Das Himmelreich bauen


Jesus beginnt seine Verkündigung mit dem Aufruf – Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!

Was ist denn dieses Himmelreich – der Himmel?

Was meinen wir, wenn wir von paradiesischen Zuständen sprechen? Denken wir dabei nicht an eine heile Welt? Gestern Abend lief der Film „ die Eroberung des Paradieses“ – damit wurde die Reise des Christoph Columbus beschrieben, wie er in die sogenannte Neue Welt fährt und dort eine Welt aufbaut. Es ist klar, dass auch diese bis dahin vom westlichen Einfluss verschonte Welt nicht nur heil war. Doch wird sie wohl als Paradies bezeichnet, weil sie noch nicht unter der Herrschaft der Mächtigen der Welt stand. Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe, würde hier bedeuten, nicht die Vorherrschaft über die bis dahin unbehelligte Welt zu übernehmen.

Paradies oder Himmelreich sind Lebensräume, wo nicht ein Volk Macht über das andere ausübt, ein Mensch über den anderen herrscht, sondern gegenseitige Wertschätzung und Achtung die bestimmenden Haltungen des Zusammenlebens sind und Gerechtigkeit in den Frieden führt. Das Himmelreich wird auch als das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens genannt.

Dieses Himmelreich kündigt Jesus an und meint damit nicht eine Endzeiterwartung. Vielmehr tritt mit Jesus eine neue Weltsicht auf den Plan, die sich in seinem Leben, seinen Worten seinem Handeln widerspiegelt. Jesus lehrt und verkündet das Reich des Himmels und er heilt die Menschen, die zu ihm kommen, so schreibt der Evangelist Matthäus. Jesus beginnt neben seiner Verkündigung mit der Heilung der Menschheit. Das Himmelreich beginnt somit bereits mit seinem Wirken. Himmelreich beginnt im Jetzt.

Diesen Weg, den Jesus geht, unternimmt er nicht als Alleingang. Bereits am Beginn seines Wirkens holt er sich Mitarbeiter ins Boot. Nicht die Mächtigen spricht er an. Bei ihnen würde seine Botschaft auch kaum ankommen, sie würden ja ihre eigene Stellung beschädigen. Die einfachen Menschen wirbt Jesus für seine Idee. Fischer werden zu Menschenfischern, zu Menschen die für die Sache des Himmelreiches stehen und werben. Wir kennen selbst die Situation, dass bestimmte Fragen auf höchster Ebene kaum vorwärts kommen. Zu groß ist die Angst vor dem Verlust des eigene Einflusses und der eigenen Macht. Es sind Menschen, die kaum etwas verlieren können, die schließlich für die Sache der Gerechtigkeit einstehen. Sie müssen weniger aufpassen, was sie sagen, denn niemand achtet auf sie – und doch können sie die Dinge in Bewegung bringen. Die Landlosenbewegung in Südamerika beispielsweise hat es trotz ihrer Einfachheit geschafft, Ungerechtigkeit zu verbalisieren und zu vermindern.

Mitarbeit am Aufbau des Reiches Gottes ist also nicht nur eine Aufgabe der Lenker der Völker. Jeder Mensch ist angesprochen, einen Beitrag zum Wachsen des Himmelreiches zu leisten. Morgen gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Beim offiziellen Gedenken im Bundestag wurden die Deutschen durch den Sprecher der jüdischen Gemeinden gelobt, weil es keinen Staat gibt, der sich so ehrlich mit seiner Geschichte auseinandersetzt und dafür sorgt, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Die Erinnerung ist die eine Seite. Viel wichtiger ist es, gerade auch aus den Erfahrungen unserer Geschichte heraus wachsam zu sein, sensibel zu sein für jede Form von Menschenverachtung und Missachtung menschlicher Würde. Himmelreich beginnt da, wo Menschen entsprechend ihrer göttlichen Würde geachtet und geschätzt werden. Wer die Achtung des Menschen fördert baut mit am Reich Gottes ebenso wie der, der für Gerechtigkeit eintritt – Gerechtigkeit verstanden als Haltung, die die Unterschiedlichkeit der Menschen akzeptiert und gleichzeitig sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch das zur Verfügung hat, was ihm gerecht wird.

Jesus kündigt an, das Himmelreich ist nahe! Manchmal fällt es uns schwer zu glauben, dass Jesus es ernst gemeint hat. Doch wenn wir genau hinsehen, dann werden wir doch entdecken, es scheint immer wieder einmal kurz auf – vielleicht auch manchmal durch uns.