Gedanken von mir
 


Zum Dreifaltigkeitssonntag 2001

Es gibt viele Versuche, Dreifaltigkeit beziehungsweise Dreieinigkeit zu beschreiben. Alle scheitern sie, auch wenn sie noch so durchdacht sind. Diese Versuche scheitern an der ganz einfachen Tatsache, dass der Mensch von Gott nichts entgültig wissen kann. Alles was der Mensch von Gott weiß, geht auf seine Gotteserfahrung zurück, seine persönliche und die der vielen verschiedenen Menschen, die vor uns über ihre Gotteserfahrung geschrieben haben. Ein Wissen von Gott gibt es nicht. Das was wir als Wissen bezeichnen, sind unsere Überlegungen, unser Gedankengebilde und die Vermutung, dass unser Denken logisch ist.

Das einzige was von all dem bleibt, ist unser persönliches Glauben, das Vertrauen, dass unsere Erfahrungen und unsere Überlegungen nicht in eine Sackgasse führen, sondern wahr sind. Dieser Glaube gibt uns Halt, auch wenn er nicht eine hundertprozentige Sicherheit bieten kann. Wenn es um die Erfahrung Gottes geht, dann bieten uns die heutigen Lesungen verschiedene Elemente an.

Das Buch der Sprichwörter spricht von der Weisheit Gottes. Es sagt von ihr, dass sie vor allem anderen geschaffen ist. Der Mensch sieht die Schöpfung und erlebt, dass alles seine Ordnung hat. Er sieht die Natur und erlebt, wie alles zusammen passt. Hinter allem was der Mensch erfährt, entdeckt er einen Sinn. Hier begegnet uns Gott als der Schöpfer der Welt, als der Vater, der in seiner Weisheit alles geschaffen hat.

Paulus stellt uns Jesus vor, der uns Zugang zu Gottes Gnade gegeben hat. Dahinter verbirgt sich zum einen die Erlösungstat Jesu, sein Tod und seine Auferstehung. Zum anderen begegnet uns Jesus als Mensch, der Gott offenbar macht. Jesus zeigt den Menschen, wer Gott ist und wie er zu uns Menschen steht. Er kann von Gott erzählen, weil er Gott erfahren hat. Jesus ist von derselben Weisheit erfüllt, die Gott von Anfang an geschaffen hat.

Einen dritten Hinweis gibt Jesus selbst. In seinen Abschiedsreden spricht er immer wieder von dem Geist, der ihn mit seinem Vater verbindet. Heute nennt er ihn den Geist der Wahrheit. Dieser Geist wir uns Menschen die Wahrheit Gottes zeigen. Der Mensch kann Gottes Willen erkennen und nimmt teil an der Weisheit Gottes.

Jetzt haben wir die drei Teile der Dreifaltigkeit beieinander: Vater - Sohn - Geist Wir haben auch etwas, was alle drei verbindet: die göttliche Weisheit.

Und was hilft uns das? Bei aller Spekulation in der Lehre von der Dreifaltigkeit ist für mich eines wichtig: Egal ob ich vom Vater, vom Sohn oder vom Heiligen Geist rede, immer spreche ich von einem Gott, der auf die Menschen zugeht. Es sind verschiedene Weisen wie Gott jedem einzelnen von uns begegnet. Gott zeigt sich uns als Vater, weil er will, dass es uns gibt und wir leben. Er begegnet uns als Sohn, weil wir uns mit Gott versöhnt erfahren dürfen. Diese Versöhnung erfahren wir die Worte der Heiligen Schrift und durch Menschen, die mit diesen Worten des Frohbotschaft ernst machen. Gott begegnet uns als Heiliger Geist, der uns antreibt Gottes Gedanken wahr werden zu lassen in unserem Leben.

Dieser Geist ist es, der uns selbst dazu bringt, im Sinne Gottes tätig zu werden. Durch Gottes Weisheit sollen wir wie der Vater als Schöpfer tätig werden, indem wir unsere Welt im Sinne Gottes gestalten. Wir bauen mit an der Schöpfung und ihrer Vollendung. Wie Jesus sollen wir die Botschaft von Gott weiter sagen und weiter tragen. Wir sind seine Offenbarer für alle Menschen in unserer Welt. Durch den Geist sind wir mit Gott verbunden und werden von ihm geführt, damit Gottes Reich wahr wird.

So erweist sich der dreifaltige Gott als der gegenwärtige, in unserem Leben und durch unser Leben.