Gottes Namen bekannt gemacht


Wenn wir jemandem zu ersten Mal begegnen, dann stellen wir uns gegenseitig vor. Manchmal geschieht das direkt, manchmal gibt es jemanden, der uns gegenseitig vorstellt. Wir werden dann miteinander bekannt gemacht, indem wir gegenseitig unsere Namen austauschen. Mit dem Namen ist dann nicht nur ein einfaches Wort gesagt, sondern dieser Name steht für eine ganze Person. Wir verbinden mit dem Namen ein Gesicht und gewisse Züge eines Menschen.

In seinen Abschiedsreden sagt Jesus, dass er den Menschen Gottes Namen bekannt gemacht hat. Jesus hat uns Menschen offenbart, wie Gott ist. Er hat uns Gott vorgestellt. Durch Jesus haben wir Gott als einen Gott erfahren, der barmherzig, vergebend, sorgend, hörend, liebend, … zu uns Menschen ist. Dabei hat Jesus nicht nur mit Worten von seinem Vater gesprochen. Das ganze Leben Jesu war Offenbarung Gottes. In Wort und Tat verkündete Jesus das Wesen Gottes, der allen Menschen Vater ist.

Mit dem Begriff „Vater“ tun sich nicht alle Menschen leicht. Je nach den Erfahrungen, die Menschen mit ihrem Vater gemacht haben, tun sie sich leicht oder schwer, Gott als gütigen Gott zu sehen. Wer seinen eigenen Vater negativ erlebt hat, vielleicht als strafend, überaus streng und beängstigend allgegenwärtig, der wird sich schwer tun, von Gott als einem vergebenden Vater zu sprechen. Unser Bild von unserem Vater bestimmt auch das Bild eines väterlichen Gottes.

Wer selbst einen liebenden Vater erlebt hat, der wird sich auch mit den Worten Jesu leichter tun. Für den kann Gott zum Vater werden, zu dem der Mensch eine positive Beziehung aufbaut und von dem er sich getragen und gehalten erfährt.

Durch die Offenbarung Jesu wurde uns Menschen Gott als ein Gott gezeigt, der zu den Menschen eine Beziehung hat. Die Menschen gehören zu Gott, so sagt Jesus. Gott fühlt sich den Menschen verantwortlich und ist ihnen verbunden. Gott und Mensch lassen sich nicht trennen, letztendlich kann der Mensch ohne Gott nicht sein.

Gott und Mensch gehören zusammen, mit diesem Gedanken tun sich viele Menschen unserer Zeit schwer. Sie sehen darin die Beschneidung ihrer Freiheit und merken nicht, dass ihre Freiheit gerade in Gott ihren tieferen Grund hat. Der Glaube an Gott scheint dem Menschen die Freiheit zu nehmen. Gerade auf dem Hintergrund eines sehr beängstigenden Vaterbildes ist dieser Gedanke nachvollziehbar. Doch Freiheit ohne Grenzen kann es nicht geben. Spätestens der Wille des Nächsten setzt meiner Freiheit Grenzen. Gesetze sind nicht um ihrer selbst willen gemacht, sondern haben in der Regel die Absicht, Menschen vor einander zu schützen. Sie wären oft nicht nötig, wenn der Mensch sich an Gott hielte. Für den der glaubt, liegt der Grund für seine Lebensregeln in Gott. Gott gegenüber weiß er sich verantwortlich.

Diese Verantwortung hat das Leben Jesu geprägt. Als Gottes Sohn hielt er immer wieder Rücksprache bei seinem Vater. Gleichzeitig erwies er sich als frei in seinen Entscheidungen, gerade auch dann, wenn es um den Umgang mit den Gesetzen und Geboten der Menschen ging. Weil Jesus sich seinem Vater verbunden wusste, konnte er in Freiheit leben. Jesu Leben zeigt uns, dass gerade die Verwurzelung in Gott dem Menschen die Unabhängigkeit gibt, die er für ein Leben in Freiheit nötig hat.

Der Mensch braucht eine Grundlage für sein Leben. Wenn diese Grundlage Gott selber ist, dann findet der Mensch Halt und Wurzeln und kann sich frei machen von den Erwartungen, die Menschen an ihn stellen. Wer in Gott verwurzelt ist, der wird unabhängig von der Meinung der Menschen und ist damit frei von menschlichen Wünschen. In Gott verwurzelt, kann der Mensch frei leben, weil er weiß, wohin er gehört und wo er wirklich Halt hat. Jesus hat uns Gott als unseren Vater offenbart. An diesen Vater dürfen wir uns halten. Bei ihm sind wir geborgen.