Von der rechten Wahl


Demnächst stehen wieder Wahlen vor der Tür. Die Menschen in Europa sind aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Dabei sind sie frei zu wählen zwischen verschiedenen Parteien. Der Mensch kann sich für die Partei entscheiden, die ihm am besten entspricht. Dabei müssen wir die Erfahrung machen, dass vor der Wohl nicht immer gleich nach der Wahl ist.

Jesus Christus spricht auch von Wahl, einer Wahl in religiösen Dingen. Wahlfreiheit in religiösen Dingen? - damit tun sich gerade traditionell geprägte Menschen schwer, denn die Wahl zwischen verschiedenen religiösen und spirituellen Alternativen bringen klare starre Systeme ins Wanken. Doch wenn Jesus hier von Wahl spricht, dann geht es nicht um eine Wahl des Menschen, es geht ihm um die Wahl, die Gott trifft. Nicht der Mensch trifft eine Wahl und erwählt Gott, sondern Gott erwählt den Menschen, damit er dann Frucht bringt.

Hier wird etwas umgedreht. Nicht der Mensch muss sich anstrengen, um die Aufmerksamkeit Gottes zu gewinnen, Gott strengt sich an, um die Aufmerksam des Menschen zu erhalten. Gott wirbt um den Menschen, er tut dies mit seiner Liebe. Weil Gott den Menschen liebt, muss sich der Mensch nicht mehr als Knecht verstehen, er darf sich als Freund Gottes sehen. Der Mensch ist geliebt, er ist frei, er ist auch frei von Angst.

Der Mensch ist vor Gott nicht mehr der demütige Knecht. Er ist vielmehr der selbstbewusste Freund, der sich geliebt weiß und deshalb nicht vor seinem Gott zittern muss. Wo aber die Liebe ist, da hat Angst keinen Platz mehr.

Das Johannesevangelium ist durchzogen von diesem Gedanken der Gottesliebe. Darunter versteht er nicht die Liebe des Menschen zu Gott. Vielmehr versteht er darunter die Liebe Gottes zu den Menschen. Von Anfang an hat Gott den Menschen geliebt, in der Schöpfung, als er den Menschen ins Leben rief, in der Menschwerdung seines Sohnes und in dessen Tod und Auferstehung. Die Liebe ist das eigentliche Wesen Gottes.

Wo Liebe erfahren wird, wo Liebe gelebt wird, dort wird letztlich Gott selbst erfahrbar und erkennbar. Die Liebe ist deshalb Zeichen der Menschen, die sich auf Gott berufen. Sie ist Zeichen dafür, dass der Mensch nach den Geboten Gottes handelt. Die Liebe ist Maßstab christlichen Handelns, denn in der Liebe wird Gottes Wesen sichtbar.

Jesus gibt seinen Jüngern einen Auftrag mit auf den Weg: Bleibt in meiner Liebe, lebt als Menschen, die sich geliebt wissen und deshalb selbst zu Liebenden werden.

Nicht der Mensch hat Gott erwählt, Gott hat den Menschen erwählt, denn er liebt den Menschen und er hofft, dass der Mensch Frucht bringt, Früchte der Liebe.