Heile Welt


Menschen sind auf der Suche nach Heil. Wenn ein Mensch von Heilung spricht, dann hat er zuerst sein eigenes leibliches und seelisches Heil vor Augen. Doch bedürfen auch menschliche Systeme der Heilung.

In diesen Tagen haben wir es mit heftigen Reaktionen auf die päpstliche Entscheidung der Aufhebung der Exkommunikation der vier Levebre-Bischöfe zu tun. Und es ist nicht nur die Entrüstung über die Aussagen eines Herrn Williamson, es ist ein anderes Thema, das die Menschen in Aufregung versetzt. Die letzten Tage haben deutlich gemacht, welche Theologie sich in den letzten Jahren schleichend den Weg in die christlichen Gemeinden gesucht hat. Die Wiederzulassung des Tridentinischen Rituses wurde kaum in seiner theologischen Dimension gesehen - es ging ja nur um die lateinische Messe, hieß es irrtümlicher Weise. Etwas mehr Reaktion hat dann die erneuerte Karfreitagsfürbitte ausgelöst. Doch jetzt wurde das Denken überdeutlich, das mit den traditionalistischen Gruppierungen zu verbinden ist.

Doch warum löst etwas, was vor 150 Jahren modern war, heute so heftige Reaktionen aus? Gilt der Vorwurf, dass die Menschen von heute nichts mehr glauben und alles beliebig ist?

Die Menschen glauben nicht einen anderen Gott, aber sie auf den Geschmack gekommen, was die Botschaft Jesu, die Botschaft vom Heil bedeutet. Die Auseinandersetzung mit der heiligen Schrift und besonders mit den Evangelien hat sie mit dem Gottes- und Menschenbild Jesu in Kontakt gebracht. Menschen erkennen, was sie am Gott der Bibel haben, wer und wie Gott für sie ist. Das hat auch etwas mit Heilung zu tun. Jesu Botschaft hat eine heilende Wirkung. Sie hat ein bestimmtes Gottes- und Menschenbild sichtbar gemacht hat und so das Denken der Gläubigen verändert. Die Botschaft von einem Gott der Beziehung, der Barmherzigkeit, der Liebe lässt keinen Raum für Angst, für falsche Demut, für Selbst- und Lebensverleugnung. Ein Gott, der den Menschen heilt, will das der Mensch lebt, dass er atmet, dass er frei ist. Solch ein Gott will die Lebendigkeit der Menschen und zwar aller. Das gilt auch für Menschen, die nicht an ihn, die nicht an Christus glauben. Diese Gedanken hat das letzte Konzil aufgegriffen und neu auf den Weg gebracht.

Jesu Botschaft hat eine heilende Wirkung. Sie spricht von Gott, der für den Menschen da ist, und den Menschen als Freund, als Kind, als Hausgenossen angenommen hat. Den Menschen wird eine Beziehung angeboten, die von Freiheit und Liebe geprägt ist. Der Mensch erfährt Wertschätzung und gewinnt Selbstbewusstsein. Er ist geheilt vor den von einem Gottesbild, das ihn nur klein und unwürdig sieht.

Die Botschaft Jesu ist heilsam. Sie heilt den Menschen von der Unfreiheit, gibt ihm Luft zum Atmen und lässt ihn leben. Und Jesus, der Heiler, ist nicht nur ein Heiler von Personen, er ist auch der Heiler menschlicher Systeme. Seine lebendige Botschaft hat in der menschlichen Gesellschaft einen Heilungsprozess ausgelöst. Auch die Kirche hat ein Stück Heilung erfahren - es wurden, um in der Sprache des Markus zu bleiben, Dämonen ausgetrieben. Jesu Bild von Gott und den Menschen hat menschliche Gemeinschaft verändert. Gemeinschaft wurde wirklich menschlich, weil hier der Mensch nun seinen guten Platz findet. Damit wird Gemeinschaft heil, sie wurde durch die Begegnung mit der Botschaft Jesu geheilt.

Wir kennen unsere Sehnsucht nach Heil. In Jesus hat sie eine Antwort gefunden. Er kommt auf uns zu und will uns begegnen. Die Begegnung mit ihm macht uns heil, sie heilt auch die Welt in der wir leben.