Im bayerischen Volksstück „der Bandner Kaspar schaut ins Ewig Leben“ muss sich der Tod gegenüber Petrus verteidigen, weil er eine unerlaubte Zusage einzuhalten versucht. Dabei sagt er: „Wenn man schon dem Tod nicht mehr glauben kann, weil er sein Wort nicht hält, wem kann man dann noch trauen. Man kann dann auch nicht mehr sagen todsicher.“

Für uns Geschöpfe ist der Tod todsicher. Niemand kann ihm entrinnen. Das Ende des Lebens kommt unabänderlich auf den Menschen zu und hat etwas Endgültiges. Wenn etwas wirklich sicher ist, scheint das der Tod zu sein.

Die Jünger machen gerade eine andere Erfahrung. Sie hören Verschiedene ihrer Vertrauten davon erzählen, dass der Tod eben nicht mehr endgültig und todsicher ist. Es bleibt unglaublich, was da erzählt wird. Jesus soll nicht tot sein? Er soll leben? Sie haben doch selbst gesehen, wie er am Kreuz starb und dann in ein Grab gelegt wurde. Wer begraben ist, der ist endgültig tot. Man kann sich den Seelenzustand der Jünger vorstellen, die noch in ihrer Trauer mit Botschaften überhäuft werden, die sie fassungslos machen. Wann haben sie endlich ihre Ruhe?

Als sich nun Jesus ihnen zeigt, wird es für die Jünger unheimlich. Da helfen ihnen weder Berührung noch das sehr menschliche Essen ihres Meisters. Kann es wirklich sein, dass der Tote wieder lebt? Verständlicherweise denken die Jünger eher an Gespenster als an einen Auferstandenen. Uns ginge es da kaum anders. Der Glaube an das Unglaubliche fällt schwer.

Um seinen Jüngern zu helfen, versucht Jesus, ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift zu öffnen. Dort ist sein Weg angekündigt, man muss es nur verstehen, richtig zu lesen und die nötige Offenheit für das Wort der Schrift mitzubringen. Offenheit, die auch Sätze annimmt, die unglaublich klingen.

Fruchtet der Versuch Jesu? Haben die Jünger die Schrift und Jesus verstanden? In der Evangelienstelle wird keine Antwort gegeben, aber wir wissen, dass sie verstanden haben, denn die Jünger haben sich in alle Welt aufgemacht, um die Botschaft vom Heil zu verkünden. Die Jünger haben verstanden, sie haben Feuer gefangen und wurden zu Zeugen dessen, der die Endgültigkeit des Todes durchbrochen hat, zu Zeugen des Auferstandenen.

Und wir? Haben auch wir verstanden? Legen wir unsere Fassungslosigkeit, unseren Unglauben ab, dass Jesus kein Geist ist, sondern wirklich lebt? Natürlich wird der eine oder andere sagen, wir glauben doch an die Auferstehung Christi, sonst wären wir nicht hier. Vielleicht haben wir aber noch das Wort aus dem Johannesbrief im Ohr: „Wer sagt, Ich habe ihn erkannt! Aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner und die Wahrheit ist nicht in ihm.“ Ein hartes Wort, doch es benennt die Konsequenzen; die der Glaube hat. Worte allein sind es nicht, sonder das ganze Leben. Ob wir wirklich zu Glaubenden geworden sind, zeigt allein unser Leben.

Diese Tage feiern viele Kinder Erstkommunion. Dabei hören sie auch das Zeugnis der Schrift, dass unser Herr unter uns lebt. Kinder nehmen diese Gedanken gläubig an. Es ist für sie nichts Mystisches, sondern Jesus ist für sie wirklich da.

Wenn wir älter werden, dann fällt es uns schon schwerer, das mit der Gegenwart Christi zu glauben. Wir fragen uns, wie das gehen kann, dass Gott wirklich unter uns lebt und in unserem Leben gegenwärtig ist.  Die Gegenwart in Wein und Brot mag ja noch irgendwie gehen, aber in einem Menschen? Angesichts des Verhaltens vieler Menschen tun wir uns schwer damit, Gott in den Menschen zu glauben. Zu glauben, dass Gott in dir, in mir, in meinem Nachbarn, in meinem Freund, auch in meinem Feind, in jedem Menschen lebt. Doch das Zeugnis der Schrift ist eindeutig. Gott ist bei den Menschen. Er lebt in den Menschen, die sich zu ihm bekennen und ihn annehmen. Menschen zeigen durch ihr Leben, ob sie ihn erkannt haben. Durch sie ist Gott wirklich sichtbar und erfahrbar. Wenn wir also wirklich an die Gegenwart Gottes glauben, dann zeigt sich das darin, dass wir aus seinem Geist leben. Mit unserem Leben geben wir unserem Glauben ein Gesicht und verkünden damit die Botschaft von der Gegenwart Gottes. Wir führen weiter, was die Jünger in der Begegnung mit Jesus verstanden haben.

Jetzt feiern wir die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Wir zeigen, dass wir daran glauben, dass er in unserem Leben da ist. Wir bekennen auch, dass wir damit einen Auftrag haben. Die Menschen sollen durch uns erfahren: Gott hat den Tod besiegt, indem er die Liebe bis zum Äußersten getrieben hat. Wer die Liebe lebt, der lebt die Gegenwart Gottes. Durch den wird erfahrbar, Jesus lebt wirklich, er hat den Tod besiegt, er lebt mitten unter uns, in dir, in mir, in allen Menschen.