Gedanken von mir
 

Ein Licht aufgehen lassen

Wir haben seinen Stern aufgehen sehen, antworten die Sterndeuter auf die Nachfrage des Herodes. Den Weisen ist ein Licht aufgegangen, dem sind sie gefolgt.

Wenn uns ein Licht aufgeht, dann haben wir etwas verstanden, uns ist etwas klar geworden, wir sehen einen Weg. Ein Licht, das uns aufgeht, kann der Trost sein, den uns jemand spendet, die Hoffnung, die wir haben, die Nähe, die wir erfahren. Auch Ehrlichkeit, Vertrauen, Zufriedenheit und Friede sind Lichter, die in unserem Leben aufgehen. Sie alle sind Zeichen des einen Lichtes, das uns aufgestrahlt ist und von dem die Weisen nach Bethlehem geführt wurden.

In diesen Tagen feiern wir das Geheimnis des Lichtes, das in unser Leben kommt. Wir feiern ein zentrales Geheimnis unseres Glaubens, die Menschwerdung Gottes, Jesus, der als Licht in unsere Welt kommt.

Wenn die Geburt Jesu nur ein Ereignis in der unbedeutenden Stadt Bethlehem zu sein scheint, zeigt das heutige Fest „Erscheinung des Herrn“, dass Gottes Menschwerdung Bedeutung für die ganze Welt hat. Die Sterndeuter stehen für Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt. Sie sind Suchende, Menschen, die wache Augen haben für die Ereignisse des Himmels und deshalb auch empfänglich sind für die Zeichen des Himmels. Menschen die Himmelszeichen zu lesen verstehen, werden zu Wegweisenden für alle Menschen. Sie werden zu Hilfen, wenn es darum geht, Himmelszeichen in unserer Welt wahrzunehmen und zu entdecken. Wir brauchen solche Weisen, damit sie uns die Augen öffnen für die Zeichen des Lichtes in unserem Leben.

Leider gibt es da ein kleines Problem. Unsere Sensibilität, unser Sensus für Gottes Gaben scheint nicht besonders empfindlich zu sein. Oft sehen wir gar nicht, wie Gott bei uns ist, wie er als Licht unser Leben hell macht. Oft sehen wir gar nicht, dass er es ist, der uns begegnet und in unserem Leben da ist. Uns geht es ähnlich wie Herodes, der zwar ganz in der Nähe des Geburtsortes Jesu lebt, aber das Geschehen in Bethlehem nicht mitbekommt. Erst die Weisen haben ihm die Augen geöffnet. Weise brauchen auch wir, Menschen, die uns die Augen öffnen können für die Gegenwart Gottes in unserem Leben.

Das Licht in unserem Leben müssen wir zuerst sehen lernen, um dann dem Aufruf des Propheten Jesajas folgen zu können. „Auf werde Licht Jerusalem! “ ruft er uns entgegen.

Wenn wir eine Kerze anzünden, dann tun wir das mit einem Streichholz einem Feuerzeug oder einem brennenden Docht entzünden – wie wir das meistens in unseren Kirchen machen. Die Flamme des brennenden Dochtes springt über auf die Kerze, die wir anzünden wollen. Die Kerze lässt sich vom Docht anstecken.

Dieses Bild drückt aus, was der Prophet Jesaja uns sagen will. Wir sollen zum Licht werden und wir können es, weil wir ein Licht empfangen haben. Gottes Licht, das uns in Jesus geschenkt wurde, springt auf uns über, wenn wir es nur wollen. Was wir von Gott her erfahren haben, das tragen wir weiter. Sein Licht tragen wir in uns als eine Flamme, die unser Leben hell macht. Deshalb sollen wir selbst leuchten, sollen Gottes Licht zum Strahlen bringen.

Ähnliches machen uns die Weisen vor. Sie sehen das Licht und erfahren die Nähe Gottes und erkennen Gott – und sie antworten mit Geschenken. Als Beschenkte werden sie selbst zu Schenkenden.

Wenn wir uns als von Gott beschenkt erfahren, dann drängt es uns, auf Gottes Gabe Antwort zu geben. Gott beschenkt uns immer neu mit seiner Gegenwart. Er kommt in unser Leben im Hören des Wortes und im Empfang der Eucharistie. Er tritt in unser Leben durch die Erfahrung von Trost, Liebe, Vertrauen, Hoffnung und Nähe. An uns ist es, dass wir Gott in diesen Erfahrungen sehen lernen und uns für seine Gegenwart öffnen. Dann können auch wir zu Menschen des Lichtes Gottes werden. Durch uns kann den Menschen ein Licht aufgehen, wenn sie durch uns Trost, Licht, Nähe und Liebe erfahren, denn das sind Zeichen des Himmels, die in unserem Leben aufgestrahlt sind.

Auf werde Licht Jerusalem, auf werdet Licht ihr Menschen in aller Welt! Ich wünsche uns, dass uns ein Licht aufgeht und wir zu Kindern des Lichtes werden.