Gedanken von mir
 


Gott mit uns


Was wäre gewesen, wenn Josef nicht so rücksichtsvoll reagiert hätte, wenn er verständlicher Weise das getan hätte, was das Gesetz vorsah mit Frauen, die plötzlich unerklärlich schwanger sind? Was wäre gewesen, wenn Josef seine Verlobte angeklagt hätte? Maria wäre nach geltendem Recht verurteilt und gesteinigt worden. Josef muss Maria sehr geliebt haben, wenn er alle Enttäuschung und Verletzung beiseite lässt und in aller Stille die Verlobung lösen will, um seine Partnerin nicht bloßzustellen und ihr so die gerechte Strafe zu ersparen.

Die Liebe zu seiner Verlobten verhindert, dass sich Josef von tiefer Enttäuschung leiten lässt und nicht seine Freundin einfach in die Wüste schickt. Diese Liebe lässt ihn nicht einfach dicht machen und damit taub werden für alle Einsprüche. Josef bleibt offen. Josef bleibt empfänglich für das Wort, das Gott für ihn hat. Auch wenn dieses Wort immer noch schwer genug zu nehmen ist, so lässt sich Josef doch auf die Geschichte ein, die Gott mit seiner Verlobten und mit ihm schreiben will. Gott ist immer für eine Überraschung gut. Josef ließ sich von Gott überraschen. Darum konnte Gott Heilsgeschichte schreiben.

König Ahas, der König von Juda ist da ein anderer Charakter. Gott bietet ihm ein Zeichen an – er lehnt ab – warum? Demütig klingt seine Antwort: ich möchte Gott nicht auf die Probe stellen! Ahas hat gute Gründe, dass er auf Gottes Zeichen verzichten will. Wenn Gott sich zu erkennen gibt, dann ist es vorbei mit seiner Eigenmächtigkeit. Auch ein König wie Ahas ist dann in die Schranken gewiesen. Er kann nicht mehr so tun, als gäbe es Gott nicht. Wenn Gott ein Zeichen gibt, dann muss auch ein König Ahas Gottes Macht akzeptieren. Er kann nicht mehr so tun, als wäre Gott nicht oder er würde sich nicht um die Menschen kümmern. Obwohl Ahas wohl begründet auf Gottes Zeichen verzichtet, kündigt Jesaja ihm den Immanuel an, das Kind, das aller Welt zeigen wird, Gott mit uns.

Gott hat der Welt dieses Zeichen gegeben. Die Jungfrau hat empfangen und geboren. Ein Kind hat sie geboren, Jesus den Christus, Gottes Sohn. In der Geburt Jesu hat sich Gott zu seiner Schöpfung bekannt. Er hat uns gezeigt, dass er mit uns ist. Auch wenn ein König Ahas und mit ihm viele andere das nicht sehen wollen. Gott ist mit und in seiner Welt und ihren Menschen. An dieser Wirklichkeit kann niemand mehr vorbei. Offen bleibt nur, ob wir uns dieser Wirklichkeit stellen. Nehmen wir dieses „Gott mit uns“ an? Lassen wir uns ein auf Gott, der mit uns sein will? Sieht man uns wirklich an, dass Gott mit uns ist – mit uns und mit jedem Menschen?

Mit der Geburt des Kindes von Bethlehem hat sich etwas verändert. Die Geschichte der Welt hat eine Zäsur bekommen. Gott hat sich in die Welt begeben und seine Liebe zur Welt hat Hand und Fuß bekommen. Uns ist das Zeichen der Liebe Gottes geschenkt. Gottes Liebe lässt sich nun nicht mehr leugnen.

Die Geschichte Gottes mit den Menschen kennt eine lange Dürre Menschen. wie Ahas waren und sind keine Seltenheit. Auch heute leben Menschen am Zeichen Gottes vorbei, wenn sie beispielsweise nicht wahrhaben wollen, dass Gott jeden Menschen in seiner Eigenart liebt. Es lebt sich leichter ohne diesen liebenden Gott, denn dann kann ich Menschen ausgrenzen und ihnen ihre Würde absprechen. Ich kann auch selbst den Verschmähten und Verachteten spielen, den der keinen Platz hat. Ich kann dann von der bösen und ach so gottlosen Welt reden und die Anwesenheit Gottes in der Welt und den Menschen leugnen. Doch wenn sich Gott in der Welt zeigt, wenn er sich als der Immanuel – der Gott mit uns – offenbart, dann gehen mir die Argumente aus. Wie kann ich von der bösen Welt reden, wenn Gott in diese Welt eingezogen ist? Wie kann ich mich zu den Verachteten zählen, wenn Gott mich angenommen hat? Wie kann ich Menschen den Respekt versagen, wenn Gott sie angenommen hat?

Wenn Gott der Welt den Immanuel gegeben hat, dann müssen wir zugeben, dass wir uns täuschen, wenn wir nicht mit Gott in unserem Leben rechnen. Wir müssen damit leben lernen, dass Gott auch mit uns ist.

Wir stehen im Advent, der Zeit der Erwartung der Ankunft unseres Herrn. Es ist nicht die erste Ankunft Gottes, die war im Stall von Bethlehem vor 2000 Jahren. Wir warten auf die Wiederkunft des Herrn, darauf, dass wir ihn kommen sehen in unserem Leben. Dieses Warten ist eher ein Entdecken, denn Gott hat sich nicht aus der Welt zurückgezogen, sondern er ist da geblieben. Wir müssen nur lernen ihn in unserer Welt zu sehen, wir müssen lernen ihn zu glauben als den Immanuel – Gott mit uns!