Lieber Gott mach mich fromm ...

Ein Kindergebet lautet: Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm. Ein einfaches kurzes Gebet, aber tief an Aussagen über das Glauben! Das Ziel jedes Glaubenden wird ausgesprochen – in den Himmel kommen; eine wichtige Voraussetzung – Frömmigkeit; und zuletzt das Wissen um Gottes Gnade. Doch in seiner Schlichtheit genügt es kaum einem Erwachsenen bei seiner Suche nach Gott, nach Glauben und nach einem Leben in Gottes Sinn. Auch mit dem Vertrauen in Gottes Gnade tun sich viele Menschen schwer.

Drei Momente sind es, die uns in diesem Gebet begegnen wie auch im heutigen Evangelium.

Der erste Gedanke beschäftigt sich mit dem In-den-Himmel-kommen. Das ist auch die Frage des Thomas, der dorthin gelangen will, wohin Jesus geht.

Der zweite Gedanke spricht die Bitte nach Frömmigkeit aus. Wir begegnen dieser Frage ähnlich bei Philippus, gerne einen einfachen Weg zu Gott hätte.

Im dritten Gedanken begegnen wir der Gnade Gottes. Gott soll fromm machen, denn Glaube ist nicht jedem gegeben, er ist Geschenk Gottes.

Thomas fragt nach dem Weg in den Himmel. Fragen nach Gott und nach dem Weg in den Himmel gehören zu den Grundfragen unseres Lebens. Als Glaubende kommen wir nicht an diesen Fragen vorbei. Wir denken wie ein Thomas, wir kennen den Weg nicht und übersehen dabei die Antwort, die uns bereits gegeben ist.

Auf die Frage nach dem Weg zu Gott gibt es viele Antworten, die uns in unserem Leben begegnen. Heilige haben uns mit ihrem Leben den Weg vorgezeichnet. Die Kirche versucht durch Konzilien und Synoden Antworten auf diese Frage zu geben. Theologen versuchen es mit den Hilfen der Wissenschaft. Manch anderer meint ohne Vernunft eine Lösung zu finden. Es gibt Menschen, die beschwören die Tradition als Garant für den Weg zu Gott und andere beschwören den Geist der Zukunft, um auf die Frage des Thomas zu antworten.

Bei allen Antwortversuchen gibt es nur eine Antwort, die richtig ist: Jesus Christus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. An dieser Wirklichkeit kommt niemand vorbei. Alle anderen Wege führen uns nur zu Gott, wenn sie auf diesem einen Weg liegen.

Jesus Christus weiß sich aufs innerste mit seinem Vater verbunden. Was er tut und sagt, das tut er nicht nur im Auftrag des Vaters, er tut es als Offenbarung des Vaters. Es ist Gott selbst, der in ihm am Werk ist. Daher sieht, wer Jesus sieht, immer Gott selbst. Jesus zeigt uns den Vater als Gott der Liebe und der Barmherzigkeit. Denn in der Begegnung mit Jesus erfahren Menschen Barmherzigkeit und Liebe. Wo Menschen das erfahren, erleben sie ein Stück Himmel, denn sie erfahren Gott. Der Himmel ist nicht irgendwo, er ist mitten unter uns. Das haben die Menschen in der Begegnung mit Jesus gespürt. Begegnung mit ihm war ein Stück Himmel auf Erden. Auch wir erfahren diesen Himmel. Wir erleben ihn unter anderem dort, wo Menschen einander vergeben und sich in Liebe annehmen.  Jesus sagt zu uns, den Weg in den Himmel kennt ihr. Wir kennen ihn wirklich, denn er ist der Weg in den Himmel, er die Liebe.

Mach mich fromm, heißt es im kleinen Gebet. Da gibt es eine Frömmigkeit nach dem Wunsch des Philippus: Zeig uns den Vater, das genügt – warum den ganzen Weg in den Himmel gehen, wenn es einfacher geht. Doch so gedacht verwechseln wir fromm sein mit frömmeln. Wenn wir Frömmigkeit nur mit Gebet, Andacht und Anbetung verbinden, greifen wir zu kurz. Echte Frömmigkeit schlägt immer die Brücke zwischen Gott und unserem alltäglichen Leben. Wir sind dann fromm, wenn wir Gott in unser Leben lassen, wenn er uns berühren und ergreifen darf und uns packt. Wer aber ergriffen ist, der kann nicht mehr nur ruhig dasitzen. Gottes Geist drängt ihn zum Handeln und führt zu einem Leben aus dem Glauben heraus. Sehen wir uns nur Petrus an, der sich als ängstlich gezeigt hat, bis er schließlich an Pfingsten den Hl. Geist empfing. Dann gab es für ihn kein Halten mehr. Allen voran trat er vor die Menschen und begann zu predigen.

Frommsein bedeutet Gott, den Vater, sehen. Wer den Vater wirklich einmal gesehen hat, der kann nicht mehr sitzen bleiben – der muss aufbrechen. Wer noch ruhig bleibt, nachdem er Gott gesehen hat, hat irgendetwas gesehen, nur nicht Gott! Gott wirklich erfahren, schlägt in unserem Leben ein. Ganz im Sinne eines Wortes zur Firmung: Wir sollten die Menschen vor dem Hl. Geist warnen, denn wenn er zuschlägt, gibt es kein Halten mehr. Wie gut, dass es im Gebet heißt: lieber Gott mach mich fromm – mach du mich fromm, denn du weißt, wie ich glauben kann und was ich ertrage. Glaubenkönnen ist immer Gnade. So sehr wir uns auch bemühen, den letzten Schritt tut immer Gott. Er öffnet uns die Augen, er öffnet uns den Mund und er gibt uns seinen Geist, wenn er es will, dann begreifen wir ihn und dann beginnen wir zu leben.