Gedanken von mir
 


Lichtschein im Dunkeln


Wenn man mit Kindern Leben deuten will und dabei nach Bilder für die schweren Zeiten des Lebens sucht, dann hilft das Wort Schattenseiten, die schweren Momente des Lebens zu beschreiben. Not macht unser Leben dunkeln, unabhängig davon, von welcher Not wir sprechen.

Der Prophet Jesaja kündigt an, dass das Volk, das im Dunkeln lebt, ein helles Licht sieht. Seine Worte gelten den Galiläern in der Verbannung. Die Not, die das Volk nieder hält, wird aufgehoben werden und es gibt wieder Raum für Atem und Hoffnung auf Leben. Das Joch dieses Volkes wird zerbrochen. Die Menschen können sich aufrichten und bekommen Freiheit zum Atmen. Die Worte des Jesaja gelten auch uns in unserer Not.

Unser Leben kennt genügend Momente, die uns wie das Tragen eines Joches vorkommen. Krankheit und Gebrechlichkeit sind körperliche Leiden, die uns das Leben schwermachen.

Viel belastender ist für den Menschen seelisches Leid. Trauer und Einsamkeit, Sorge und Angst, Missachtung und Ausgrenzung sind nur ein paar Beispiele für die Not der Seele, an der ein Mensch leiden kann. Mancher Mensch kommt wirklich gebeugt und schief daher, weil ihm die Not den Körper verformt hat.

Hinzu kommt der Druck, den Menschen einander auflegen: Leistungsdruck, Gemeinschaftsdruck, Angstmacherrei, … die Liste der Lasten, die sich Menschen auflegen ist leicht erweiterbar. Auf diese Weise erleben viele Menschen Dunkelheit in ihrem Leben und hoffen auf Licht, das ihre Dunkelheit vertreibt.

Jesus ist der Bote, der die Finsternis des Lebens durchbricht. Angekündigt durch Jesaja als das helle Licht, das alle Völker sehen, wird er zum Lichtblick auch in unserem Leben. Jesus durchbricht die Dunkelheiten des Lebens, indem er Gott als Liebe verkündet und lebt. Die Evangelien erzählen uns von Jesus. Sie berichten, wie Jesus Menschen in ihrer körperlichen Not aufrichtet und ihnen beisteht. Immer wieder erzählt uns die Hl. Schrift von Menschen, die in ihrem Leid Halt bei Jesus suchen und finden.

Aus dem Handeln und der Verkündigung Jesu spricht die Botschaft der Zuwendung Gottes. Jesus predigt die Liebe Gottes und ist selbst lebendiges Zeichen dieser Liebe. In Jesus erfahren die Menschen Gott als den, der sich den Menschen zuwendet und sie ernst und annimmt. Damit nimmt er den Menschen die Angst vor den Nöten des Lebens und auch die Angst vor Gott. Der Gott Jesu ist Liebe – da gibt es keinen Platz für Angst. Wir dürfen uns vertrauensvoll aufrichten vor Gott, denn er selbst hilft uns auf.

Um der Botschaft vom liebenden Gott Raum zu verschaffen, holt sich Jesus Menschen ins Boot. Sie sollen das verkünden, was sie bei ihm sehen. Diesen Menschen gibt Jesus eine Berufsbezeichnung. Er nennt sie Menschenfischer.

Die Jünger Jesu sind Menschenfischer, nicht Menschenjäger. Während ein Jäger seine Beute hetzt, fängt ein Fischer seine Beute in einem Netz. Für Tiere hat das ziemlich das gleiche Ergebnis. Wenn jedoch Menschen in einem Netz aufgefangen werden, steht das für etwas Gutes.

Denken wir an Akrobaten auf dem Hochseil. Auch wenn sie sich sicher durch die Luft bewegen, so gibt es doch ein Netz über dem Boden, das sie dann auffängt, wenn sie ins Leere greifen sollten. Die Menschenfischer, die Jesus in die Welt sendet, sollen den Menschen so ein Netz anbieten. Sie sollen für die Menschen ein Netz aufspannen, das sie auffängt, wenn etwas daneben geht. Sei es verschuldet oder unverschuldet. Wer den Menschenfischern begegnet, der erfährt, dass er bei Gott Halt und Sicherheit für sein Leben findet. Auch wenn der Mensch vor lauter Dunkelheit und Schatten nichts mehr sieht, darf er wissen, dass dieses Netz da ist. Denn Gott selbst ist dieses Netz. In seiner Liebe ist er in unserem Leben da und teilt unsere Not. Die Gewissheit, dass Gott auch in der Not unser Leben teilt, ist ein kleines Licht in unserer Dunkelheit. Ein Mensch, der das erfährt, kann sagen, ihm ist ein Licht aufgestrahlt. Denn dieser Mensch muss nicht mehr die Angst haben, er fällt ins Leere. Gott selbst fängt ihn auf und richtet ihn auf. Gott selbst ist das Licht in unserem Leben.