Gedanken von mir
 


Geschmack gefunden


Wenn jemand zögerlich an eine Sache herangeht und dann immer mehr Leidenschaft für diese Sache entwickelt, dann sagen wir, er findet Geschmack an der Sache. Man merkt ihm an, dass er Lust an der Sache hat und immer mehr darin aufgeht.

Wenn wir Geschmack am Leben finden, dann bekommen wir Lust am Leben. Das Leben macht uns Spaß und Freude und wir können uns voller Energie ins Leben stürzen. Andersherum wirkt jemand, der die Lust am Leben verloren hat, wie gelähmt. Ihm ist der Spaß abhanden gekommen und jede Freude genommen worden.

Habe ich Lust an einer Sache, dann entscheide ich mir für sie. Ich gehe mit Engagement an die Sache heran und investiere möglichst viel in diese Sache. In mir wächst eine Sehnsucht und man spürt die Energie, dich ich in die Sache stecke. Ich werde mehr als nur irgendwie mitmachen oder mitschwimmen, ich werde der Sache meinen Fingerabdruck aufdrücken.

Jesus begegnet am Jakobsbrunnen einer Frau. Eigentlich ist sie jemand, mit dem ein Jude nichts zu tun haben will. Doch Jesus kommt mit ihr ins Gespräch und bietet ihr schließlich das Wasser des Lebens an. Dieses Wasser ist mehr als ein Wasser, das nur einfach dahin plätschert, ähnlich wie ein Bach, der friedlich vor sich hinläuft und beinahe träge wirkt. Jesu Wasser lässt sich eher mit einem Gebirgsbach vergleichen, der über Steine springt und kräftig von der Höhe nach unten rauscht. Frisch und voller Energie sprüht er vor Lebendigkeit.

Jesus bietet dieses Wasser an und wer es annimmt, der wird von Jesus selbst angesteckt. Von Jesus geht sprudelndes Wasser aus. Er verbreitet eine Spritzigkeit, die viele Menschen mitreißt. Jesu Wasser des Lebens empfangen, macht Lust am Leben Jesu und an seinem Evangelium.

Kinder sind oft sehr begeistert von Jesus. Wenn sie von ihren Eltern oder Großeltern erzählt bekommen oder in der Schule Jesus kennen lernen, dann lassen sich Kinder leicht von Jesus anstecken. Doch diese Begeisterung verfliegt oft wieder. Vielleicht verlieren wir dann unsere Begeisterung, wenn uns klar wird, was es heißt sich auf Jesus einzulassen. Dann wenn wir merken, dass eine Entscheidung für ein Leben mit Jesus ansteht und damit die entsprechenden Konsequenzen gefordert sind. Ein Leben mit Jesus erlaubt kein Mitläufertum. Es fordert.

Die Frau am Jakobsbrunnen erzählt von fünf Männern, die in ihrem Leben vorkamen, doch keiner ist der ihre geworden. Ihre Aussage ist ein Bild für das Leben. Das Leben bietet uns viele Möglichkeiten an. Die Versuchung ist groß, dass wir uns möglichst viele offen halten, denn die Entscheidung für eine konkrete Option verlangt die Entscheidung gegen andere. Wenn ich versuche, mir alle Möglichkeiten des Lebens offen zu halten, dann wird mein Leben verstreichen, ohne dass ich schließlich gelebt habe. Vor lauter Angst mir eine Chance zu vergeben, habe ich keine wahrgenommen. Eine hätte genügt, um zu leben.

Der Weg Jesu ist eine Möglichkeit zu leben. Wenn wir uns für diesen Weg entscheiden, dann erfordert das von uns ganzen Einsatz. Wir können nicht die Teile seiner Botschaft nehmen, die uns gefallen und alles andere weglassen. Die Entscheidung für Jesus bedeutet eine Entscheidung für das ganze Paket, das uns im Evangelium geschnürt worden ist. Mit der Entscheidung für Jesus fällt eine Grundsatzentscheidung, die viele Konsequenzen nach sich zieht. Es gibt kein Christentum, das sich nur auf den Sonntag oder auf das Beten beschränkt, Christsein betrifft immer unser ganzes Leben, ohne Pause und ohne Urlaub. Nur dann haben wir uns wirklich für das Christsein entschieden.

Wir Franziskaner sind dafür bekannt, dass man uns mal mit und mal ohne Habit begegnet. Viele meinen, wenn wir keinen Habit tragen, dann erkennt man uns nicht. Wenn das wirklich so wäre, dann würde etwas nicht stimmen. Es ist nicht der Habit, der uns zu Franziskanern macht, es ist unser Leben. Unser Leben zeigt den Menschen, wer wir wirklich sind. Das gilt gleich für unser Christsein. Mit der Entscheidung für das Christsein treffen wir eine Lebensentscheidung. Nur wenn man an unserem Leben erkennt, dass Jesus Christus der Weg unseres Lebens ist, dann sind wir wirklich Christen. Unsere Kleidung und unsere Formen machen keine Christen aus uns, nur unser konkretes Leben.

Hier stellen sich dann die Fragen an uns: wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um? Wie gestalten wir unser Leben und was bestimmt unser Denken und Handeln? Ist es das Evangelium von Jesus Christus, dann wird man es in unserem Leben sehen.

Das Evangelium ist gleichsam das Gefäß, in dem wir das sprudelnde Wasser Jesu erhalten. Es enthält die Freude am Leben, die Freude über die Liebe Gottes. Das Evangelium enthält auch den Blick Jesu für all die Menschen in ihrer Not und seine Antwort auf ihre fragenden Augen. In Liebe geht er auf sie zu, heilt ihre Not und verkündet die botschaft von der freiheit der Kinder Gottes. Jesus begeistert, weil er nicht Angst und Enge sondern Weite und Liebe verkündet. Das ist Wasser, das lebendig macht. Wenn wir dieses Wasser trinken, werden auch wir vor Freude sprudeln.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Dieser Ruf hat die österliche Bußzeit eingeläutet. Der Glaube an das Evangelium ist die Entscheidung für Jesus Christus und für das Christsein. Wird es in unserem Leben sichtbar, dann hat uns Jesus angesteckt und wir haben vom Wasser des Lebens getrunken, das er zu geben hat. Und dann werden auch wir sprudeln vor Lebendigkeit.