gerecht gemacht


Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, dieser Satz gilt zumindest im Europa. Die Bürger eines Landes müssen sich in gleicher Weise an Gesetze halten und wenn sich einer gegen ein Gesetz vergeht, dann muss er für sein Verhalten Verantwortung übernehmen und gerade stehen. Egal wer er ist, was er tut oder was er verdient, er muss wie jeder andere Gesetze halten. Nun mag der eine oder andere widersprechen, von wegen alle sind gleich, der Kleine muss beispielsweise Steuern zahlen und die Großen kommen so davon. Gleichheit vor dem Gesetz bedeutet, dass Gesetze für jeden gleich gelten. Solange jemand sich an die Gesetze hält, indem er legal handelt, wird er seiner Verantwortung gegenüber dem Gesetz gerecht. Ob das jedoch wirklich immer gerecht, ist eine andere Frage.

Gleichbehandlung bedeutet nicht immer Gerechtigkeit. Es kann sogar gerecht sein, wenn Menschen ungleich behandelt werden. Gerechtigkeit sieht die besondere Situation eines Menschen. Hier rückt in den Blick, was dem Menschen gerecht wird und das ist für den einen das, für den anderen etwas anderes. Gerechtigkeit sieht den Menschen und macht die Menschen deshalb nicht gleich.

Paulus schreibt in seinem Römerbrief: der Mensch ist gerecht gemacht aus Glauben. Hier ist keine Rede von Gleichheit, sondern von Gerechtigkeit. Gott sieht den Menschen, jeden für sich, und wendet sich jedem einzelnen zu. Er sieht ihn so, wie er wirklich ist. Gott weiß um das Wesen des Menschen, er weiß um seine Bedürftigkeit. Gott weiß, was der Mensch kann und wo er sich schwer tut. Gott weiß, mit wem er es zu tun hat, wenn er die Menschen sieht. Deshalb geht er auch in Vorleistung. Unverdient, ohne Gegenleistung, aus reiner Gnade wendet sich Gott dem einzelnen Menschen zu. Es ist eine andere Art von Gesetz, die hier zum Tragen kommt. In Gottes Gesetz steht nicht der Buchstabe im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Deshalb ist auch nicht Gleichmacherei angesagt, sondern Gerechtigkeit. Gott geht es um jeden einzelnen Menschen. Er hat einen Blick für den Menschen, denn er liebt jeden Menschen gleich - keinen mehr und keinen weniger. Deshalb wird Gott den Menschen gerecht.

Gott wird den Menschen gerecht und er macht ihn gerecht. In wenigen Tagen feiern wir das Geburtsfest Jesu. Mit der Geburt des Gottessohnes eröffnet sich den Menschen ein Weg, denn Gott macht den Menschen seiner würdig. Aus Liebe öffnet er sich auf den Menschen hin und teilt den Menschen von seiner Liebe mit. Durch Christus, so lesen wir im Römerbrief, werden wir gerecht gemacht. Aus eigener Kraft und Leistung kann der Mensch nicht Gott gegenüber gerecht werden. Vielleicht kann er nicht einmal seinesgleichen gegenüber gerecht sein.

Gott kann der Mensch nicht gerecht werden, denn Gott ist dem Menschen immer voraus. Er ist zuerst die Schritte der Liebe gegangen. Doch in Christus hat sich den Menschen ein Zugang zur Gnade eröffnet. Und nicht nur das, so lesen wir bei Paulus, Gott hat nicht nur den ersten Schritt der Liebe getan, sondern auch den Menschen von seiner Liebe mitgegeben. Durch den Heiligen Geist wurde die Liebe in unser Herz gegossen. So haben wir Anteil an seinem Geist, seiner Liebe erhalten. Das ist die Vorleistung, die Gott den Menschen gegeben hat. Doch ist der Mensch bereit, zu antworten? Sind wir bereit zu antworten?

Die Liebe Gottes ist uns in unser Herz gegossen worden. Wenn wir auf Gottes Gnade antworten, dann begleitet die Liebe unseren Blick, den wir auf die Menschen werfen. Wir beginnen, jeden Menschen in seiner Eigenart wahr- und ernstzunehmen. Wir werden sensibel für das, was Menschen zu ihrem Heil brauchen. Wir fangen an, dem Menschen gerecht zu werden, denn wir beginnen Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu schätzen und mit ihnen entsprechend zu leben. An unserem Leben wird sichtbar, dass wir gerecht gemacht sind. Der Grund, der uns trägt, ist unser Glaube an Gott, der selbst Mensch geworden ist und so den Menschen gerecht gemacht hat. Wir sind durch seine Liebe beschenkt und zur Liebe befähigt. Bleibt noch unsere Antwort, die Liebe zu leben.