Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist geprägt durch zwei Themen: die Erfahrung des Auferstandenen und die Erwartung des Hl. Geistes. Beide Themen sind eng miteinander verbunden, denn sie weisen in die gleiche Richtung – die Entstehung der christlichen Gemeinschaft. Anfangs nur eine Bewegung innerhalb des Judentums wurde aus der Gruppe der Jesusjünger eine eigenständige Religion. Immer mehr wurden von den Gedanken Jesu ergriffen und schlossen sich seinen Jüngern an. Eine Rechnung der religiösen Führer des Judentums war nicht aufgegangen: Wenn wir den Anführer töten, dann erledigt sich der Rest von selbst.

Mit zu den glühenden Verkündern des Evangeliums Jesu Christi gehöre Paulus. Gerade er, der berüchtigt und bekannt war als eifriger Verfolger der Jesusjünger, er will nun in die Reihen der christlichen Gemeinschaft aufgenommen werden. Verständlich, dass ihm hier Skepsis entgegenschlägt. Es braucht einen, der ihn einführt. Nun kann sich Paulus als der zeigen, der er geworden ist, einer der eifrig im Nahmen Jesu auftritt und damit wirklich zum Apostel – zum Zeugen des Auferstandenen wird.

Paulus fällt als Apostel insoweit aus der Reihe, dass er nicht zu den Männern gehört, die Jesus zu Lebzeiten erlebt haben. Als Saulus hat er eine neue Form der Begeisterung erfahren. Der Geist Jesu hat ihn buchstäblich umgehauen und Saulus lässt sich von diesem Geist ergreifen. Saulus lernt Jesus nicht direkt, sondern durch einen Menschen kennen. Seine Verbindung mit Christus hat ihre Wurzeln nicht mehr im direkten persönlichen Kontakt – im miteinander leben – sondern in der Erzählung eines anderen. Barnabas, ein Begleiter Jesu, wird für Saulus zum Mittler des Evangeliums. Indem sich Saulus auf dessen Worte einlässt, wird er selbst zum Verkünder des Evangeliums. Er wird fähig wie die Jünger Jesu, die frohe Botschaft zu verkünden. Das ist eine neue Form der Begeisterung. Im Wort empfängt Saulus den Geist Gottes, nicht mehr im Sehen. So werden auch wir von Jesus begeistert. Das Hören des Wortes Gottes führt uns auf die Spur Christi.

Im übertragenen Sinn spricht Jesus im heutigen Evangelium von diesem Weg. Er redet davon, dass wir Menschen mit ihm verbunden sind und verwendet dazu das Bild des Weinstocks. Wie die Reben am Weinstock vom Stock mit Nahrung versorgt werden, so werden wir von Jesus mit Nahrung, nämlich mit seinem Wort versorgt. Er, Jesus Christus, ist der Weinstock und wir sind die Rebzweige. Jahr für Jahr prüft der Winzer, ob die Rebzweige noch fähig sind, Frucht zu bringen, oder ob sie inzwischen verdorrt sind und deshalb keine Kraft mehr haben. Nun könnte man meinen, Gott würde all die Menschen, die keine Frucht bringen entfernen, weil sie ihm nicht mehr nützen, das würde unserem Denken entsprechen. Doch Jesus widerspricht. Er sagt, dass jeder Mensch bereits gereinigt ist, das heißt fähig ist, Frucht zu bringen, weil er Gottes Wort gehört hat. Von Gott her ist der Mensch also fähig, Frucht zu bringen. Es ist nur die Frage, ob der Mensch sich auf das Angebot Gottes einlässt.

Will der Mensch Frucht bringen, braucht es dazu seine Bereitschaft, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Die Offenheit für die Beziehung, die Verbundenheit mit Christus, ist Voraussetzung dafür, dass Jesu Wort im Menschen ankommen und sich entfalten kann. Der Mensch muss sich auch bewusst sein, dass es ohne entsprechende Früchte keinen Glauben gibt, sondern die Früchte des Lebens Zeichen des Glaubens sind.

Christsein hat einen hohen Anspruch. Einerseits dürfen wir angstfrei leben, denn wir brauchen keine Angst vor einer Strafe Gottes haben. Unsere Erlösung ist unabhängig vom menschlichen Glauben. Andererseits zeigen wir uns als Glaubende nur, wenn wir uns durch unser Handeln als Christen ausweisen. Die Verbindung mit Jesus Christus bringt Früchte hervor, die sich in unserem Leben zeigen.

Immer wieder stolpern wir über diese Anfrage. Christlicher Glaube ist eben nichts für irgendein geheimes Kämmerchen. Er hat nichts mit großartigen Reden und öffentlichen Glaubensbekenntnissen zu tun. Christlicher Glaube ist das Leben, die Art und Weise, wie wir unsere Leben gestalten und wie wir mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt umgehen. Das gilt sowohl für uns als Kirche, als auch für uns als einzelne Personen, die wir an Christus glauben.

Wenn wir glauben, dann sieht man uns das an. Man wird sehen, ob wir im Vertrauen auf Gott unser Leben annehmen. Man wird spüren, ob wir aus dem Geist der Liebe unserem Leben eine Richtung geben. Man wird erleben, dass Gottes Geist bei uns angekommen ist.

Wir stehen in der Zeit der Erfahrung des Auferstandenen und der Erwartung des Hl. Geistes. Wenn wir dem Auferstandenen begegnet sind und seinen Geist empfangen haben, dann wird unser ganzes Leben zur Frucht des Geistes Gottes werden.