Weihnachten - das Kind in der Krippe


Liebe Schwestern, liebe Brüder, euch ist heute der Retter geboren! Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Würden ihr euch auf den Weg machen?

Unser Retter soll ein kleines Kind sein? (Kind zu mir bitten): Erwachsene haben es nicht leicht. Sie wissen Bescheid und sie sind groß, so dass sie leicht übersehen, was klein ist. Wenn wir ein Kind wirklich sehen wollen, dann müssen wir uns bücken, müssen wir in die Knie gehen. Nur so können wir Kinder wirklich sehen. Ganz so, wie Erwachsene Kinder zu ihren Füßen oft übersehen, läuft der Mensch Gefahr, den menschgewordenen Gott zu übersehen. Denn wer einen Gott sehen will, der erwartet den Großen, den Allmächtigen. Da kann es leicht geschehen, dass er das Kind in der Krippe übersieht. Will der Mensch jedoch unserem Gott begegnen, muss er sich bücken, er muss in die Knie gehen, nur dann kann er ihn wirklich sehen. (aufstehen) In dieser Nacht feiern wir, dass Gott als ein kleines Kind in die Welt kommt. Gott kommt auf uns Menschen zu, jedoch nicht als der Allmächtige, sondern als der Ohnmächtige. Der große Gott macht sich klein, er erniedrigt sich, geht in die Knie, damit er jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen kann. Gott macht sich klein, damit er in jedes menschliche Leben passt. Gott kommt in die Welt als ein Kind. So brauchen wir ihn nicht zu fürchten. Jeder kann ihn an sich heran lassen, jeder kann ihm begegnen.

Doch würden wir das Kind finden, das da in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt?

Gott begegnet uns unerwartet klein. Wenn wir ihn nur im Großartigen suchen, werden wir ihn nicht finden. Wir werden ihn übersehen. Nur wenn wir Gott im Kleinen, im Gebrochenen, im Unfertigen erwarten, dann können auch wir ihn entdecken. Wenn wir uns auf die Suche nach Gott machen, dann wird er sich gerade in den Menschen finden lassen, die wir als unbedeutend beiseite geschoben haben. Er wird sich bei den Menschen finden lassen, die in unserer Welt und in unserer Gesellschaft keinen Platz gefunden haben. Gott wird Mensch als ein Kind, hilflos und klein. Ihm kann der begegnen, der selbst bereit ist, klein zu werden und sich auf die Menschen einzulassen, die für unsere Welt zu klein und zu unwichtig sind, als dass man sich mit ihnen abgeben möchte. Gott wird Mensch als ein Kind. Er begegnet uns als unbedeutendes Kind, klein, leicht zu übersehen. Ohnmächtig betritt der Herrscher der Welt unser Leben.

Als ein kleines Kind kommt Gott in die Welt und nimmt den Menschen an, so wie er ist. Gott erscheint nicht als der Vollkommene, sondern als der unfertige, als ein Mensch, der sich erst noch entwickeln muss. Wir dürfen heute feiern und erleben, dass Gott uns in unserer Unfertigkeit annimmt, so wie wir eben gerade sind. Für ihn spielt es keine Rolle, wie perfekt unser Leben läuft. Vielmehr kommt Gott in die Gebrochenheit unseres Daseins. Gott nimmt uns an mit den Scherben unseres Lebens. Er nimmt uns an mit den Masken, hinter denen wir uns verstecken. Gott tritt ein in die Dunkelheit unseres Versagens. In unsere menschliche Armseligkeit tritt Gott ein und wird hier in uns Mensch.

Dieses Geheimnis wirkt in unserem Leben weiter. Weil wir uns in unserer Kleinheit von Gott angenommen erfahren, erhalten wir unsere Würde. Wir, die Menschen, die sich oft als wertlos und unbedeutend erleben, werden von Gott gewürdigt. Gott erfüllt unser Leben und macht uns Menschen wertvoll, weil wir Menschen sind. Das gilt jedem Menschen, sei er jung oder alt, gesund oder krank, schwach oder stark. Gott hat uns unserem Menschensein seine Würde gegeben. Wer von Gott gewürdigt worden ist, der strahlt etwas aus. Durch uns dringt eine Botschaft in die Welt, die Botschaft von der Würdigung des Menschen. Denn wir haben der Welt zu verkünden, dass Gott jeden Menschen seiner für würdig gezeigt. Der Mensch ist würdig, dass Gott in ihm Mensch wird.

Das ist es, was wir der Welt zu erzählen haben. Jeder Mensch darf sein, denn er ist von Gott gewollt. Jeder Mensch ist wertvoll, denn er trägt göttliche Würde in sich. Jeder Mensch ist von Gott angenommen und geliebt. Diese Liebe wird zum Licht, das die Dunkelheit der Welt erleuchtet. Gottes Liebe wird zum Licht, das in der Krippe aufstrahlt und das Leben der Menschen hell macht.

Verherrlicht ist Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen seiner Gnade.