Dieses Jahr im März stand ich mit Brüdern an der Stelle, an der Jesus auf seine Jünger gewartet hat. Plötzlich sahen wir den See Genezareth kochen. Rechts von uns brodelte das Wasser, weil so viele Fische an einer Stelle waren, dass das Wasser aufwallte. Die Lösung war ganz einfach. An dieser Stelle münden warme Quellen in den See und die Fische lieben dieses warme Wasser und konzentrieren sich auf diese Stellen. Man könnte sich das Bild des Evangeliums also recht einfach erklären. Die Jünger waren auf dem See erfolglos, kehrten ans Ufer zurück und wurden dann von Jesus auf die rechte Seite verwiesen, dort wo die warmen Quellen mit den Fischen waren. Das wäre eine einfache Lösung, aber trotzdem bleiben Fragen und die Stelle will ja mehr als nur diese Geschichte zu erzählen.

Sehen wir uns die biblische Erzählung genauer an. Da sind die Jünger, sie sind Fischer und gehen ihrem gewohnten Beruf nach. Doch warum wissen sie nicht mehr, dass es da diese warmen Quellen gibt? Der See Genezareth war ihre Heimat! Man kann die Jünger verstehen. Sie sind frustriert von den Erlebnissen in Jerusalem. Da braucht es Ablenkung. Man muss etwas tun, auch wenn es vielleicht nicht überlegt ist. Und so laufen die Jünger einfach los – wie blind. Wie einfach wäre es, wenn sie nur die Augen öffnen würden. So aber bleiben sie erfolglos.

Als Jesus ihnen am Ufer begegnet, da weist er ihnen den Weg. Die Jünger können wieder richtig sehen. Sie lassen sich auf die Weisung ihres Meisters ein und haben den entsprechenden Erfolg.

Sehen wir uns auf diesem Hintergrund unsere kirchliche Gemeinschaft an. Ringsum überwiegen die Klagen, dass alles weniger wird. Die verschiedenen Versuche, Menschen für sich zu gewinnen, wirken erfolglos. Vielfach macht sich Frustration breit. Unsere Gemeinschaft hat zwar ihre Erfahrungen und ihre Tätigkeitsmuster, doch die helfen nicht mehr. Es ist als kehre unsere Kirche immer wieder mit leeren Netzen ans Ufer zurück.

Was verändert die Situation der Jünger in ihrem Boot? Als erster erkennt der Jünger, der Jesus liebte, wer da am Ufer wartet. Er erkennt Jesus, weil er mit ihm auf einer Linie ist. Jesus ist der, der die Liebe ist und lebt. Sein Erkennungszeichen ist die Liebe, deshalb erkennen ihn auch die Menschen zuerst, die selber zur Liebe fähig sind und lieben.

Auch Petrus reagiert als er auf den Meister hingewiesen wird. Er, der Traditionelle, bekommt jedoch eine Lektion. Nicht die Tradition öffnet ihm die Augen für seinen geliebten Meister sondern die Liebe. Jesus fragt ihn dreimal „Liebst du mich“ – erst dann gibt er sich zufrieden. Petrus muss noch erkennen, dass es zuerst auf die Liebe ankommt. Erst wenn er liebt, ist er bereit für die Nachfolge seines Meisters. Erst wenn er liebt, lässt er sich die Wege führen, die ihn sein Meister führen will. Dann wird er Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Stellen wir uns selbst die Frage, ob wir uns von Gott führen lassen. Wie würden wir antworten, wenn Jesus fragt, liebst du mich? Unsere Antwort wird man nicht so sehr von unseren Lippen ablesen können, als vielmehr in unserem Leben sehen. Es ist die Art, wie wir mit unserer Welt umgehen, die unsere Antwort auf die Frage Jesu gibt. Unser Leben wird zeigen, welchen Platz die Menschen haben, ob sie sein dürfen und können. Unser Leben wird zeigen, welche Achtung und welchen Respekt wir anderen Menschen entgegenbringen, auch wenn wir mit ihnen wenig anfangen können, wenn uns Menschen fremd oder vielleicht sogar zuwider sind. Wir werden Jesus Christus dann am meisten verkünden, wenn wir ihn als die Liebe leben. Das ist Verkündigung des menschgewordenen Gottes.

Unser Leben kennt viele Traditionen, viele Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, was wir sind. Sie lassen uns in gesicherten Bahnen leben, sie verhindern aber auch, dass wir unsere Verhaltensmuster immer wieder durchbrechen. Die Liebe jedoch verlangt genau das von uns. Lieben heißt, immer wieder die Grenzen unserer Gewohnheiten zu durchbrechen und uns auf Dinge einzulassen, die uns fremd und ungewohnt sind. Wenn wir zu lieben beginnen, dann werden wir glaubwürdig. Unser Leben wirkt ansteckend und unsere Gemeinschaft wird einladend. Die Liebe öffnet für uns, für unsere Kirche und für unsere Gesellschaft eine neue Perspektive. Die Liebe ist die Verkündigung, die unsere Welt braucht. Sie ist unsere Botschaft für die Welt.