Gedanken von mir
 


Zum 4. Sonntag der Osterzeit

Es gibt die Floskel, einer Sache ein Gesicht geben. Damit ist gemeint, dass eine Idee, ein Gedanke, ein Traum, etwas was nur in meinen Gedanken existiert, Gestalt bekommt. Etwas, das nur in meinem Kopf existiert hat, wird so gestaltet, dass es nun für andere erkennbar wird. Ich halte meine Gedanken nicht mehr zurück, sondern sie sollen jetzt Wirklichkeit werden.

Jesus hat eine Idee vom Leben. Das Bild vom Hirten lässt uns seine Gedanken erahnen. Ein Hirt ist in Sorge um seine Herde. Er lebt mit ihr, schenkt ihr seine Zuwendung. Er gibt ihr, was gut tut. Jesus stellt sich die Welt vor. Er denkt an Liebe, an Nähe und Zuwendung. Er träumt von Gerechtigkeit und Frieden. Für ihn spielt sich das Leben in Gemeinschaft ab.

Wir wissen um die Gedanken Jesu, weil er ihnen ein Gesicht gibt. Wir müssen nur auf das schauen, was von ihm erzählt wird, was die Menschen, die um ihn herum waren von ihm erzählen, dann sehen wir, was seine Idee vom Leben war. In die Spur Jesu treten Menschen in aller Welt. Jeder von ihnen gibt seinem Glauben ein Gesicht. Es sind die Apostel und die Heiligen, die uns sich sofort einfallen.

Ich denke an ganz konkrete Gesichter, die heute Leben. Da ist der Steuerberater, ein überzeugter Christ. Für ihn heißt Christsein: Nicht jede Lücke in den Steuergesetzen zu suchen, sondern auf Grundlage der Gesetze eine Steuererklärung zu verfassen. Dafür gehen ihm auch mal größere Aufträge durch die Lappen.

Ich denke an einen jungen Mann aus Leipzig. Eigentlich hätte er das Zeug zum Studium, aber er lebt leider einige Jahre zu früh. Als bekennender Christ lehnt er die Jugendweihe ab, ebenso die Mitgliedschaft in der SED. Also hat er keine Chance einen Studienplatz zu bekommen.

Zwei Beispiele aus unserer Zeit, wo Menschen ihrem Glauben ihr Gesicht gegeben haben, sich zu ihrer Überzeugung bekannten. Welches Gesicht hat unser Glaube? Welche Idee haben wir von unserem Glauben?

Ist es Angst Enge Freiheit Freude Privatsache Oder Gemeinschaft?

Was macht unseren Glauben aus? Gib dem Glauben ein Gesicht! Diese Aufforderung gilt uns allen, ob Fachmann oder Laie, wir alle sind dazu aufgerufen. Verkünder der frohen Botschaft ist jeder, der sich Christ nennt. Jeder auf seinen Weise, mit seinen Worten und seinen Möglichkeiten.

Gib dem Glauben dein Gesicht: Es gibt nicht einen abstrakten christlichen Glauben, es gibt auch nicht das eindeutige Gesicht des Glaubens. Unser Glaube lebt durch viele konkrete Gesichter, eines davon ist meines und ein anderes deines.