Wes Geistes Kind


Wenn wir Entscheidungen zu treffen haben, dann wägen wir in der Regel verschiedene Argumente ab, so dass wir schließlich sagen können, so muss ich entscheiden, damit es eine gute und richtige Entscheidung ist. Manchmal jedoch, da entscheiden wir nach unserem Gefühl. Wir haben nur eine Ahnung, was richtig ist, ohne es wirklich begründen zu können. Die Argumente, die wir finden, führen zu keinem eindeutigen Ergebnis, so dass wir unserem Gefühl gehorchen müssen.

Auch Gewissensentscheidungen sind zwar Entscheidungen zwischen verschiedenen Möglichkeiten, sie halten sich aber nicht an feste Argumente. Wir sind frei in unserer Entscheidung und hören schließlich auf eine innere Kraft, eine innere Bewegung oder Stimme. Wir hören auf den Geist, der in uns wohnt und uns führt. Dieser Geist bestimmt uns und treibt uns an.

Doch woher kommt dieser Geist, der uns so stark bestimmt? Schön wäre es, wenn er wie ein Blitz vom Himmel herab käme und wir ihn klar und deutlich – ein für alle mal besitzen würden. Doch jeder von uns weiß, die Wirklichkeit sieht anders aus. Das, was uns von innen her trägt und lenkt, muss sich langsam entwickeln. Auch die Jünger Jesu, die heute den Geist zugesagt bekommen, haben eine Entwicklung des Geistes hinter sich. Sie hatten Zeit, den Geist kennen zu lernen, der sie dann ihr Leben lang bestimmen wird. Während der Monate, die sie mit Jesus umherziehen, lernen sie den Geist kennen, der dann ihr Beistand sein wird. Die Jünger sehen die Wirkung des Geistes im Wirken ihres Meisters. Sie erleben ihn als Kraft und finden ihn in den Worten ihres Lehrers wieder. In vielen Situationen erleben sie den Geist, der ihren Herrn antreibt. So lernen sie den Geist kennen, der ihnen von Jesus dann als Beistand verheißen wird. Als sie nach dem Fortgang ihres Meisters weiterleben, erfahren sie Jesu Geist als eine Kraft die nun in ihnen weiterwirkt.

In der Apostelgeschichte geben die Jünger ihrer Freude darüber Ausdruck, dass Jesu Wort von Menschen ihrer Zeit angenommen wird. Es zeichnet sich ab, dass Gottes Wort in Menschen Fuß fasst und zum Leitfaden wird. Das Hören auf Gottes Wort ist die Wurzel für ein Leben aus dem Geist. Nun erbitten die Jünger Gottes Geist, damit Gottes Wort in Menschen verstanden werden kann. Der Geist wird so zum Schlüssel, Gottes Wort zu verstehen und zu erkennen. Er ist der Beistand, der Gottes Wort in unser Leben umsetzbar macht und zur prägenden Kraft unseres Lebens als Christen wird.

Gottes Geist ist die Liebe. Die Liebe war es, die Gottes Sohn antrieb, als er unter den Menschen war. Die Liebe wurde durch seine Jünger immer wieder erfahren und ist zur Kraft, zum Geist geworden, der ihr Leben bestimmt. Sie ist die Kraft, die das Leben der Menschen prägt, die aus dem Geist heraus leben. Gottes Geist – die Liebe – ist das Erkennungszeichen für die Menschen, die wirklich aus dem Geist Gottes leben. Sie ist die treibende Kraft für ein Leben aus dem Evangelium, wie sie auch treibende Kraft für Jesus war.

Diesen Geist erbitten wir auch für uns. Gottes Geist haben wir in Taufe und Firmung als Gottes Beistand erhalten. Gottes Geist wurde zur Führung, zur Leitlinie unseres Lebens. Wir bezeugen diesen Geist, wenn wir unser Leben an der Botschaft Jesu ausrichten und so zu Menschen werden, der Leben durch die Liebe zu allen Menschen geprägt ist. Immer wieder sind wir so herausgefordert, gerade dann als Christen Farbe zu bekennen, wenn Menschen nicht als Menschen respektiert werden und menschliches Leben der Willkür des Menschen unterworfen wird. Der Geist, den wir als Christen in uns tragen, lässt uns spüren, wo Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit Menschen ihre Würde absprechen, denn Jesus Geist sah jeden Menschen in seiner Würde und seinem Wert.

Wenn wir beginnen, im Sinne Jesu den Menschen zu ihrer menschlichen Würde zu verhelfen, dann werden wir Gottes Geist erfahren wir als Kraft des Lebens. Dann erfahren wir, dass Jesus mit seiner Zusage ernst gemacht hat, er hat uns seinen Beistand, seinen Geist geschenkt. Dieser Geist wird uns alles lehren.