Gedanken von mir
 

Es geht ums Heil von Leib und Seele

Mens sana in corpore sano - Gesunder Geist in einem gesunden Körper – dieses Sprichwort des römischen Dichters Juvenal findet heute wieder großen Anklang. Jahr für Jahr rufen die Krankenkassen unter diesem Schlagwort zur großen Bewegungsoffensive auf, denn inzwischen hat sich herumgesprochen, wie wichtig für den Menschen ein gesunder Leib ist und was es dafür zu tun gilt.

Gleichzeitig wissen wir, dass dieser Satz auch anders herum gilt: Wie die Gesundheit des Leibes wichtig ist für eine gesunde Seele, so ist die Gesundheit der Seele wichtig für einen gesunden Körper. Seele und Leib sind aufeinander verwiesen und bilden eine Einheit. Wenn ein Teil davon krank ist, strahlt das auch auf den anderen ab. Das moderne Wort für diese Zusammenhänge heißt ganzheitlich. Der Mensch ist ganzheitlich zu sehen, nämlich als Geschöpf mit Leib und Seele.

Wenn wir darauf achten, wie Jesus Menschen heilt, dann sehen wir, dass er den Menschen ganzheitlich sieht, als Geschöpfe mit Leib und Seele, und deshalb immer Leib und Seele heilt. Deshalb heißt es im heutigen Evangelium, Jesus heilt Menschen und treibt Dämonen aus. Beides muss sein, damit der Mensch heil werden kann.

Während wir von den Krankheiten und Schädigungen des Leibes ein ziemlich klares Bild haben, verwischen sich die Vorstellungen, wenn es um die Leiden der Seele geht. Am liebsten wäre uns, wenn wir hier fremde Mächte verantwortlich machen könnten.

Wir sprechen von Dämonen und Dämonischen und denken an böse Mächte, aber unsere Sprache zeigt uns, was wir davon zu halten haben. Manchmal sagen wir, dass jemand besessen ist, besessen von einer bestimmten Vorstellung. Es ist, als steht dieser Mensch unter dem Zwang einer fixen Idee. Dabei wird er blind für die Wirklichkeit. So ein Mensch ist wirklich besessen, er steht unter dem Einfluss eines Dämons, aber dieser Dämon ist keine fremde Macht. Es sind die eigenen Gedanken, die sich unverrückbar breit machen. Diese Enge kann den Menschen krankmachen, ihm die Luft nehmen, so dass er verkümmert. Solche Zwänge haben manche Wurzel in der Umgebung des Menschen. Wurzeln können sein, wenn er in Vorstellungen von Anderen eingezwängt wird, weil er es vielleicht allen recht machen will, oder ihm ständig gesagt wird, was zu tun ist. Tradition, „weil es immer so war“, gesellschaftliche Vorgaben können einen Menschen seelisch genauso krank machen, wie Ablehnung oder Überforderung. Solche Rahmenbedingungen sind wie Dämonen, die über einen Menschen herrschen. Dabei kann es sein, dass sie wirklich sind oder nur als fixe Idee existieren.

Jesus, so hören wir es immer wieder, treibt Dämonen aus. Er führt die Menschen heraus aus den Zwängen ihres Lebens hinein in die Freiheit. Wenn Menschen ihre Dämonen loswerden, sich aus der Besessenheit heraus lösen können, dann erfahren sie Heilung. Der Mensch erfährt Freiheit, denn er verliert seine fixen Ideen und krankmachenden Vorstellungen. Er wird von Jesus befreit, indem Jesus ihn in Liebe annimmt. Jesus sieht im Menschen nicht das Objekt seiner Wünsche und Vorstellungen sondern ein Subjekt, das seine eigene Vorstellung vom Leben entwickeln kann. Damit erlebt sich der Mensch befreit und beginnt zu leben. Jesus zwingt nicht, sondern bietet sich an. Wer will, den führt er in die Freiheit. Deshalb sprechen wir auch von der Freiheit der Kinder Gottes.

Diese Erfahrung prägt unseren Glauben. Manchmal scheint es, dass Glauben unfrei macht. Dann wenn dem Menschen besonders genau vorgeschrieben wird, was er zu glauben hat, wenn wahrer Glaube durch besonders viele Vorschriften definiert wird, kann Glaube zum Zwang werden und den Menschen unfrei machen. Die Angst, es Gott nicht recht machen zu können, lähmt und macht Mensch krank. Doch solcher Glaube hat nichts mit der Botschaft Jesu Christi zu tun. Unser Glaube lebt von einer Beziehung zu Gott, die davon getragen ist, dass wir von Gott angenommen und geliebt sind. Jesus Christus verkündet den Menschen eine befreiende Botschaft. Er befreit ihn auch von der Angst vor Gott. Damit macht Jesus die Menschen wirklich heil.

Der Apostel Paulus schreibt zwar, er sei ein Sklave des Evangeliums geworden. Doch dahinter steht nicht Angst, sondern Ergriffenheit. Paulus ist ergriffen worden von den Worten Jesu, die lassen ihn nicht mehr los. Sie haben ihn so gefangen genommen, dass er keine andere Möglichkeit mehr sieht, als das Evangelium zu verkünden. Wer sich aber vom Evangelium gefangen nehmen lässt, der wird einen Weg der Freiheit geführt. Er wird befreit von den Zwängen seiner Umwelt und seiner selbst und findet hinein in das Geliebt sein durch Gott. Hier gibt es keine Angst mehr, hier haben Dämonen keinen Platz, denn der Mensch lebt in der Freiheit, die ihm Gott gegeben hat. Er ist ganz heil – an Leib und Seele.