Gedanken von mir
 


Wer ist wie Gott?


Vor einiger Zeit fand auf dem Marienplatz in München ein Konzert statt. Die Altstars von „Deutschland sucht den Superstar“ traten auf aber niemand war gekommen – Peinlich! Wer erinnert sich noch an Fernsehserien wie Deutschland sucht den Superstar, Dschungelcamp oder Big Brother? Millionen von Zuschauern klebten vor den Fernsehgeräten, angezogen von einer großen Show und hinein genommen in das Zittern der Teilnehmer, wer muss gehen? Angezogen auch vom Gefühl der Macht, Schicksal zu spielen.

Zwei Ebenen waren bezeichnend für diese Serien: Der Starrummel und die Macht.

Unsere Zeit ist anfällig für Stars, für Show. Der Mensch erliegt schnell der Versuchung einfach mal groß raus zu kommen. Es scheint erstrebenswert zu sein, auf den Titelseiten weit verbreiteter Zeitschriften zu landen und so aller Welt bekannt zu sein. Ruhm ist eine Versuchung, vielleicht weil sich damit das Gefühl verbindet, Macht über die Herzen der Menschen zu haben. Doch wie schnell ist dieser Ruhm auch wieder verflogen.

Das Spiel mit der Macht ist nicht nur ein Spiel der Staatenlenker. Fernsehshows geben dem Zuschauer die Macht, einmal Schicksal zu spielen, mit zu entscheiden, wer von den hoffnungsvollen Stars die nächste Runde nicht erreicht. Viele in unserer Gesellschaft haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, Schicksal zu spielen und über Erfolg und Misserfolg zu entscheiden.

Die Sehnsucht nach Ruhm, Ehre und einer gewissen Mächtigkeit ist Kennzeichen unserer Gesellschaft. Ein Blick in die Betriebe und Büros lässt uns schnell Beispiele finden, wie oft nur der was wird, der ehrgeizig nach oben strebt, ohne die Menschen zu bemerken, die dabei zurückbleiben.

Das Evangelium und besonders die Seligpreisungen Jesu bringen einen Gegenentwurf. Wer sich auf diese Idee von Leben einlässt, verlässt das Rampenlicht der Gesellschaft und tritt hinein in das Leben für eine gerechte, friedliche Welt, wo es nicht um Systeme oder Einfluss geht, sondern allein um den Menschen. Es ist das Paradies, das Jesus vor Augen hat, es ist Gottes Welt. In diesem Gesellschaftsentwurf besteht keine Notwendigkeit für einen Starrummel oder für den Einsatz von Ellenbogen. Gerechtigkeit und Frieden leben nicht auf Kosten anderer Menschen. Gerechtigkeit und Frieden schaffen vielmehr Raum für den Menschen, Raum zum Atmen, Raum zum Leben.

Es ist klar, die Ideen Jesu sind ein Idealbild, das sich er in der Vollendung der Welt verwirklichen kann, seine Gedanken aber stellen die Frage nach dem Ziel unseres Lebens. Welchen Weg wählen wir, den der Macht über oder den des gegenseitigen Respekts und der Freiheit für die Menschen. Eine Frage, der sich jede Gemeinschaft stellen muss. Jesus beantwortet auch die Frage nach den Auswirkungen. Wer sich auf seine Ideen einlässt, riskiert Beschimpfung und Verleumdung. Er gilt schnell als dumm und von einem fremden Stern.

Im Vergleich zu unserer Gesellschaft ist es wirklich eine fremde Welt, die Jesus vorstellt. Diese Welt kennt kein oben und unten, kein dabei und außen vor. Die Welt Jesu kennt nur Menschen, die gleich angesehen, gleich wichtig und gleich wertvoll sind. Diese Welt kennt nur einen Ruhm, mit den Worten des Paulus gesagt, wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Für den Ruhm und den Wert des Menschen gibt es nur eine echte Quelle – nämlich Gott selbst. Alles andere erweist sich als vergänglich und haltlos. Allein was der Mensch von Gott her ist, das ist er wirklich und das kann ihm niemand nehmen.

Wenn Gott der Ruhm des Menschen ist, dann hat das Folgen:

In diesen Tagen begehen wir den Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieser Ort ist zum Symbol der Unmenschlichkeit geworden. Er zeigt, was geschieht, wenn sich der Mensch zum Richter über den Wert des Menschen erhebt und bestimmt, wer Mensch ist und wer nicht. Solange Gott der Ruhm des Mensch ist, bleibt jeder Mensch wirklich Mensch. Es ist nicht möglich, einem Menschen das Menschsein abzusprechen. Wird Gott jedoch verdrängt, bekommt der Mensch freie Hand. Menschen sind dann den Menschen ausgeliefert und nicht ihnen nicht mehr durch Gott entzogen. Wir als Christen haben den Auftrag, darauf zu achten, dass jedem Menschen immer seine Würde bleibt. Das fängt bereits an, wenn wir über andere zu reden beginnen. Wie oft wird im Geschwätz über jemanden dessen Würde verletzt.

Wenn Gott der Ruhm des Menschen ist, dann hat jeder Mensch einen unverlierbaren Selbstwert. Ich darf stolz auf mich sein, auch wenn alles daneben geht und mich andere niedermachen. Gott gibt mir meinen Wert und den kann mir niemand wegnehmen. Ich bin Gottes wert, so wie ich bin.

Wer ist wie Gott, diese Frage wir dem Erzengel Michael in den Mund gelegt. Solange der Mensch ehrlich antwortet – niemand, wird er sich mit Gott auseinandersetzen und ihn als Herrn des Lebens begreifen. Über sieht er aber Gott, dann versteigt sich der Mensch und wird fallen, denn den Thron des Herrschers der Welt zu besteigen, dazu fehlt dem Menschen die nötige Sehfähigkeit. Der Mensch tut also gut daran, nicht nach menschlichem Ruhm zu streben, sondern nach dem Ruhm Gottes. Damit gibt er sich selbst den Boden unter die Füße, den er zum Leben braucht.