Offenbarung

Jesus offenbart sich noch einmal, zum dritten Mal nach seiner Auferstehung stellt der Evangelist Johannes fest. Sich offenbaren bedeutet, sich offen machen für den anderen, damit der fähig wird, zu erkennen, zu sehen. Jesus zeigt sich den Jüngern noch einmal, bevor er sich auf den Weg zu seinem Vater macht. Die Jünger sollen begreifen, dass sie auf dem sicheren Weg sind, wenn sie auf Jesus bauen. Das gesamte Leben Jesu steht unter dem Vorzeichen der Offenbarung. Denn durch sein Leben macht er Gottes Geist und Gottes Willen sichtbar. In seinem Wort und in seinem Handeln schlägt sich nieder, wie Gott ist.
Was zeigt uns Jesus von Gott? Wenn wir hinschauen, wie Jesus sich in der Welt bewegt, dann entdecken wir eine große Freiheit. Jesus wirkt ungebunden, unkonventionell und sehr frei im Umgang mit den Regeln der Welt, deshalb gerät er immer wieder mit den Gesetzeshütern aneinander. Kennt Jesus keine Ordnung, an die er sich hält?
Für den Evangelisten Johannes wird der Mensch vor eine Entscheidung gestellt: entweder die Welt mir ihrem starren Gesetz oder Jesus Christus mit dem lebendigen Gesetz. Dazwischen gibt es nichts. Der Mensch kann nicht sagen, er entscheide sich für Christus, und dann weiter der menschlichen Ordnung verhaftet bleiben. Wer sich für Jesus entscheidet, wählt das lebendige Gesetz. Er wählt und erfüllt Gottes Gesetz. Das tut er, indem er  wie Jesus die Liebe lebt. Wer wirklich liebt, der weiß, wie wenig die Liebe Grenzen kennt.
Jesus mag im Bezug auf die menschliche Ordnung ungebunden erscheinen, doch sein Leben kennt eine feste Bindung. Es ist die Bindung an Gott selbst, die ihn zu seinem Leben befähigt. Immer wieder sucht Jesus die Einsamkeit auf, um mit seinem Vater allein zu sein. Diese einzigartige Beziehung des Sohnes zu seinem Vater lässt ihn zum Offenbarer des Vater werden im Getriebe der Welt.
Wenn Jesus handelt, dann bestimmen diese Verbundenheit zu seinem Vater und der Geist der Liebe sein Tun. Jesus hat in seinem Leben immer das Heil des Menschen im Blick. Das ist die klare Linie, die sich durch sein Leben zieht. Weder eigene Interessen noch der Wunsch nach Macht über andere bestimmen ihn, allein die Sorge um das Heil der Menschen macht seine Sehnsucht aus. Aus dieser Sehnsucht lebt er. Diese Sehnsucht drückt er auch aus, wenn wer für die Menschen betet, dass sie eins seinen wie er und sein Vater eins sind. Nur in der Einheit findet die Liebe ihre Erfüllung und gelangen die Menschen zum Heil.
Jesus offenbart sich uns Menschen. Damit hat er für seine Jünger und uns Christen ein Leitbild entwickelt, das unser Leben bestimmen sollte. Wenn Jesus sich offenbart und die Menschen sich an ihm orientieren, dann gelingt unser Leben, auch wenn es menschlichen Vorstellungen widerspricht. Diese Erfahrung müssen die Jünger machen. Als sie auf eigene Idee zum Fischfang losfahren – ganz nach allen Regeln der Kunst – kehren sie erfolglos wieder zurück. Als sie sich auf Weisung des Auferstandenen auf den Weg machen – entgegen jeder Vernunft – da gelingt ihr Fischzug. Sollte die Erfahrung der Jünger nicht ein Denkanstoß für uns sein?
Wenn wir einen Blick in unsere Kirche werfen, dann sehen wir viele Kirchenmitglieder und Würdenträger darüber jammern, dass unsere Kirchen immer leerer werden und die Gemeinden ausbluten. Menschen, die sich wirklich mit ganzer Kraft für die Gemeinden engagieren, werden immer seltener. Über diese Tatsachen täuschen auch nicht Großereignisse wie der Weltjugendtag oder Katholikentage hinweg.
Mir kommt es so vor, als ob immer noch zu sehr menschliche Regeln gelten. Große Werbeaktionen, sanfter bis weniger sanfter Druck und harte Forderungen gehen immer mehr ins Leere.
Menschliche Versuche müssen scheitern! Den eigentlichen Weg beschreibt der Petrusbrief: Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten und zeigt mir den Pfad zum Leben.
Wie wäre es, wenn wir es mit göttlichem Wirken versuchen? Das würde heißen, endlich den Geist des Evangeliums zum Zug kommen lassen ohne menschliche Beschränkungen. Denn die Erfahrung zeigt, dass dann, wenn Menschen mit dem Evangelium ernst machen, ihr Leben ansteckend wird und Menschen wirklich zum Glauben führt. Die Verkündigung des Evangeliums ist der Auftrag unseres Lebens. Nur wenn wir das Evangelium leben, dann wird Gottes Werk in unserem Leben offenbar und wir erkennen und bekennen: Es ist der Herr.