Der Prophet gilt nichts in seinem Heimatland, diese Aussage Jesus hat sich zu einem unserer Sprichwörter entwickelt. Wie viel Wahrheit sich hinter diesem Wort verbirgt, erleben wir gerade in diesen Tagen wieder, wenn nach den Stürmen über Klimawandel und Erderwärmung diskutiert wird. Die Diskussionen laufen, Filme werden gedreht wie zum Beispiel the day after tomorrow vor einigen Jahren, doch wirkliche Verhaltensänderung geschieht nicht. Das Wort unserer neuzeitlichen Propheten verhallt wie das Wort eines Jesus von Nazareth oder eines Jeremia, der mächtigen Stimme Gottes.

Jeremia wird von Gott zum Propheten auserwählt. Er soll zum Sprachrohr Gottes werden. Gott beauftragt ihn, in seinem Namen vor die Menschen zu treten. Dabei braucht er sich nicht davor zu fürchten, welchen Rang oder welche Funktion seine Gegenüber haben. Gottes Wort gilt jedem Menschen, sei es Herrscher oder Sklave. Jeremia braucht sich also nicht vor dem Rang seiner Gegenüber zu fürchten, denn Gott ist mit dem, der sich in seinen Dienst nehmen lässt. Wer sich auf Gott einlässt, der darf sich auch von ihm gestützt wissen, der braucht vor niemanden Angst haben. Gott ist es, der ihm dem Rücken stärkt. Deshalb hat Jeremia die Kraft und die Energie, immer wieder anzusprechen, was die anderen vielleicht nicht hören wollen.

Es gibt jedoch viele Menschen, die im Namen Gottes auftreten und so ihre Gedanken als Gottes Gedanken verbreiten wollen. Es ist also kaum verwunderlich, wenn Jesus in Nazareth mit Ablehnung zu kämpfen hat. Er ist schließlich nicht der erste, der als Messias auftritt. Es gibt jedoch ein Kriterium, was einen Propheten auszeichnet, der im Namen Gottes auftritt. Wir kennen das Hohelied der Liebe, das Paulus in seinen Korintherbrief aufgenommen hat, ein Text der gerne bei Hochzeiten genommen wird. In diesem Lied heißt es unteranderem, dass wenn ein Mensch auch prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste, sein Reden doch nur sinnlos und leer wäre, wenn er die Liebe nicht hätte. Die Liebe ist es letztendlich, die den Menschen als Sprachrohr Gottes auszeichnet. Die Liebe zu den Menschen, die Liebe zur Natur, die Liebe zur Welt, die Liebe ist es, die das Reden des Menschen als Gott gemäß qualifiziert. Schließlich ist Gott selbst die Liebe.

Wahre Propheten Gottes zeichnen sich durch die Liebe aus, die sie in ihrem Tun leitet und drängt. Ihnen geht es weder um eigene Stellung noch um Selbstbestätigung, ihnen geht es allein darum, für Gottes Liebe zu werben. Sie werben darum, dass die Menschen erkennen, Gott liegt seine Welt mit allem was dazugehört am Herzen. Er liebt seine Schöpfung und wünscht sich das Wohlergehen aller Geschöpfe. Diese Gedanken leiten Jeremia, wenn er dem Volk Israel die Leviten liest und wenn er zum Prophet der Hoffnung wird, als Israel im Exil alle Hoffnung verloren hat. Die Liebe Gottes leitet Jesus, als er sich vor die Menschen stellt, um ihnen von Gott zu erzählen. Gottes Liebe fällt jedoch nicht immer so aus, wie es sich die Menschen vorstellen. Das irritiert die Menschen und sie wenden sich ab. Sie verschließen sich gegenüber den Boten Gottes und gegenüber Jesus, seinen Sohn. Die Art Gottes widerstrebt den Menschen, denn damit lässt sich nichts begründen, was Menschen ausschließt und was auf Kosten anderer lebt.

Wenn ich eingangs auf die Propheten unserer Zeit hingewiesen habe, die uns auf die Probleme unserer Welt hinweisen und dabei wenig Gehör finden, dann treffen sie bei uns ebenso einen wunden Punkt, wie ein Jeremia und wie Jesus bei den Menschen ihrer Zeit. Menschen sind kaum bereit, über ihren Horizont hinauszudenken und Verhalten entsprechend zu ändern, wenn das Einschränkung und Veränderung von Lebensgewohnheiten bedeutet. Selbst das Argument, dass die kleinen Schritte, die wir tun können, eh nichts bringen, ist nur ein Scheinargument. Viele Veränderungen in der Welt sind durch die unscheinbaren kleinen Schritte in die Wege geleitet worden. Es ist somit auch uns möglich, etwas in der Welt zu verändern, wenn wir wirklich wollen. Doch es ist menschlich, nur für die eigene Generation zu denken, gerade noch für die nächste – doch dann? Denken wir bei unserem Handeln an die Folgen, die in 50 Jahren eintreten werden?

Gott denkt in seiner Liebe nicht nur für eine Generation, er denkt an alle Generationen, denn er liebt alle Menschen gleich. Wenn wir uns von ihm führen lassen, dann werden auch wir einen Blick für die Welt bekommen, der nicht nur unser Wohlergehen sieht und sich von den Schwierigkeiten der Zukunft wenig beeindrucken lässt. Wer aber über die Grenzen der eigenen Generation hinausdenkt, der lebt nicht mehr in der Haltung – nach mir die Sintflut, der sieht in der Welt einen Schatz, der auch für die Menschen in hundert und zweihundert Jahren bestimmt ist. Wenn wir mehr als nur an unsere Generation denken, dann zählt nicht nur unser Wohl, dann haben wir auch das Wohl der Zukunft im Auge.