Heiliger Zorn?


Das ebengehörte Evangelium schildert ausnahmsweise einen Jesus, der nicht lieb und brav ist, sondern außerordentlich aus der Haut fährt. Was bringt ihn so in Rage? Jesus beschwert sich nicht darüber, dass die Gebote Gottes nicht befolgt werden. Er ist außer sich, weil das Haus Gottes nicht mehr Ort des Gebetes sondern Ort des Handels geworden ist. Der Mensch habe eine Räuberhöhle daraus gemacht.

Schnell bleiben wir dann bei den Händlern hängen, die alles anbieten, was zu den Gottesdiensten nötig ist und was der eine oder andere als Andenken nach Hause nehmen will. Wer denkt nicht schnell an die verschiedenen Wallfahrtsorte, wo so manches zu Verkauf angeboten wird.

Doch muss dieser Handel der Zielpunkt der Aggressivität Jesu sein oder könnte da nicht ein anderer Handel gemeint werden? Die Menschen treiben nicht nur untereinander Handel, sie versuchen auch ihren Handel mit Gott zu treiben. Mit Hilfe von Opfer und Verzicht, versucht man die Zuwendung Gottes zu erkaufen. Gute Taten und Gesetzestreue sollen einen Platz im Paradies und damit ewiges Heil garantieren. Aus dem Ort des Gebetes ist ein Ort des Handels geworden. Die Beziehung zu Gott, wie sie im Gebet ihren Ausdruck findet, wurde durch eine Geschäftsbeziehung abgelöst. Wie auf einer Bank versuchen Menschen auf ihren Heilsbankkonten gutes Leben anzulegen und damit den Himmel zu sichern. Eine Vielzahl von Gesetzen und Ordnungen sollen dabei helfen, dass man auch den richtigen Kontostand erreicht. Wie unsere Steuergesetze kennen dabei auch diese Ordnungen für Insider die nötigen Gesetzeslücken.

Aber mit Gott lässt sich kein Handel treiben. Menschliches Leistungsdenken scheitert an göttlicher Barmherzigkeit. Heil erfährt der Mensch nicht, weil er sich genügend Heilstaler erarbeitet hat, sondern weil sich Gott als gnädig erweist. Der Mensch kann vor Gott bestehen allein aus Gnade.

Wenn wir im Alten Testament von den Zehn Geboten hören, dann wird damit nicht ein himmlisches Bankengesetz erlassen. Die jüdische Tradition spricht hier nicht von Geboten sondern von den zehn Worten Gottes. Mit seinen Worten will Gott dem Menschen Freiraum und Schutz des Lebens und der Freiheit sichern.

Gott ist einzig, denn er allein ist Garant der Freiheit, nur wer sich auf ihn einlässt, wird in die Freiheit geführt. Dazu gehört auch das Bilderverbot, denn jedes Bild schränkt ein, denn es trifft nie die Wirklichkeit. Das gilt für Gott, das gilt auch für die Menschen.

Gottes Namen soll nicht missbraucht werden. Wenn jemand im Namen Gottes auftritt, dann ist meist Vorsicht geboten. Vielfach muss Gott dann als Begründung herhalten, wenn menschliche Argument nicht mehr genügen, um Handeln zu rechtfertigen. Oft sind Zweifel angesagt und das was im Namen Gottes vertreten wird, ist meist nicht die Sache Gottes, sondern die Sache von Menschen.

Der Sabbat soll geheiligt werden. Es hat sich als ein guter Rhythmus erwiesen, dass der Mensch nach sechs Arbeitstagen einen Ruhetag einlegt. Doch der Sabbat ist nicht nur ein Ruhetag, er sollte auch ein Tag des Dankes für die Schöpfung sein. Der siebte Tag ist auch der Tag, an dem die Schöpfung vollendet wurde, und damit Ausblick der Vollendung der Welt am Ende der Zeiten.

Sollen Mutter und Vater geehrt werden, dann verbirgt sich hinter diesen Gedanken auch der Dank für das Geschenk des Lebens, das wir erhalten haben. Mutter und Vater stehen für den Beginn unseres Daseins in dieser Welt.

Du sollst nicht morden, nicht die Ehebrechen, nicht stehlen, nicht gegen den Nächsten falsch aussagen und nicht nach dem verlangen, was zum Anderen gehört. Die weiteren Worte Gottes sind davon geprägt, dass sie all das zu schützen versuchen, was zum Leben eines Menschen gehört. Das Leben selbst und alles, was dieses Leben ausmacht, sollen dem Menschen heilig sein. Nur mit dem nötigen Respekt vor dem Leben, ist ein Leben in Freiheit möglich.

Diese Worte Gottes zum Leben der Menschen haben somit nicht die Aufgabe, zu regeln, wie der Mensch vor Gott bestehen kann, sondern wie Menschen miteinander in Frieden leben können. Vor Gott hat der Mensch Bestand, zwar nicht aus eigener Kraft aber durch die Liebe Gottes. Das allein genügt.