Gedanken von mir
 

Das rechte Fasten

Rechtzeitig zum Faschingswochenende beschert uns die Liturgie ein Evangelium übers Fasten. Die Pharisäer beschweren sich, dass die Jünger Jesu nicht fasten, während sie sich genau an die Regeln halten. Wir kennen Jesus ja inzwischen als jemanden, der es mit manchen Vorschriften nicht so genau nimmt. Dabei geht es ihm gar nicht darum, den verschiedenen Gesetzen ihre Gültigkeit abzusprechen, aber ganz so starr, darf man die Dinge dann doch nicht sehen.

Fasten hat im Judentum einen ganz bestimmten Sinn. Es dient der Sündenvergebung. Auch im Christentum werden durch Fasten Sünden vergeben, doch haben wir das Glück, dass wir durch Jesus Christus bereits in viel größerem Maß die Sündern vergeben bekommen, wie das durch irgendwelche Bußwerke möglich ist. Wenn er Menschen heilt, sagt er ihnen immer die Vergebung der Sünden zu, und als er schließlich am Kreuz stirbt, tilgt er alle Schul der Welt. Das jüdische Fasten hat deshalb für die Jünger keinen Sinn mehr.

Die Antwort Jesu auf die Frage des Fastens hat übrigens seinen Einzug in die christliche Fastenpraxis genommen. Den Klöstern wird gerne vorgeworfen, dass sie durch eine Reihe von Festen geschickt das Fasten umgehen. Auch die Fastensonntage sind ja keine Fasttage, weil wir an ihnen die Auferstehung feiern. Die Kirche hat übernommen, was Jesus sagt, dann wenn wir Grund zum Feiern haben, ist Fasten unangebracht. Es mag Leute geben, die im Fasten ihren Lebenssinn entdecken und sich jede andere Freude versagen, das kann jedoch nicht im Sinne Jesu sein. Vielmehr geht es darum, dem Fasten einen Sinn zu geben, den die Menschen verstehen und dann werden sie auch sich die Zeit nehmen, zu fasten. Geht es allerdings nur darum, den Menschen durch Fasten ihre Freude zu nehmen, dann wird man sich auch schwer tun zu fasten.

Das mit der Freude ist eh so eine Sache. Der eine oder andere wird sich noch an einen alten kirchlichen Faschingsbrauch erinnern. Da waren der Rosenmontag und Faschingsdienstag davon geprägt, in der ewigen Anbetung um Vergebung für das sündige Faschingstreiben zu beten. Gleichzeitig verhinderte man damit, dass ernsthafte Christen dem sündigen Treiben verfielen. Zu diesem Brauch fällt mir auch eine Diskussion aus dem Film „Name der Rose“ ein, die das Lachen zu Gegenstand hat. Das Lachen wird hier als Sünde bezeichnet, weil es den Menschen verderbe. Schließlich habe auch Jesus nicht gelacht.

Gott sei Dank haben sich diese Gedanken nicht durchgesetzt. Weder ist es verboten zu glauben, dass Jesus gelacht hat, noch ist es für uns Christen eine Sünde zu lachen. Auch darf sich heute ein guter Katholik bei Faschingsveranstaltungen sehen lassen. Es hat sich herumgesprochen, dass der Menschen beides braucht, die Freude und das Fasten. Lachen tut gut, es löst Spannungen und ist inzwischen sogar als Heilmittel anerkannt. Lachen wird auch der Ernsthaftigkeit des Christen keinen Schaden zufügen. Gleichzeitig wissen wir auch, dass es im Leben nicht nur ums Lachen geht. Auch das Fasten hat seinen Sinn. Es führt uns vor Augen, was wir so alles zum Leben haben, was wirklich nötig wäre und was Ballast ist. Es erinnert uns auch daran, dass wir im Letzten abhängig von Gott sind. Deshalb macht auch Fasten Sinn. Fasten und Freude, beides braucht seine Zeit, beides braucht seinen Platz in unserem Leben,. Eine gesunde Mischung sorgt dafür, dass es unserem Leben gut tut. Diese Mischung lässt sich allerdings nicht so einfach mit Gesetzen festschreiben.

Ein interessantes Wort hören wir vom Apostel Paulus. Er sagt, dass er kein Empfehlungsschreiben brauche, da ja die Christen von Korinth sein Empfehlungsschreiben seien. Papier ist geduldig, sagen wir und meinen damit, dass man vieles aufschreiben kann, ohne dass mehr dahinter steckt. Wichtiger ist das Leben. Die Korinther sind Christen, denen man ihr Christentum ansieht. Sie leben aus dem Geist Jesu heraus, deshalb sind sie Beweis für die Echtheit der Verkündigung des Paulus.

Wenn wir als Christen in unserer Zeit unserem Leben ein Gepräge geben, das die Botschaft des Evangeliums sichtbar werden lässt, dann sind wir auch so ein Empfehlungsschreiben für Jesus Christus. Zu so einem Leben gehört auch die richtige Mischung zwischen Freude und Fasten. Der Geist Gottes führt uns dabei schon den rechten Weg, darauf dürfen wir vertrauen.