Mit dieser Perspektive dürfen wir auch hoffnungsvoll an unsere Verstorbenen denken, denn wir dürfen glauben, dass sie leben, heil an Leib und Seele, geheiligt durch Gott, als Heilige in Gottes Reich.