Gedanken von mir
 
Bei Gott ist nichts unmöglich!

Nachdem auch wir Franziskaner immer weniger werden, wird es gleichzeitig schwieriger die verschiedenen Aufgaben in unserer Provinz gut unter den Brüdern zu verteilen. Dann kommt es vor, dass es den einen oder anderen mit einer Aufgabe trifft, vor der er zurückschreckt. Das was er da übernehmen soll, kommt ihm viel zu groß und viel zu schwer vor. Ähnliches kennen wir auch aus anderen Bereichen. Wir werden vor Aufgaben oder Probleme gestellt, die wir für unlösbar halten. Kommen wir ihnen aber nicht aus und müssen wir sie anpacken, dann geht es – nicht gerade spielend, aber doch gelingt es uns Schritt für Schritt die Sache in den Griff zu bekommen. Es ist, als würden uns zusätzliche Kräfte, besondere Ideen oder eine zusätzliche Motivation zuwachsen. Wenn dann die Sache gemeistert ist, dann sind wir selbst oft mehr überrascht als andere, dass es geklappt hat.

Maria wird auch überrascht. Sie überrascht ein Engel, ein Bote Gottes, und er überfällt sie mit einer Nachricht, die ihre Vorstellungen weit übersteigt. Maria wird ein Kind angekündigt – nicht nur, dass das für sie unvorstellbar ist, sondern dieses Kind wird nicht gerade eine Randerscheinung sein. Über den zu erwartenden Sohn wird gesagt, er werde Sohn des Höchsten genannt. Seine Herrschaft habe kein Ende. Marias verständlicher vorsichtiger Einwand wird mit einer einfachen Feststellung beiseite gewischt: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Bei Gott ist nichts unmöglich und sei es unseren Augen noch so fremd. Wenn wir das Leben Jesu ansehen, wenn wir das Leben Marias ansehen, auch wenn wir unser Leben ansehen, sind es oft ungewohnte Wege, die Gott mit den Menschen geht. Ermutigend ist dabei, dass diese Wege gehbar sind, solange Gott sie mitgeht. Wenn der Mensch sein JA zu Gottes Anfrage zu geben bereit ist, dann wird Unmögliches möglich. Gott beginnt durch Menschen Großes zu wirken.

Ein Mensch, der mit Gottes Hilfe Großes erreicht hat, ist König David. Von seiner Hirtentätigkeit weggeholt, wird er zum König von Israel. Doch steile Karrieren machen manchmal auch blind für die Wirklichkeit der Welt. Als David für Gott ein Haus bauen will, klingt das ganz vernünftig, aber von Gott kommt eine Anfrage: Was könntest du mir schon geben? Lange ist die Liste der Hilfe Gottes auf Davids Weg zum Thron. Ohne Gottes Hilfe wäre er noch immer bei seinen Schafen. Allein weil Gott ihn als König von Israel erwählt hat, beginnt David den Weg der Thronbesteigung. Es ist allein Gottes Verdienst, dass er König wird. Gott hat den Weg des Menschen ermöglicht.

Was sich David sagen lassen muss, das ist auch für unser Ohr bestimmt. Immer wieder müssen wir uns der Frage stellen, wie es um den Erfolg unseres Bemühens bestellt ist.

Der Mensch ist ähnlich wie David angelegt. Er will es in seinem Leben zu etwas bringen. Hat er dann etwas erreicht, dann schreibt er es meist den eigenen Fähigkeiten, Anstrengungen und Mühen zu. Gott spielt oft nur eine Rolle, wenn Lebenspläne schief gehen. Der Mensch ist einfach sehr von sich überzeugt und übersieht Gottes Anteil am Gelingen des Lebens. Wir erreichen aber nicht allein durch unseren Willen und unsere Fähigkeiten unsere Ziele, sondern weil Gott derjenige ist, der uns in unserem Bemühen begleitet. Ähnlich wie David eine Liste des Beistandes Gottes präsentiert bekommt, können auch wir für unser Leben, einen roten Faden der Begleitung Gottes finden. Das Vertrauen auf Gottes Hilfe lässt uns dann auch Dinge wagen, die uns als unmöglich erscheinen.

Auf eine Unmöglichkeit unseres Glaubens schlechthin bereiten wir uns in diesen Tagen vor. An Weihnachten feiern wir das Fest, an dem Unmögliches möglich geworden ist. Weil Gott es so wollte, wurde er selbst Mensch. Gottes Menschwerdung ist für uns unvorstellbar. Wir können sie nie ganz begreifen, denn es geht nicht in unseren Kopf, wie der allmächtige Gott sich selbst zum ohnmächtigen Kind macht. Es bleibt unvorstellbar, wie das gehen kann. Dieses Geheimnis kann der Mensch immer nur staunend glauben.

Noch unvorstellbarer wird es, wenn uns unser Glaube sagt, dass sich Menschwerdung Gottes in unserem Leben wiederholt. Es scheint unmöglich zu sein, dass Gott auch in uns Mensch wird, nämlich im Hören seines Wortes und im Empfang seines Leibes und Blutes. Gott will in uns Mensch werden? Wir sind doch viel zu unwürdig! Auch hier bekommen wir die Antwort an David. Was könntest du mir schon bauen – was könntest du Mensch den tun, um wirklich würdig zu sein? Wir müssen uns eingestehen, allein Gott kann uns so würdig machen, dass es ihm entspricht, und das schöne ist, er tut es auch.

Wird Gott in uns Mensch, dann ist das Lebenshilfe im wahrsten Sinne des Wortes. Gott wird zum Begleiter und Teilnehmer an unserem Leben. Wenn Gott mit uns geht, wird unser Lebensweg zum Weg des Heils. Wir können darauf vertrauen, dass sich Leben zum Guten wendet, auch wenn wir selbst das Ende nicht absehen können. Gott allein genügt, sagt Theresia von Avila. Dass Gott mit uns lebt, ist die Garantie dafür, dass Leben im Letzten gelingt. Solches Vertrauen lässt uns auch Dinge angehen, vor denen wir zurückschrecken. Das Vertrauen auf Gott lässt uns den Mut finden, Großes zu vollbringen.

Wenn Gott in uns Mensch wird, ist das eine Herausforderung. Dann wir Gott zur Größe in unserem Leben, die unsere Entscheidungen beeinflusst und unserem Leben eine Form gibt. Gottes Willen zu tun heißt, JA zu den Überraschungen zu sagen, die er für uns hat.

Advent heißt, sich vorbereiten auf das Fest der Menschwerdung Gottes. Es ist nicht nur das Geschehen von Bethlehem, das uns dabei vor Augen steht. Es ist auch das Geschehen in unserem Leben, wenn sich Gottes Menschwerdung bei uns ereignet.