Gedanken von mir
 


Testamentsvollstrecker


Wenn ein Mensch das Ende seines Lebens kommen sieht, dann schreibt er ein Testament. In der Regel dient dieses Dokument dazu, dass Besitz gerecht verteilt wird.

Ein Testament kann auch eine ganz andere Bedeutung haben. Wir nennen es dann geistliches Testament. Dann beinhaltet das Testament eine Zusammenfassung des Lebens, seine Bedeutung und all das, was einem Menschen besonders wichtig war. Auch hier haben wir es mit dem letzten Willen eines Menschen zu tun. Ein Mensch verteilt seine geistigen Güter.

Das heutige Evangelium ist ein Teil des Testamentes Jesu. Am Ende seines Lebens fasst er nochmals zusammen, was sein Anliegen und sein Auftrag war. Es war ihm wichtig, Gott den Menschen so bekannt zu machen – zu offenbaren, dass die Menschen zum Ewigen Leben finden. Jesus wollte Gott so begreifbar machen, dass Menschen Gott und ihn als seinen Gesandten erkennen können. Wer dann Gott erkennt, der findet zum Leben in Gott.

Jesus hat das seine getan. Er hat Gott greifbar gemacht als sein Sohn und die Menschen haben durch ihn Gott erkannt. Sie sind auf seine Spur gesetzt worden, so dass sie jetzt anfangen können, selbst zu gehen.

Der heutige Sonntag steht zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Damit ist er Ausdruck einer Zwischenzeit. Eine Zwischenzeit ist gekennzeichnet durch große Unsicherheit. Auf der einen Seite stehen Trauer und der Blick zurück, auf der anderen Seite die Frage nach dem Wohin. Es ist das Leben im Nicht mehr und noch nicht.

Die Jünger leben gerade in solch einer Phase. Die Apostelgeschichte berichtet davon, dass sich die Jünger zurückziehen. Sie haben genug von den Geschehnissen der Vergangenheit und es fehlt ihnen noch die Kraft, nach vorne zu blicken. So ziehen sie sich in die vertrauten Räume zurück.

Für die Jünger ist das eine Zeit der Sammlung. Sie gehen in sich und eröffnen damit Gott einen Raum, wo er sie ansprechen kann. Diese Zeit brauchen die Jünger, um von Gott zu lernen, dass sie umschalten müssen. Der äußere Antrieb – ihr Meister Jesus Christus fehlt als Motor. Nun braucht es einen neuen Antrieb. Sie müssen erst bereit werden für einen inneren Antrieb, nämlich den Hl. Geist. Der wird sie schließlich aus dem Rückzug in die Offensive führen.

Die Jünger ziehen sich auch zurück, weil sie begründete Angst haben. Was ihrem Meister widerfahren ist, droht auch ihnen. Auch sie müssen Verfolgung fürchten.

Petrus schreibt in seinem Brief von der Bedrängnis, in der die junge Gemeinde lebt. Da geht es nicht um irgendein selbst gewähltes Leid. Bedrängnis, Not und Leid gehören vielmehr zur Nachfolge Jesu. Mit der Verkündigung der Frohbotschaft verbindet sich auch Leid und Not. Denn vielfach sind es taube Ohren, auf die Gottes Wort stößt, und Widerstand regt sich, wenn das Evangelium verkündet wird.

Noch fehlt den Jüngern der Mut, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Erst mit dem Empfang des Hl. Geistes schöpfen sie Mut. Dann können sie sich der Welt stellen und ihr die Botschaft des Evangeliums verkünden, ob sie gehört werden will oder nicht.

In der Zwischenzeit sammeln die Jünger Kraft. Sie erkennen Gott auf eine neue Weise. Nun erfahren sie ihn im Geist. Christus hat sie nicht verlassen, sondern ist weiter da mit seinem Geist. Er hilft ihnen bei der Vollstreckung seines Testamentes. Sie stellen um von Nachlaufen zur Nachfolge. Jetzt ist die Initiative der Jünger gefragt.

Jetzt klärt sich, ob das Leben Jesu wirklich sinnvoll war. Wenn niemand seine Gedanken aufgreift, dann war Jesu Leben und Sterben sinnlos. Weil jedoch Menschen sein Leben aufgreifen, ist Jesu Leben sinnvoll gewesen. Gottes Erkenntnis muss im Leben der Menschen Gestalt bekommen. Erst war es Jesus Christus, der ihm Gestalt gegeben hat. Denn er war Ort des Geistes Gottes.

Nun sind wir es, die Gott Gestalt geben müssen. Auch wir sind Ort des Geistes Gottes, denn wir haben Gott erkannt. So bekommt Gott durch uns eine neue Gestalt.

Was wir zu tun haben ist nicht ein Nachlaufen Christi, sondern die Nachfolge. Es geht nicht um eine Kopie Jesu, sondern um ein neues Gesicht Gottes. Jesu Geist, sein Wort, sein Leben werden durch ein Leben aus dem Geist neu verwirklicht. Gott bekommt unser Gesicht.

Hier zeigt sich, dass Christsein sich nicht mit frommen Übungen begnügt, sondern ein Leben aus dem Geist Gottes heraus fordert. Ansatzpunkte dazu finden wir sicher genügend. Ich erinnere nur kurz an unser Denken über Menschen, die anders sind, als wir es uns vorstellen, an die vielen Verurteilungen in Gedanken und auch mit Worten, wenn uns jemand nicht passt. Jesu Geist zeichnet einen anderen Weg. Er sucht jeden Menschen zu verstehen.

Ich erinnere an unsere Schöpfung, an die gesamte Natur, und an unseren Umgang mit ihr. Die gesamte Natur ist Gottes Geschenk an uns. Gehen wir entsprechend mit ihr um?

Wir sind die Testamentsvollstrecker Jesu in unserer Zeit. Sein Leben, seine Gedanken und sein Handeln sind der Anstoß für unser Leben. Bitten wir um den nötigen Mut und die rechten Gedanken – bitten wir um seinen Geist, damit wir zu Boten unseres Gottes werden.