Wenn sie an die vergangenen Tage und Wochen zurückdenken, was fällt ihnen da ein? Welche Gedanken, Bilder gehen ihnen durch den Kopf? Sind es eher Worte und Sätze oder Erlebnisse, an die sie denken?

Ich nehme an, zuerst kommen ihnen Bilder von Menschen oder Begegnungen in den Sinn, dann erst Worte, die mit diesen Begegnungen zusammenspielen. Uns Menschen prägen sich Bilder und Begegnungen besser ein als Worte. Die Berührung oder Umarmung durch einen Freund spüre ich länger als sein tröstendes Wort. Und manche Geste sagt uns mehr als tausend Worte, sagen wir im Sprichwort. Bilder sind einprägsamer als Worte.

Jesus greift auf diese Erfahrung zurück. Wenn er von Gott erzählt, verwendet er viele Bilder, damit wir eine Vorstellung von Gott bekommen. Jesus spricht von Gott als dem liebenden Vater. Sich selbst nennt er den guten Hirten oder das Licht der Welt. Gleichnisse sollen uns das Himmelreich begreiflich machen. Diese Bilder sollen uns helfen, ein Bild von Gott zu gekommen, auch wenn wir wissen, dass unser Bild immer hinter der Wirklichkeit Gottes zurückbleibt und bruchstückhaft bleiben muss.

Auch die Evangelisten greifen mit Vorliebe Begegnungen und Bilder auf, wenn sie uns Jesus nahe bringen wollen. Wir tun uns mit diesen Erzählungen leichter als mit Betrachtungen, wie wir sie heute im Johannesevangelium aus dem Mund Jesu hörten. Erzählungen von Begegnungen und mehr noch die persönliche Erfahrung prägen unser Denken und damit unser Erzählen.

Das ist auch dem Apostel Petrus bewusst, als er in der Versammlung der Jerusalemer Gemeinde auftritt. Petrus weist darauf hin, dass in der Runde der Apostel ein Platz leer ist. Judas Isakriot hat ihn verlassen, wie Petrus sagt. Nun gilt es einen neuen zu finden. Doch wer passt in den Kreis der Apostel. Wer kann wie sie die Botschaft Jesu unter die Menschen tragen? Petrus hält den für geeignet, der Jesus erlebt hat, als dieser bei den Jüngern ein und aus ging, und der dem Auferstandenen begegnet ist.

Um was geht es dem Petrus? Der Apostel weiß um den Wert der persönlichen Begegnung. Das was der Mensch durch die Begegnung mit einem Menschen erfährt, berührt ihn tiefer und prägt sich besser ein. Wer also in Jesu Namen als Apostel auftreten kann, der soll Jesus wirklich erlebt haben.

Im Johannesbrief heißt es, dass wir Menschen Gott nicht mit den Augen sehen können. Wir erkennen ihn aber in der Liebe, die zwischen den Menschen herrscht. Denn Gott ist bei uns, wenn wir lieben. Es sind also nicht die Augen, die Gott sehen, es ist unser Herz. Mit dem Herzen sehen wir tiefer und ehrlicher, als es unsere Augen vermögen. Mit dem Herzen sind wir deshalb auch fähig zu sehen, wie Gott wirklich ist. Mit dem Herzen können wir aber nicht nur spüren wie Gott ist, und wir können erzählen, wie Gott ist.

Es ist eine andere Sprache als die des Mundes, die bei der Verkündigung des Wortes Gottes hilft. Petrus betont, dass ein Apostel Jesus erlebt haben soll. Die Menschen, die Jesus erlebt haben, konnten in seinen Leben Gott als die Liebe erkennen. Sie konnten sehen und spüren, dass sich Gott den Menschen zuwendet. Es war die Art, wie Jesus mit den Menschen umging, die ihn für die Menschen wichtig machte. In der Nähe Jesu wurde etwas spürbar, was so bei den Menschen nicht mehr da war. In seiner Nähe fühlten sich die Menschen ernst und angenommen. Bei ihm wurde ehrliches Interesse und schließlich Liebe erlebbar. Wenn Jesus von Gott dem Vater der Menschen sprach, dann waren das nicht nur Worte, es war die Atmosphäre und es war sein Verhalten – alles erzählte von diesem liebenden Gott, von diesem Gott, der den Menschen nahe ist. Diese Erfahrung war für sein Jünger prägend und sie sollte die Grundlage für die Verkündigung der Botschaft Christi sein. Wer Jesus erlebt hatte, der war so von ihm ergriffen, dass er zum Sprachrohr Jesu werden konnte. Das Erleben ging eben tiefer als jedes gute Wort.

Ähnliches gilt für unsere Rede von Gott. Wir können viel über Gott erzählen. Doch nur wenig wird bei den Menschen ankommen. Nicht nur, dass es oft schwierig ist, das was wir glauben in Worte zu fassen. Vielmehr laufen wir mit Worten Gefahr, dass sie nur leere Hülsen sind. Wirklich einprägsame Verkündigung geschieht durch unser Tun. Wenn unsere Hände von Gottes Liebe erzählen, werden uns die Menschen unseren Glauben an einen liebenden Vater im Himmel abnehmen und sie werden ihn nicht so schnell vergessen. Wenn unsere Hände im Namen Jesu Trost und Hilfe spenden, werden Menschen darin eine Ahnung bekommen, wie Jesus sich den Menschen zuwendet und in ihrer Not annimmt. Wenn unsere Hände Menschen von Geborgenheit und Nähe erzählen, dann wird darin Gott selbst als der nahe und liebende Gott erfahrbar.

Wir sollen von Gott erzählen? Das erscheint uns oft unmöglich, weil wir so wenig von ihm wissen und oft selbst am Zweifeln sind. Und doch ist es uns in die Hände gelegt, auf unsere Art von Gott zu erzählen. Dabei sind es weniger die Worte, die zählen, es ist unser Tun. Wenn wir uns deshalb ehrlich bemühen, nur etwas von der Liebe zu leben, von der uns Jesus zählt, dann verkünden wir den Menschen unseren Gott und sie werden uns verstehen und ihn erkennen.