Gute Nachricht für Mutlose


Im September dieses Jahres bekam Bundespräsident Köhler Besuch von Pfadfindern aus ganz Deutschland. Sie feierten ihr hundertjähriges Jubiläum vor dem Schloss Bellevue. In seinen Abschiedsworten bedankte sich Köhler für das Engagement der Jugendlichen und ihren Einsatz für eine bessere Welt. Junge Menschen hatten klar gemacht, dass sie nicht pessimistisch in die Zukunft blicken, sondern aktiv Zukunft gestalten. Damit stellen sie einen Gegenpol dar zur allgemeinen Stimmung in unserer Welt. Unsere Gesellschaft scheint durch Mutlosigkeit wie gelähmt. Angesichts der Größe der Aufgaben wird für viele der Blick nach vorn zum Weg in die Mutlosigkeit und Aussichtslosigkeit. Erschöpft lehnen sie sich zurück und alles bleibt, wie es ist.

Aussichtslos war auch die Lage des Volkes Israel. In der Auseinandersetzung mit seinen Nachbarn hatte es den kürzeren gezogen. Nun musste es im Exil leben. Zukunftsaussichten waren sehr bescheiden. In dieser Situation tritt der Prophet Jesaja auf und trägt die Vision eines paradiesischen Landes vor. Im Auftrag Gottes öffnet er den Blick über die augenscheinliche Zukunft hinaus. Jesaja wird zum Hoffnungspropheten. Im Auftrag Gottes verkündet er den mutlosen Israeliten eine strahlende Zukunft. Seine gute Nachricht soll den Blick weiten, Kräfte mobilisieren und die Israeliten anspornen anzupacken. Die Worte des Propheten reißen die Israeliten aus ihrer Lethargie. Das Volk Gottes nimmt sein Leben wieder in die Hand und überlebt so das Exil.

Mutlosigkeit hat sich auch in unseren Tagen breitgemacht. Da sind Jugendliche, die keine Hoffnung auf Ausbildung, auf Arbeit und damit auf eine Zukunft haben. Da sind Arbeitslose, die keine Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz haben. Da ist unsere Gesellschaft, die beim Anblick der großen Probleme keine Lösungen sieht. Da ist die Klimafrage, deren weltweite Lösung wieder einmal gescheitert ist. Das sind die Machtverhältnisse in der Welt, die Gleichberechtigung und Frieden verhindern. Gibt es gute Nachricht für Mutlose auch in unserer Zeit?

Der Prophet Jesaja hatte seinerzeit das Bild von einer herrlichen Zukunft gemalt. Es war ein konkretes Bild keine Jenseitsvertröstung. Mit seinen Worten wollte er seinem Volk zeigen, Gott hat die Menschen nicht verlassen, auch wenn der Mut die Menschen verlassen hat. Seine Ermutigung soll auch Ermutigung für uns sein. Auch uns gilt, Gott geht unsere Wege mit. Wenn wir mit Gott rechnen, dann ist das nicht Dummheit, es ist kein blinder Glaube, der Glaube an Gott ist vielmehr Vertrauen in die Zukunft. Dieser Glaube gibt Kraft und lässt Menschen Hand anlegen.

Ein Beispiel hierfür ist unter anderen die Bundesaktion der Rover, das sind 15 bis 18 jährige Pfadfinder. Mit Unternehmern haben diese Jugendlichen gewettet, dass es ihnen gelingt, über 101 Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Als Gegenleistung werden durch die Unternehmer neue Ausbildungsplätze geschaffen. Für hoffentlich viele Jugendliche wird dies eine gute Nachricht sein, denn sie erhalten eine Perspektive für ihr Leben.

Gute Nachricht sind oft kleine Schritte, die den Anfang machen für ein neues Denken, ein neues Bewusstsein und damit den Anfang für Veränderung. Was würde beispielsweise passieren, wenn von den 1,3 Millionen Einwohnern in München alle, die Einkommens- oder Lohnsteuer zahlen müssen nur auf einen Euro an Steuerrückzahlung verzichten, weil sie nicht jedes Steuerschlupfloch nützen. Nehmen wir mal an, ein Drittel der Münchner ist betroffen. Mit diesen rund 400.000 Euro ließen sich mehrere Lehrerstellen finanzieren, so dass Kinder eine bessere Förderung in den ersten Jahren ihrer Schulzeit erhielten. Das wäre eine gute Nachricht für Mutlose, denn gute Bildung bedeutet gute Zukunft. Oder ist das nur eine Milchmädchenrechnung?

Die Gesellschaft in Deutschland und in der Welt braucht Beispiele, die zeigen, dass neue Wege möglich sind. Es braucht Beispiele, die für ein neues Bewusstsein für uns als Gesellschaft stehen und Verantwortung für alle Menschen deutlich machen. Diese Beispiele sind ein Gegenmittel gegen den schlimmsten Virus unserer Zeit, den Pessimismus. Diesem wird Optimismus entgegen gehalten. Solch ein Optimismus sagt nicht, alles wird toll sein. Er sagt,  es lässt sich was zum Guten wenden.

Im Exil war es der Prophet Jesaja, der eine gute Nachricht der Mutlosigkeit der Israeliten entgegengesetzt hat. Vor 2000 Jahren war es Jesus Christus, der mit seinem Leben verkündete, Gott ist mit den Menschen und deshalb lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen und den Weg der Hinwendung zu den Menschen zu gehen. Heute nimmt Gott unsere Gedanken und Ideen um der Welt zu zeigen, unser Leben hat Zukunft. Es lohnt sich zu leben und gemeinsam in diese Zukunft zu gehen.